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Gastkolumne zur Notenbankpolitik: Die Minuszinsen gehen alle Anleger an!


Gastkolumne zur Notenbankpolitik  

Die Minuszinsen gehen alle Anleger an!

25.07.2016, 18:35 Uhr | t-online.de

Gastkolumne zur Notenbankpolitik: Die Minuszinsen gehen alle Anleger an!. Länger laufende Bundesanleihen rentieren unter Null. (Quelle: dpa)

Länger laufende Bundesanleihen rentieren unter Null. (Quelle: dpa)

--- Ein Gastbeitrag von Marc-Oliver Lux ---

Wann kommen die Minuszinsen auf dem privaten Sparkonto? Diese Fragen treibt auch immer mehr Kleinanleger um. Noch scheuen sich Banken davor, von Privatkunden Geld für Guthaben auf kleinere Anlagesummen zu nehmen. Es ist aber ein Trugschluss davon auszugehen, dass Kleinanleger von den Negativzinsen nicht betroffen sind.

Denn indirekt leiden auch sie darunter, dass die Banken und Sparkassen bei Großkunden zunehmend Negativzinsen auf Cash-Guthaben erheben. Denn zu diesen Großkunden zählen auch Fonds und Versicherer. Wer eine Lebensversicherung oder einen Fonds hat, ist von Minuszins, der an der Rendite der Anlegerprodukte zehrt, also durchaus mit betroffen.

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Und das dürfte zunehmen, wenn die Europäische Zentralbank (EZB) es für Banken noch teurer macht, kurzfristig Geld bei der Notenbank anzulegen. Analysten und Investoren erwarten, dass die EZB den dafür relevanten Einlagenzins noch weiter absenkt auf minus 0,50 Prozent. Damit wird es zunehmend unmöglich, den Strafzinsen für Kasse-Haltung auszuweichen. 

Das große Problem ist, dass die Minuszinsen nicht auf Strafgebühren bei den Banken beschränkt sind, sondern den kompletten Anleihemarkt infiziert haben. Mittlerweile rentieren im Euro-Raum gut die Hälfte aller Staatsanleihen unter null Prozent. 

In Deutschland gibt es für Laufzeiten bis einschließlich 10 Jahren nur noch Negativ-Renditen. Bonds vieler Förderbanken sowie Pfandbriefe liegen ebenfalls schon länger im Minus - und dank des erweiterten Anleihen-Kaufprogramms der EZB zunehmend auch die von Unternehmen. 

Am meisten trifft die "Minuswelt" natürlich alle Finanzinstrumente mit hoher Cash-Haltung, also Geldmarktfonds, Fonds für kurzfristige Staatsanleihen und offene Immobilienfonds. Aber nicht nur sie: Im Grunde ist jeder Fonds betroffen, der Liquidität oder kurzlaufende Staatsanleihen im Portfolio hält, also auch Aktienfonds.

Die Anlagehäuser müssen Barbestände halten, um Anleger auszuzahlen, die Geld aus Fonds abziehen. Zu den Barbeständen zählen vor allem Zinspapiere wie Bundesanleihen, die gut handelbar sind und sich schnell flüssigmachen lassen.

Unsere Einschätzung: Die Minuszinsen der EZB werfen das Marktgefüge komplett durcheinander: Ein Staat, der bei der Schuldenaufnahme auch noch Geld verdient, Privatanleger und Versorgungsträger, die aufgrund fehlender Grundverzinsung in sicheren Anlagen widerwillig in risikobehaftete Investments gedrängt werden oder langfristige Sparverträge aufgrund von Kosten und Inflation ad absurdum führen. 

Frustrierend dabei: Es wird auf absehbare Zeit so bleiben. EZB-Chef Mario Draghi hält stur an seiner Niedrigzinspolitik fest und meint zu Kritikern, "man könne ja in Aktien investieren".

Einziger Trost für alle Anleihen-Besitzer: Solange die Zinsen weiter tendenziell fallen, steigen die Anleihenkurse. Seit Jahresanfang sind die Kurse gerade von Euro-Staatsanleihen erneut gestiegen. Trotz der Minusrenditen auf Endfälligkeit haben Anleger also einen Gewinn gemacht. Doch die Profis wissen: Sollte der Trend einmal drehen, sind herbe Verluste vorprogrammiert.


 (Quelle: privat) (Quelle: privat)

Marc-Oliver Lux ist Geschäftsführer der Dr. Lux & Präuner GmbH & Co. KG in München. Zuvor war er war im Investmentbanking bei Deutsche Morgan Grenfell in New York sowie im Firmenkundengeschäft bei verschiedenen Banken im Inland tätig. Er hat über betriebliche Gründungsfinanzierung promoviert.

Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de.

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