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EZB in der Bredouille: Was macht Draghi?

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Schlechte Aussichten für Sparer  

EZB in der Bredouille: Was macht Mario Draghi?

08.09.2016, 10:40 Uhr | dpa

EZB in der Bredouille: Was macht Draghi?. EZB-Präsident Mario Draghi scheint mit seinem Latein am Ende. (Quelle: dpa)

EZB-Präsident Mario Draghi scheint mit seinem Latein am Ende. (Quelle: dpa)

Nullzins-Politik und Anleihen-Käufe in Billionen-Höhe: Die Europäische Zentralbank (EZB) kämpft mit allen Mitteln gegen die unerwünscht niedrige Inflation. Bei der heutigen Zinssitzung in Frankfurt richten sich alle Augen auf EZB-Chef Mario Draghi. Wird er noch mehr billiges Geld in die Märkte pumpen? Worauf müssen sich Sparer gefasst machen?

Was bereitet der EZB Sorgen?

Seit Jahren ist die Inflation in der Eurozone extrem niedrig. Auch im August stiegen die Preise nach Berechnungen der Statistikbehörde Eurostat mit 0,2 Prozent weit weniger als von der EZB angestrebt. Sie sieht Preisstabilität bei knapp unter 2,0 Prozent gewahrt. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten Anschaffungen aufschieben, da sie erwarten, dass es noch billiger wird. Schlimmstenfalls entsteht eine Abwärtsspirale aus schrumpfenden Preisen und wirtschaftlicher Talfahrt - eine Deflation. Ein wichtiger Grund für die Mini-Inflation ist allerdings der niedrige Preis für Rohöl - und von dem profitieren Verbraucher beim Tanken und Heizen.

Was hat die Notenbank bisher getan?

Die EZB hat ihre Geldpolitik extrem gelockert. Den Leitzins senkte sie stetig - zuletzt im März auf das Rekordtief von null Prozent. Zudem verlangt sie inzwischen 0,4 Prozent Strafzinsen von Banken, wenn diese Geld bei der Notenbank parken. Das soll die Institute zwingen, mehr Kredite an Firmen und Verbraucher zu vergeben. Um die Belastung für Banken zu dämpfen, gewährt die EZB ihnen besonders günstige Langfristkredite. Zudem kauft die Notenbank seit März 2015 Staatsanleihen und andere Wertpapiere in gigantischem Umfang: Erst im März wurde das Programm verlängert, aufgestockt und auf Unternehmenspapiere ausgedehnt. Die Notenbank kauft nun jeden Monat für 80 Milliarden Euro Anleihen. Bis März 2017 sollen so 1,74 Billionen Euro in den Markt gepumpt werden.

War das alles umsonst?

Ihr Hauptziel, die Inflation in Richtung der Zielmarke von 2,0 Prozent zu treiben, verfehlt die EZB bisher. Die Währungshüter halten sich jedoch zugute, eine Deflation in der Eurozone verhindert zu haben.

Was kann die EZB noch tun?

Als wahrscheinlichste Option gilt, dass die Notenbank ihre Anleihenkäufe über März 2017 hinaus verlängern wird - etwa mit Verweis auf neue Risiken für die Wirtschaft nach dem Brexit-Votum in Großbritannien. Nach dem Nein der Briten zur Europäischen Union hatte Draghi die Entschlossenheit der Währungshüter bekräftigt, notfalls nachzulegen. Das Votum der Briten vom 23. Juni sorge für konjunkturellen Gegenwind. "Die Börsen werden die EZB nach den Ankündigungen vom Juli an ihren Taten im September messen", schreibt der Chefstratege der Privatbank Merck Finck, Robert Greil. Dass die EZB den Strafzins für Banken weiter verschärfen wird, glauben hingegen nur wenige Ökonomen. Denn das würde Banken weiter belasten, denen wegen des Zinstiefs ohnehin Erträge wegbrechen.

Wo liegen die Hürden?

Die EZB hat sich für ihre Anleihenkäufe selbst Grenzen gesetzt. So darf sie zum Beispiel keine Papiere kaufen, deren Zinsen unterhalb des Einlagezinssatzes von derzeit minus 0,4 Prozent liegen. Doch da die EZB die Nachfrage mit ihren Käufen anheizt, sinken die Renditen. Daher haben bereits rund 60 Prozent der Bundesanleihen eine Rendite von weniger als minus 0,4 Prozent. Inzwischen hat die EZB knapp eine Billion Euro in Anleihen gesteckt. Die britische Großbank HSBC rechnet damit, dass der EZB im ersten Halbjahr 2017 die als besonders sicher geltenden Bundesanleihen ausgehen werden, wenn sie die Kaufbedingungen nicht lockert. Commerzbank-Analyst Michael Schubert erwartet, "dass die EZB in Zukunft auch Staatsanleihen kauft, deren Rendite unterhalb des Einlagesatzes liegt".

Löst das das Dilemma?

Nein, meinen Kritiker. "Auch wenn die Notenbank das Anleiheankaufprogramm zeitlich verlängert und weitere Anpassungen bei den Rahmenbedingungen des Programms vornimmt, wird zusehends deutlich, dass der Handlungsspielraum der EZB ausgeschöpft ist", urteilt die DZ Bank. Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber sieht die Geldpolitik nach Jahren extrem niedriger Zinsen an der Grenze ihrer Wirksamkeit: "Der Zinskanal ist verstopft." Führende Banker fordern ein Umsteuern. Die Nebenwirkungen der EZB-Politik träten "immer deutlicher zutage", warnte etwa Deutsche-Bank-Chef John Cryan.

Was sind Nebenwirkungen des billigen Geldes?

Die Niedrigzinsen haben zwar Kredite für Verbraucher wie Immobiliendarlehen historisch günstig gemacht. Doch zugleich bekommen Sparer kaum noch Zinsen für Bankeinlagen. Bei einzelnen Geldhäusern zahlen besonders vermögende Privatkunden sogar drauf, wenn sie Geld aufs Konto legen. Viele Banken erhöhen zudem ihre Gebühren - zum Beispiel für Überweisungen, Bankkarten oder Kontoführung. "Ich erwarte, dass es in einigen Jahren praktisch nirgendwo mehr kostenlose Girokonten geben wird", sagte kürzlich Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon. Versicherer und Pensionsfonds können Gelder kaum noch rentierlich anlegen. Das sorgt für Druck auf Lebensversicherungen und Betriebsrenten.

Wann steigen die Zinsen wieder?

Experten wie der Präsident der Finanzaufsicht Bafin, Felix Hufeld, richten sich auf eine lange Durststrecke ein. Wie schwer sich Notenbanken mit Zinserhöhungen tun, zeigt das Beispiel der US-Zentralbank Fed. Sie hatte die Finanzmärkte lange auf ein Ende des billigen Geldes vorbereitet. Doch seit vergangenem Dezember hat sie erst einmal die Zinsen angehoben - obwohl die US-Wirtschaft solide wächst. Wegen der schwachen Konjunktur im Euroraum liegen Zinserhöhungen der EZB nach allgemeiner Einschätzung in weiter Ferne.

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