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Wirtschaft in der Türkei: Investoren werden Erdogan nicht abstrafen


Wirtschaft in der Türkei  

Experten: Investoren werden Erdogan nicht abstrafen

03.08.2016, 11:34 Uhr | Von Bernhard Vetter, t-online.de

Wirtschaft in der Türkei: Investoren werden Erdogan nicht abstrafen. Der Putschversuch und die politischen Reaktionen darauf versetzen der türkischen Wirtschaft einen Dämpfer. (Quelle: imago/Hoch Zwei)

Der Putschversuch und die politischen Reaktionen darauf versetzen der türkischen Wirtschaft einen Dämpfer. (Quelle: imago/Hoch Zwei)

Schon vor dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei lief es für die Wirtschaft am Bosporus nicht mehr richtig rund. Seitdem hat sich die Situation verschlechtert. Aber eine ökonomische Katastrophe wird ausbleiben, sagen Experten.

Demnach kommen die Investoren zurück, sobald wieder politische Stabilität herrscht. Wirtschaft braucht keine Demokratie, das zeigen Beispiele wie China.

Das schlechteste Szenario für die Türkei zeichnet Commerzbank-Analyst Tatha Ghose, der die Entwicklung von London aus verfolgt. Er erwartet für das dritte Quartal einen Einbruch der Wirtschaft und für das vierte ein Nullwachstum. Trotzdem werde auf's Jahr gesehen noch ein Plus von rund drei Prozent herauskommen, weil das erste Halbjahr recht gut gelaufen ist, schreibt Ghose in einer aktuellen Analyse.

Einen Dämpfer, aber keinen Einbruch erwartet Analyst Rütger Teuscher von der DZ-Bank in Frankfurt. Er traut der türkischen Wirtschaft im Gespräch mit t-online.de auch im dritten und vierten Quartal noch ein leichtes Wachstum zu, sodass am Ende das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im gesamten Jahr 2016 um etwas mehr als drei Prozent zulegen könnte.

Ex-Botschafter: Türkei bleibt interessant

Die optimistischste Prognose kommt nicht überraschend von Wolf-Ruthart Born. Der ehemalige deutsche Botschafter in der Türkei arbeitet jetzt für die staatliche türkische Agentur für Investitionsförderung ISPAT. Born sieht die Türkei bereits wieder auf einem guten Weg, sobald der Ausnahmezustand nach drei Monaten aufgehoben wird, womit er fest rechnet, wie er t-online.de sagte. Der Ausnahmezustand werde nicht verlängert, aber auch nicht verkürzt, so Borns Einschätzung.

Fundamental sei die Türkei solide aufgestellt, und das werde auch so bleiben. Unternehmen hätten, abgesehen von einer aktuellen Phase der Vorsicht, weiter Interesse. "Die Türkei ist weiterhin ein Business Case", sagte Born.

"Gift für Wirtschaftsklima"

DZ-Bank-Analyst Teuscher ist da zurückhaltender. Seiner Ansicht nach wird die Unsicherheit bei Investoren noch länger andauern - ein Jahr oder mehr, abhängig von den weiteren Ereignissen. Ein Risiko "nach unten" beim Wirtschaftswachstum bestehe. Sein Hauptpunkt: "Die Repressionen der Regierung nach dem Putschversuch sind natürlich Gift für ein gedeihliches Wirtschaftsklima."

Erwartete rund zwei Prozent Wachstum im kommenden Jahr würden der Türkei bei ihrem aktuellen Bevölkerungsanstieg von einem Prozent aber ausreichen, um das Pro-Kopf-Einkommen dennoch leicht zu erhöhen. Insofern verlaufe die Wirtschaftsentwicklung für das Schwellenland nicht zu langsam, sagte Teuscher.

Doch die Türkei hat auch ein grundlegendes Problem: Sie importiert weit mehr als sie exportiert. Dieses sogenannte Leistungsbilanzdefizit von aktuell vier Prozent kann nur finanziert werden, wenn Geld ins Land fließt. Zum Beispiel in Form von Investitionen oder Krediten. Aber genau hier halten sich ausländische Investoren nun zurück.


Mehr spannende Grafiken gibt's bei Statista.

Hohe Inflation, schwache Währung

Ein weiteres Problem ist die Inflation. Die Teuerungsrate in der Türkei schwankte in den vergangenen zehn Jahren zwischen 6,3 und fast 10,5 Prozent. Für dieses Jahr wird eine Geldentwertung zwischen sieben und acht Prozent erwartet. Das schränkt den Spielraum der türkischen Notenbank ein - sie kann die Zinsen nicht stark senken, um die Wirtschaft ankurbeln.

Die türkische Lira (TRY) ist derweil weiter auf Talfahrt - nicht erst seit dem Putschversuch. 2012 musste ein Türke nur etwa 2,25 Lira bezahlen, um einen Euro zu bekommen. Derzeit sind es schon 3,30 Lira - rund 40 Prozent mehr. Das verteuert Importgüter. Allein aus Deutschland hat die Türkei vergangenes Jahr Waren von mehr als 22 Milliarden Euro bezogen.

Zwar werden dadurch auch gleichzeitig die türkischen Exporte nach Europa günstiger, doch kommt hier ein weiterer Effekt hinzu, der sich für die türkische Wirtschaft nachteilig auswirkt: Nach dem Brexit-Votum schwächt sich das Wachstum auch in den europäischen Industriestaaten ab, was die Nachfrage nach Importen sinken lässt. Und darunter wird auch die Türkei leiden, hebt Teuscher hervor.

Die Russen kommen wieder

Beim Tourismus sollte die Türkei ebenfalls zumindest kurzfristig keine Erholung erwarten. Nach einem mehrmonatigen Embargo dürfen zwar russische Touristen seit einigen Tagen wieder offiziell in die Türkei reisen. Ob das die übrigen schweren, unter anderem von Terrorangst ausgelösten Verluste der Branche bis zum Saisonende ausgleichen kann, ist mehr als fraglich.

Bei der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Istanbul scheint man die Entwicklung eher entspannt zu sehen. Alle Ansprechpartner seien im Urlaub, erklärt eine freundliche Frauenstimme am Telefon.

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