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Studie: Millionen Deutsche wollen mehr arbeiten


Aufstockung gewünscht  

Millionen Deutsche wollen mehr arbeiten

23.09.2016, 17:18 Uhr | dpa

Studie: Millionen Deutsche wollen mehr arbeiten. Facharbeiter bei Audi. (Quelle: Reuters)

Facharbeiter bei Audi. (Quelle: Reuters)

Die Deutschen wollen mehr arbeiten, dürfen aber nicht. Eine neue Studie enthüllt, dass großes Potential an Arbeitskraft brach liegt und nicht genutzt wird. Dabei könnte man so nicht nur einzelne Branchen deutliche entlasten, sondern auch Langzeitauswirkungen abfedern. 

2,7 Millionen Beschäftigte wünschten sich im vergangenen Jahr mehr Arbeitsstunden. Vor allem Teilzeitkräfte würden gern deutlich aufstocken. Weitere zwei Millionen sind Erwerbslose. Hinzu kommt die sogenannte stille Reserve von einer Million Menschen: Sie würden grundsätzlich einen Job aufnehmen, suchen aber aus verschiedenen Gründen aktuell nicht danach. 

Ungenutztes Potenzial liegt also brach. Es stünde theoretisch zur Verfügung, um den wachsenden Fachkräftemangel abzumildern.

Demografischer Wandel abfedern

Das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) kommt in einer Studie auf ein nicht genutztes Arbeitszeitpotenzial in Deutschland von 5,6 Milliarden Stunden. Rund 4,25 Milliarden entfallen davon auf die Anliegen von Arbeitslosen. 1,35 Milliarden ergeben sich aus dem Wunsch von Beschäftigten nach veränderten Arbeitsstunden.

Die Nutzung des brachliegenden Potenzials sei eine Möglichkeit, um die Auswirkungen des demografischen Wandels für den Arbeitsmarkt abzufedern und zugleich den Wünschen von Beschäftigten nachzukommen, erklären die Autoren der Studie.

Gesundheitsbranche leidet besonders

Vom Fachkräftemangel sind laut eines Berichts des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) 96 Berufsgruppen betroffen. Besonders in der Gesundheitsbranche fehlten im Zeitraum August 2011 bis April 2015 qualifizierte Arbeitskräfte. Nach einer Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung haben 61 Prozent der Pflegeunternehmen mindestens eine freie Stelle zu besetzen.

Um die Reserven besser zu nutzen, ist aus Sicht der IAB-Experten unter anderem eine flexiblere Gestaltung der Lebensarbeitszeit und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf notwendig. Allerdings "ist es in der betrieblichen Praxis nicht immer ohne Weiteres möglich, Arbeitszeiten aufzustocken", räumen die Autoren ein.

Frauen stecken oft in Teilzeitfalle

Einen gesetzlichen Anspruch zur Erhöhung der Arbeitszeit gibt es nicht. Im Schnitt wollten unterbeschäftigte Teilzeitkräfte nach jüngsten Daten aus dem Jahr 2014 um 14,7 Wochenstunden aufstocken. Vor allem Frauen stecken häufig in der Teilzeitfalle. Von 11,1 Millionen Beschäftigten, die regelmäßig kürzer arbeiten, sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 8,5 Millionen weiblich. Etwa jede Achte würde gerne mehr arbeiten.

Zwar ist die Zahl der Teilzeitkräfte, die aufstocken wollen, im vergangenen Jahr gesunken. "Vor allem Frauen sind wegen der Kinderbetreuung in Teilzeit beschäftigt. Wenn die Lage auf dem Arbeitsmarkt gut ist und der Partner einen guten Job hat, ist der Wunsch nach mehr Arbeit nicht mehr so groß", erläutert Martina Rengers vom Statistischen Bundesamt.

IG Metall fordert mehr Flexibilität

Dem IAB zufolge wollen vor allem diejenigen längere Zeit im Job verbringen, die nur schwer eine Vollzeitstelle finden. Aus Sicht der Experten ist hier berufliche Weiterbildung gefragt: "Die Lebensarbeitszeit wird immer länger und die Anforderungen im Beruf ändern sich schneller."

Die IG Metall setzt sich generell für mehr Flexibilität im Job ein. Die Gewerkschaft will Wahlmöglichkeiten durchsetzen. So sollen Kindererziehung, Pflege von Angehörigen und Weiterbildung besser mit der Arbeit vereinbart werden können.

Die Arbeitgeber verfolgen hingegen das Ziel, die zulässige Arbeitszeit im Wochenverlauf flexibler aufteilen zu können. Im Schnitt arbeiten abhängig beschäftigte Vollzeitkräfte 40,5 Stunden in einer normalen Arbeitswoche. Das ist deutlich weniger als gesetzlich zulässig (48 Stunden), aber mehr als laut DGB tariflich vereinbart (37,7).

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