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Softbank kauft britischen Chip-Hersteller ARM - aber warum?


Rätselhafter Mega-Deal  

Japanischer Milliardär kauft Chip-Designer ARM

18.07.2016, 17:02 Uhr | dpa, rtr

Softbank kauft britischen Chip-Hersteller ARM - aber warum?. Masayoshi Son hat Softbank gegründet und ist der zweitreichste Mann in Japan. (Quelle: Reuters)

Masayoshi Son hat Softbank gegründet und ist der zweitreichste Mann in Japan. (Quelle: Reuters)

Praktisch kein Smartphone kommt ohne Technologie des Chip-Designers ARM aus. Jetzt kauft ein japanischer Milliardär die britische Firma. Der Kurssturz des Pfund nach der Brexit-Entscheidung hat den Preis ordentlich gedrückt. Aber was will Masayoshi Son überhaupt mit der Chip-Architekten?

Ins bisherige Kerngeschäft von Sons Technologie-Konglomerat Softbank - Mobilfunk und Beteiligungen an Online-Diensten - lässt sich ARM jedenfalls nicht einfach so einbinden. Der Kaufpreis liegt bei rund 24 Milliarden Pfund (rund 28,7 Milliarden Euro), also auch kein Betrag, der sich mal eben aus der Portokasse bezahlen lässt. 

ARM entwirft Chip-Architekturen, auf die sie dann Lizenzen an Hersteller verkaufen - oder an Technologie-Giganten wie Apple und Samsung, die auf dieser Basis eigene Prozessoren entwickeln. Es ist ein stabiles Geschäft. Im vergangenen Jahr blieb in den Kassen ein Gewinn von 339,7 Millionen Pfund (aktuell rund 407 Millionen Euro) bei Erlösen von 968,3 Millionen Pfund hängen. Solide - aber mit dem Lizenz-Modell ist ARM trotz aller Dominanz auch nicht unbedingt eine sprudelnde Geldquelle wie etwa Apple.

Ruhestand verschoben

Dem Softbank-Eigner scheint der Deal aber sehr am Herzen zu liegen: Er verschob jüngst seinen Ruhestand und nahm dafür in Kauf, dass sein designierter Nachfolger, Ex-Google-Manager Nikesh Arora, Knall auf Fall das Weite suchte. Son machte Milliarden durch den Verkauf des Spiels "Clash of Clans" (mit Gewinn) und eines Anteils an der Handelsplattform Alibaba flüssig. Und er drückt seinen bereits mit über 100 Milliarden Dollar verschuldeten Konzern trotzdem tiefer in die Kreide - knapp ein Drittel des Kaufpreises soll immer noch mit Krediten finanziert werden.

Einige Analysten vermuten, dass Softbank versuchen könnte, die ARM-Lizenzgebühren zu erhöhen. Andere sehen den Grund für das Investment in der neuen Generation von Chips, die von den Briten entwickelt werden. Sie sollen das "Internet der Dinge" steuern, das irgendwann Dutzende Milliarden vernetzter Geräte umfassen wird. Dienstleistungen rund um Vernetzung gelten als lukratives Geschäftsmodell für die Zukunft der Telekom-Anbieter. Und Son holte sich bereits den menschelnden Roboter "Pepper" der französischen Firma Aldebaran ins Haus.

China könnte eigene Chip-Designs entwickeln

Für den Markt in China könnte das Geschäft dagegen kontraproduktiv sein, mutmaßen andere Beobachter. "Die chinesische Regierung hat einige politische Probleme mit der japanischen Regierung. Sollte also ARM von Softbank gekauft werden, wird China, denke ich, mehr in die Entwicklung einer eigenen Architektur investieren", sagte der Analyst Roger Sheng. Tatsache ist aber, dass Son sich den Ruf eines Unternehmers erworben hat, der gerne auf Risiko setzt. Immerhin ist er der zweitreichste Mensch in Japan.

Als zur Jahrhundertwende die Internet-Blase platzte, verlor der Sohn koreanischer Fischer viel Geld. Aber die frühe Investition in den Internet-Pionier Yahoo erwies sich als Goldgrube. Son riskierte auch viel, als er 2006 Vodafone das Japan-Geschäft für rund 15 Milliarden Dollar abkaufte - doch es wurde ein Erfolg.

Was auch immer die Gründe für die Übernahme sind, die britische Regierung feiert die Übernahme schon als Beleg für die anhaltende Attraktivität britischer Firmen - trotz des Brexits. "Nur drei Wochen nach dem Referendum zeigt sich, dass Großbritannien bei internationalen Investoren nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat", sagte der neue Finanzminister Philip Hammond. Auch Premierministerin Theresa May wertete den Deal als Beleg, dass die britische Wirtschaft auch nach dem Referendum erfolgreich sein kann.

Milliardär glaubt fest an Großbritannien

Nach dem Votum der britischen Wähler für einen Austritt aus der EU sind Befürchtungen aufgekommen, dass Großbritannien als Wirtschaftsstandort stark leiden könnte. Einige Volkswirte sagen dem Königreich für das kommende Jahr eine Rezession voraus. Banken haben damit gedroht, Stellen aus London zu verlagern, falls das Land seine Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum verliert. "Ich bin das Gegenstück dazu", sagte der 58-jährige Softbank-Gründer. "Ich glaube ganz fest an Großbritannien." Das Brexit-Votum habe seine Entscheidung nicht beeinflusst. Die Zahl der Stellen im Königreich soll trotz einer erwarteten Rezession in den kommenden fünf Jahren verdoppelt werden.

Für Softbank ist es der größte Zukauf in der Konzerngeschichte. Je Anteilsschein sollen die ARM-Aktionäre 17 Pfund in bar erhalten, was einem Aufschlag von mehr als 40 Prozent im Vergleich zum Schlusskurs vom Freitag entspricht. Softbank verpflichtete sich, ARM als eigenständigen Konzernteil mit dem jetzigen Management zu erhalten. Der Firmensitz soll in der Universitätsstadt Cambridge bleiben. Allerdings soll ARM von der Börse genommen werden.

Schwaches Pfund spielte angeblich keine Rolle

Der international aufgestellte Konzern hatte sich bereits in den vergangenen Wochen gegen das Brexit-Votum immun gezeigt. Die Aktie legte seit dem Referendum um fast 17 Prozent zu. Zugleich büßte das britische Pfund an Wert ein, womit Firmen auf der Insel für ausländische Investoren günstiger werden. Das schwächere Pfund habe aber bei der Übernahme keine Rolle gespielt, sagte Son.

In Tokio wurden Softbank-Aktien am Montag wegen eines Feiertags nicht gehandelt, in Frankfurt fielen die Papiere um 1,6 Prozent. ARM-Anteilsscheine stiegen in London auf 16,95 Pfund. Auch andere Chipunternehmen wurden von der Fusion beflügelt: So legten Dialog Semiconductor um fünf Prozent und die frühere Siemens-Tochter Infineon Technologies um zwei Prozent zu.



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