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Reederei: Hanjin-Insolvenz bedroht Nachschub fürs Weihnachtsgeschäft

Waren hängen auf See fest  

Hanjin-Insolvenz bedroht Nachschub fürs Weihnachtsgeschäft

23.09.2016, 14:32 Uhr | AFP , dpa

Reederei: Hanjin-Insolvenz bedroht Nachschub fürs Weihnachtsgeschäft. Auf vielen der festliegenden Hanjin-Frachter hängen auch Artikel fürs Weihnachtsgeschäft fest. (Quelle: Reuters)

Auf vielen der festliegenden Hanjin-Frachter hängen auch Artikel fürs Weihnachtsgeschäft fest. (Quelle: Reuters)

Muss die Bescherung in diesem Jahr verschoben werden? Mit der Insolvenz der siebtgrößten Frachtschiff-Reederei der Welt (Hanjin aus Südkorea) hängen massenhaft Waren auf hoher See fest, die fürs Weihnachtsgeschäft vorgesehen sind.

Mit Blick auf Weihnachten träumen Händler normalerweise von fetten Umsätzen. Doch dieses Jahr könnte es für manche ein Nachschubproblem geben. Waren im Wert von geschätzt mehr als zwölf Milliarden Euro sind in Häfen und auf Hanjin-Schiffen "gestrandet".

500.000 Container hängen fest

Die Häfen verweigern Dutzenden Frachtern der südkoreanischen Reederei die Einfahrt, weil sie befürchten, dass Hanjin die Hafengebühr nicht bezahlen kann. Geschätzt eine halbe Million Container bleibt so auf den 97 großen Frachtern, während Hanjin um Gläubigerschutz verhandelt.

Besonders betroffen sind Elektronik-Händler und solche, die Konsumgüter verkaufen. Denn die Vorweihnachtszeit ist die profitabelste Zeit des Jahres für sie. "Black Friday kommt bald", sagt der Chef der Hausgeräte-Sparte des Fernseher- und Smartphone-Herstellers LG, Cho Sung-Jin. Der Tag nach dem US-Feiertag Thanksgiving Ende November sorgt in den USA traditionell für einen Konsumrausch.

Auch Samsung betroffen

LG ließ bisher zehn bis 20 Prozent seiner Nordamerika-Fracht von Hanjin befördern. "Ich bin nicht sicher, ob wir mit unseren derzeitigen Beständen die Nachfrage bedienen können", erklärte Cho Sung-Jin.

Auch Samsung, der größte Smartphone-Hersteller der Welt, ist betroffen: Er sorgt sich um Ware auf zwei Hanjin-Frachtern im Wert von umgerechnet rund 34 Millionen Euro. Gläubiger könnten die Ware beschlagnahmen lassen, wenn die Schiffe in einen Hafen einlaufen.

Und in Peking hat der Asien-Geschäftsführer von Grill-Hersteller Weber, Stephen Zhu, seinen Kunden in Los Angeles und in Australien neue Ware geschickt, weil er nicht wusste, wann Hanjin zwei Container mit Grills im Wert von rund 700.000 Euro ausliefern wird.

Unterstützungsfonds ist nur Tropfen auf den heißen Stein

Weltweit kann Hanjin geschätzt sechs Billionen Won (4,8 Milliarden Euro) Schulden nicht begleichen. In Südkorea und in den USA hat das Unternehmen Antrag auf Gläubigerschutz gestellt, um sich in Ruhe sanieren zu können. Hanjin hat bis 25. November Zeit, einen Sanierungsplan vorzulegen - das ist der Black Friday. Ein Gericht wird dann über die Zukunft der Reederei entscheiden.

Unterdessen wird versucht, den Geschäftsbetrieb aufrecht zu halten soweit es geht. Vereinzelt können Hanjin-Schiffe mit Sondergenehmigung doch ihre Fracht löschen - in New Jersey und Long Beach in den USA etwa oder in Singapur.

Und Hanjins Mutterkonzern hat einen Unterstützungsfonds mit 100 Milliarden Won aufgelegt; nach langem Zögern gab Großaktionär Korean Air am Mittwochabend seinen Anteil von 60 Milliarden Won (knapp 50 Millionen Euro) frei. 

Ein Tropfen auf den heißen Stein bei 4,8 Milliarden Euro im Minus. Der Hafen von Rotterdam hat schon fast resigniert: "Bei den Schulden ist es sehr unwahrscheinlich, dass wir je unser Geld sehen werden", sagt Sprecher Sjaak Poppe.

Wird Logistikkrise um Reederei im Oktober gelöst?

Hoffnung besteht immerhin für die Weihnachts-Lieferungen. Nach Ansicht des südkoreanischen Finanzministers Yoo Il Hoo kann die Krise um weltweit ungelöschte Ladungen im nächsten Monat entschärft werden. Fast 90 Prozent der von Hanjin betriebenen Containerschiffe könnten bis Ende Oktober entladen werden, sagte Yoo laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap bei einem Besuch des Terminals der größten südkoreanischen Reederei in Busan. "Die Logistik-Störungen werden dann beendet sein", wurde Yoo zitiert. 

Bisher seien 35 von 97 betroffenen Schiffen entladen worden, sagte Yoo. Die Pleite von Hanjin hatte weltweit bei Schiffseignern, Häfen und Händlern große Unsicherheit ausgelöst. 

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