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Millionen-Beute mit der "Chef-Masche": "Enkeltrick" in Unternehmen


"Enkeltrick" in Unternehmen  

Betrüger erbeuten Millionen mit der "Chef-Masche"

06.07.2016, 21:10 Uhr | dpa, t-online.de

Millionen-Beute mit der "Chef-Masche": "Enkeltrick" in Unternehmen. Das Landeskriminalamt NRW warnt vor einer neuen Masche, bei der es Betrüger vor allem auf Unternehmen abgesehen haben. (Quelle: dpa)

Das Landeskriminalamt NRW warnt vor einer neuen Masche, bei der es Betrüger vor allem auf Unternehmen abgesehen haben. (Quelle: dpa)

Es funktioniert im Prinzip wie der berüchtigte "Enkeltrick". Nur diesmal stehen Unternehmen im Fokus von Wirtschaftsbetrügern - und nicht Senioren. Der Schaden geht weltweit in die Milliarden, allein in Nordrhein-Westfalen beträgt er mittlerweile 31 Millionen Euro. 

Sie geben sich als Firmen-Chefs oder Top-Manager aus, fordern von Mitarbeitern in der Buchhaltung schnell hohe Summen zum Begleichen wichtiger Transaktionen. Weltweit vernetzte Betrüger haben Unternehmen so bundesweit bereits um zweistellige Millionenbeträge erleichtert. Einem Unternehmen kamen auf einen Schlag zwölf Millionen Euro abhanden.

Warnung vor "CEO-Fraud"

Das Landeskriminalamt NRW warnt nun vor der "Chef-Masche", die auch als "CEO-Fraud" (Vorstands-Betrug), "Enkeltrick 4.0", "Social Engineering", "Geschäftsführer-Trick" oder "Fake President" bezeichnet wird. Seit Ende vergangenen Jahres hätten die Fälle stark zugenommen. "Es handelt sich um ein neuartiges Phänomen, eine perfide Betrugsmethode", sagte LKA-Chef Uwe Jacob.

Hinter dem Betrug stecke ein weltweit operierendes Netzwerk aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität. Das FBI beziffert den weltweiten Schaden auf 3,1 Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) in 100 Staaten.

BKA geht von hoher Dunkelziffer aus

Dem Bundeskriminalamt (BKA) wurden seit 2013 bundesweit 58 Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von 106 Millionen Euro bekannt. Der tatsächliche Schaden könne aber höher liegen, weil es dazu keine Statistik mit Meldepflicht gebe.

Es handele es sich um eine Weiterentwicklung des berüchtigten Enkeltricks, berichtete das LKA in Düsseldorf. Dabei meldet sich der vermeintliche Chef oder Finanzchef des Unternehmens "von oberster Stelle" beim zuständigen Buchhalter und drängt zur Eile: Für wichtige Transaktionen müsse dringend Geld überwiesen werden. Auf diese Weise landen große Geldsummen auf ausländischen Konten.

Kontrollmechanismen in den Firmen außer Kraft

Manchmal habe der Buchhalter Wochen zuvor einen Anruf vom vermeintlichen Chef erhalten, der ihm für seine Arbeit dankt. Nun glaubt er, seine Stimme wiederzuerkennen. Oft erfolge der erste Kontakt aber über eine gefälschte E-Mail-Adresse.

Die Verpflichtung zur strikten Vertraulichkeit und vorbereitete Zahlungsaufträge mit der notwendigen, aber gefälschten zweiten Unterschrift setzten die Kontrollmechanismen in vielen Unternehmen außer Kraft: Auch erfahrene Buchhalter seien auf diese Weise bereits psychologisch manipuliert und zur Überweisung von Millionenbeträgen verführt worden.

Betrüger bereiten sich wochenlang vor

Die Masche sei vor etwa zwei Jahren zuerst in der Schweiz und im französischsprachigen Europa aufgetaucht, inzwischen haben laut FBI 100 Staaten weltweit solche Fälle registriert. Europol beziffere den europaweiten Schaden auf 500 Millionen Euro und zähle bereits 1200 Fälle. Erste Ermittlungserfolge habe die norwegische Polizei verbuchen können. Das LKA hielt sich dazu aus taktischen Gründen aber bedeckt.

Die Betrüger seien über das Unternehmen bestens im Bilde, hätten sich wochenlang vorbereitet und Informationen gesammelt, um ihren Angriff zu starten. Im Internet lassen sich häufig Firmenstruktur auf der Homepage und Funktionen der Mitarbeiter in Berufs-Netzwerken nachvollziehen. Über Social Media lässt sich herausfinden, ob der Vorstand gerade im Ausland weilt und schlecht erreichbar ist.

Betroffen seien Großkonzerne und Mittelständler. Besonders anfällig seien patriarchalisch-autoritär geführte Unternehmen, in denen Zweifel und Widerspruch nicht erwünscht sind.

Schweigen aus Angst vor Vertrauensverlust 

Das Geld werde bevorzugt in den chinesischen Sprachraum gelotst, weil es dort rasch weitergeleitet werden kann, bevor der Betrug auffällt. "Wir gehen von einem großen Dunkelfeld aus und vermuten, dass viele Versuche, aber auch viele erfolgreiche Betrugstaten gar nicht angezeigt werden - aus Angst vor Vertrauensverlust." Dabei sei das rasche Einschalten von Polizei und Hausbank entscheidend, um das Geld zurückzubekommen. In NRW konnten rund 20 Millionen Euro von den Banken gerade noch eingefroren werden.

Die Täter hätten Varianten entwickelt: "In einem Fall wurde behauptet, die Steuerfahndung sei überraschend ins Haus gekommen und das Geld müsse rasch verschwinden", berichteten Experten von der Commerzbank und der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG.

Die betroffenen Buchhalter seien nach dem Betrug oft suizidgefährdet, warnten die Experten. Sie rieten zur Betreuung der Mitarbeiter. Es komme aber leider vor, dass diese im Unternehmen selbst unter Verdacht geraten und entlassen werden.

Wie sich Unternehmen schützen können

Die Kriminalpolizei rät den Firmen-Mitarbeitern: Nehmen Sie vor der (großen) Überweisung unbedingt persönlich Kontakt mit dem Geschäftsführer oder dem Vorstandsmitglied auf. Die Betrugsmails werden nicht von Firmenadressen versandt. Überprüfen Sie die genutzte E-Mail-Adresse genau. Kontaktieren sie bei Betrugsverdacht umgehend die Polizei.

Achten Sie darauf, welche Informationen über Ihr Unternehmen öffentlich sind, wo und was Sie und Ihre Mitarbeiter im Zusammenhang mit Ihrem Unternehmen publizieren. Führen Sie klare Abwesenheitsregelungen und interne Kontrollmechanismen ein. Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter für das Betrugsphänomen.

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