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Experten zu neuer Bankenkrise: Deutsche Banken sind nicht in Gefahr


Experten sehen kaum Risiken  

Deutsche Institute überstehen italienische Bankenkrise

13.07.2016, 15:32 Uhr | t-online.de

Experten zu neuer Bankenkrise: Deutsche Banken sind nicht in Gefahr. Zu den Sorgenkindern der italienischen Bankenkrise zählt mit der Hypovereinsbank-Mutter Unicredit auch das größte Geldhaus des Landes. (Quelle: Reuters)

Zu den Sorgenkindern der italienischen Bankenkrise zählt mit der Hypovereinsbank-Mutter Unicredit auch das größte Geldhaus des Landes. (Quelle: Reuters)

Die Finanzkrise von 2008 ist kaum überwunden und schon droht von italienischen Banken neues Ungemach. Deutsche Sparer und Anleger fragen sich, ob nun ein neuer globaler Finanzkollaps naht, der auch hiesige Banken mitreißen kann. Von t-online.de befragte Finanzexperten winken ab.

Angesichts fauler Kredite in Höhe von 360 Milliarden Euro, bei denen Kunden Probleme mit der Rückzahlung haben, hat nun sogar der Internationale Währungsfonds (IWF) Alarm geschlagen und die Banken Italiens zur schnellen Sanierung aufgerufen. Finanzexperten schätzen den unmittelbaren Finanzbedarf der Institute auf fast 40 Milliarden Euro.

Rasche Hilfe ist somit gefragt. Da wundert es nicht, dass sich internationale Investoren wie Blackrock oder der Deutsche-Bank-Chefökonom David Folkerts-Landau mit Verweis auf globale Systemrisiken für Staatshilfen stark machen. Auch Italiens Regierung unter Ministerpräsident Matteo Renzi würde die Geldhäuser trotz darbender Konjunktur in Italien am liebsten sofort mit öffentlichen Mitteln stützen.

Aktionäre und Gläubiger der Geldhäuser würden im Fall von Staatshilfen weitestgehend verschont. Statt ihrer würden die italienischen Steuerzahler für die Misswirtschaft der heimischen Banken bluten.

"Deutsche Banken inzwischen gut kapitalisiert"

Den Verweis auf internationale Risiken hält Finanzexpertin Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin jedoch für überzogen, wie sie gegenüber t-online.de erklärte. "Diese Gefahr schätze ich als sehr gering ein, weil Regierungen und Aufsichtsbehörden das verhindern werden."

Auch Markus Demary vom Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kann beim besten Willen keine größeren Gefahren für deutsche Geldhäuser ausmachen. Er glaube nicht, "dass die Krise auf deutsche Banken übergehen wird". So sei die Misere von Italiens Geldhäusern seit langem bekannt, weshalb deutsche Institute im Geschäftsverkehr entsprechend vorsichtig agiert hätten. "Dazu kommt, dass die deutschen Banken inzwischen sehr gut kapitalisiert sind, so dass sie mit eventuell anfallenden Verluste umgehen können." 

Ohnehin aber hat die EU nach den Erfahrungen der Finanzkrise von 2008 allzu raschen Staatshilfen einen Riegel vorgeschoben. So müssen nach der neuen EU-Bankenrichtlinie zunächst Aktionäre und Anleihe-Gläubiger herangezogen werden, bevor überhaupt Staatshilfen fließen können, wofür der Fachbegriff "Bail-in" steht. Ersparnisse der Bankkunden wären wegen der Einlagensicherung selbst im Insolvenzfall zumindest bis 100.000 Euro geschützt. 

Dass sich Matteo dennoch so stark für eine Rettung mit öffentlichen Mitteln engagiert, hängt damit zusammen, dass sich unter den Anleihegläubigern der Institute sehr viele Kleinanleger und damit auch Wähler befinden. Gemutmaßt wird, dass deren Beteiligung an einer Rettung einem politischen Selbstmord Renzis gleichkäme.

Angesichts des Interessenkonflikts, der sich um Staatshilfen versus Gläubigerhaftung dreht, glaubt Schäfer wie auch Demary, dass hier ein Mittelweg gefunden wird. So muss die EU-Bankenrichtlinie laut Schäfer "zumindest einmal angewandt werden", um nicht als "Papiertiger" abgestempelt zu werden. Deshalb geht sie davon aus, dass die EU-Finanzminister und die Kommission einerseits auf einem gewissen Beitrag von Aktionären und Anleihe-Gläubigern bestehen, Italien andererseits aber "begleitende" Staatshilfen erlauben.

Staatshilfen nicht bedingungslos erlauben

Auch IW-Experte Demary meint, dass sich letztlich auf eine "regulatorische Hintertür" verständigt wird, damit trotz neuer EU-Regeln frische Gelder in die Banken fließen können: "Solange die Gläubigerbeteiligung gewährleistet ist, können mit Genehmigung der EU-Kommission auch Staatshilfen stattfinden."

Zwar würden die neuen Bankenregeln dadurch gewissermaßen aufgeweicht. Das findet Demary aber keineswegs bedenklich. "Schlimm wäre das nur, wenn es sich nur um ein Geldgeschenk handeln würde. Wenn das Geld aber genutzt wird, um den Bankensektor zu reformieren, dann kann man das als Investition sehen." 

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