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Vor Tod: Unister-Gründer Thomas Wagner erstattete Anzeige in Venedig


Vor dem Absturz  

Unister-Chef Wagner erstattete in Venedig Anzeige

21.07.2016, 16:53 Uhr | dpa-AFX, t-online.de

Vor Tod: Unister-Gründer Thomas Wagner erstattete Anzeige in Venedig. Unister-Gründer Thomas Wagner war in Venedig bei der Polizei - auf der Rückreise starb er. (Quelle: dpa)

Unister-Gründer Thomas Wagner war in Venedig bei der Polizei - auf der Rückreise starb er. (Quelle: dpa)

Der Tod des Unister-Gründers Thomas Wagner entwickelt sich immer mehr zum Wirtschaftskrimi. Nun gibt es neue Informationen zu Wagners Reise nach Venedig, auf deren Rückweg er starb.

Die Staatsanwaltschaft der italienischen Stadt teilte mit, Wagner habe dort vor seinem Tod Anzeige erstattet. Gegen wen und warum wurde allerdings nicht bekanntgegeben.

Spekuliert wird, dass Wagner in Italien um viel Geld betrogen worden war. Der 38-Jährige kam vergangenen Donnerstag auf dem Weg von Venedig nach Leipzig bei einem Flugzeugabsturz in Slowenien ums Leben. Drei weitere Menschen starben bei dem Unglück: der Pilot (73), Unister-Mitgesellschafter Oliver Schilling (39), und ein 65-jähriger Mann - laut "Spiegel Online" ein Finanzvermittler aus dem Sauerland.

Wagner und sein Kompagnon wollten sich in Venedig mit potenziellen Investoren treffen, wie Unister mitgeteilt hat. Dabei sollen sie betrogen worden sein. Die slowenische Polizei berichtete von Dokumenten an Bord der Unglücksmaschine, die darauf hinwiesen, dass Wagner "um eine größere Summe geschädigt wurde". In Medienberichten wird über die Investoren und untergeschobenes Falschgeld spekuliert, offiziell bestätigt ist nichts. Auch die Herkunft der an der Unglücksstelle gefundenen 10.000 Schweizer Franken in bar ist unbekannt.

Zum Absturz könnte Vereisung an der einmotorigen Maschine beigetragen haben. Entsprechende Probleme hatte der Pilot der slowenischen Flugkontrolle gemeldet. Slowenische Medien spekulierten, dass die gecharterte Privatmaschine deutlich oberhalb der für diesen Typ üblichen Flughöhe von 5000 Metern unterwegs gewesen sein dürfte. Die Untersuchungen des Wracks laufen noch, auch unter Beteiligung deutscher Behörden.

Unister will Geldgeschäft aufklären lassen

Unister-Gesellschafter und Mitgründer Daniel Kirchhof will nun die Umstände des mutmaßlichen Geldgeschäfts klären lassen. Sein Verdacht reiche "bis hin zur Geldwäsche". "Die Frage ist, welches Geld ist es gewesen und woher kommt es", sagte er mit Bezug auf die am Absturzort gefundenen 10.000 Schweizer Franken.

"Von meiner Seite halte ich es für ganz, ganz dringend, dass da aufgeklärt wird. Insbesondere wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass so eine große Menge Bargeld in der Gegend rumfährt, wer da auch an dem ganzen Vorgang beteiligt gewesen ist, wer davon wusste", sagte Kirchhof. "Was da passiert ist, ist skurril. Für mich ist das völlig unplausibel." Venedig sei für Finanzgeschäfte kein typischer Standort.

Nur ältere Bilanz vorhanden

Die wirtschaftliche Situation von Unister ist unklar. Die letzte veröffentlichte Bilanz der Holding stammt von 2011. Ihr alleiniger Geschäftsführer war Wagner, der alle Fäden in den Händen hielt. 2002 hatte er Unister als 23-Jähriger in Leipzig ursprünglich als Studententauschbörse gegründet und das Start-up auf einen rasanten Wachstumskurs geführt.

2015 war dann von Stellenstreichungen die Rede, 30 Millionen Euro pro Jahr sollten eingespart werden. Ein expliziter Insolvenzgrund - wie Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung - wurde bislang nicht genannt.

Bis zu seinem Tod hielt Wagner rund 40 Prozent der Anteile und war damit Hauptgesellschafter der Unister Holding. Der Rest verteilt sich nach Firmenangaben auf die vier Mitgründer - darunter der ebenfalls verstorbene Schilling - sowie eine Firma namens Opus30 Vermögensverwaltungsgesellschaft.

2012 war Unister ins Visier der Justiz geraten. Wagner und drei weitere Manager wurden unter anderem wegen unerlaubter Versicherungsgeschäfte und Steuerhinterziehung angeklagt. Unister wies die Vorwürfe stets zurück. Zum Prozess kam es bisher nicht, weil das Landgericht Leipzig derzeit eine weitere Klage prüft.

Unister soll gerettet werden

Wenige Tage nach dem Absturz meldete die Unister Holding Insolvenz an, auch ein Tochterunternehmen ist betroffen. Insolvenzverwalter Lucas Flöther soll den Internetkonzern retten - und gibt sich optimistisch. In der "Wirtschaftswoche" erklärte er, dass sich schon in den ersten 24 Stunden eine hohe zweistellige Zahl potenzieller Investoren gemeldet habe, die sich für das Unternehmen als Ganzes oder für Teile interessierten.

Jetzt werden die Interessensbekundungen gefiltert und sondiert. Dann wird entschieden, ob Unister zerschlagen oder komplett verkauft wird.

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