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Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab: Wie schlimm steht es um die Bank?


Sorge vor Bankenkrise  

Wie schlimm steht es wirklich um die Deutsche Bank?

30.09.2016, 20:39 Uhr | Von Erik Nebel, dpa

Deutsche-Bank-Aktie stürzt ab: Wie schlimm steht es um die Bank?. Folgt auf Regen wieder Sonnenschein? Unsichere Aussichten für die Deutsche Bank. (Quelle: Reuters)

Folgt auf Regen wieder Sonnenschein? Unsichere Aussichten für die Deutsche Bank. (Quelle: Reuters)

Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Sogar gegen Spekulationen über mögliche Staatshilfe musste sich das Geldhaus schon wehren. Trotz Dementi - wie berechtigt sind die Sorgen um Deutschlands größtes Kreditinstitut? Die Antworten im Überblick.

An den Finanzmärkten schrillen die Alarmglocken: Der Aktienkurs der Deutschen Bank fällt von einem Rekordtief zum nächsten: in Deutschland am Freitag zeitweise unter 10 Euro - erstmals in der Geschichte. Dann begann eine kleine Aufholjagd.

Außerdem sind Versicherungen gegen Zahlungsausfälle des Geldhauses so gefragt wie nie - und nun gibt es auch noch Meldungen, wonach erste Hedgefonds ihr Geld bei der größten europäischen Investmentbank abziehen. Manche Anleger sehen bereits Parallelen zum Niedergang der Wall-Street-Bank Lehman Brothers, deren Zusammenbruch im Herbst 2008 das globale Finanzsystem ins Wanken brachte. Also, wie schlimm steht es wirklich um die Deutschen Bank?

Stichwort neue Bankenkrise

Sie nehmen jedenfalls in Deutschland zu, die Sorgen davor. "Die Ertragskraft der deutschen Banken ist gering, und die Niedrigzinsen reduzieren die Gewinne der Banken zusätzlich. Wenn diese Situation anhält, steigen die Risiken einer Krise", warnt der Präsident des Ifo-Instuts, Clemens Fuest. Auch unter den Akteuren an der Börse steigt die Nervosität, wie Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets sagt: "Das Gespenst einer neuen Bankenkrise geht an den Finanzmärkten um."

Dagegen bemüht sich die Europäische Zentralbank (EZB), dem Markt die Angst zu nehmen: "Die Banken sind heute (...) im Schnitt sehr viel besser kapitalisiert als vor der Krise, und auch bei der Aufsicht hat sich viel getan", versichert Sabine Lautenschläger, EZB-Direktoriumsmitglied und Vize-Chefin der EZB-Bankenaufsicht, in der "Börsen-Zeitung".

Woher kommen die Sorgen speziell um die Deutsche Bank?

Seit Jahren tun sich die Frankfurter schwer, ordentliche Gewinne zu erwirtschaften - vor allem im Vergleich mit ihren erfolgreichen Wall-Street-Rivalen. Die Folgen der Niedrigzinsen und die immer strengeren Regeln der Aufsichtsbehörden lasten auf den Geschäften. Hinzu kommen die nicht enden wollenden Rechtsstreitigkeiten und die Umbrüche wegen der Digitalisierung. Das macht die Deutsche Bank angreifbar und zum Spielball von Spekulanten.

Was ist der aktuelle Auslöser für den Absturz?

Dramatisch verstärkt haben sich die Sorgen um die Deutsche Bank, nachdem vor zwei Wochen eine Strafforderung der US-Justiz über 14 Milliarden Dollar für Hypothekengeschäfte aus der Zeit vor der Finanzkrise bekannt wurde - die Deutsche Bank ist seitdem an der Börse stark gefallen. Bedenklich, auch wenn sich der Aktienkurs nach den jüngsten Anzeichen, wonach die Strafe tatsächlich deutlich geringer ausfallen dürfte, wieder etwas erholt hat. Dennoch bleibt die Unsicherheit, und das ist Gift für die Stimmung an der Börse. Überdies sorgt ein Bericht für Unruhe, wonach erste Kunden nervös werden. So sollen einige Hedgefonds Gelder bei der Deutschen Bank abgezogen haben.

Wenn dies ein Massenphänomen würde, hätte das schwerwiegende Folgen: Wenn einer Bank das Cash ausgeht, kann sie auch ihre laufenden Verpflichtungen nicht mehr erfüllen. Das würde jegliches Vertrauen zerstören und damit das wichtigste Kapital am Finanzmarkt. Experten wie Kepler-Chevreux-Analyst Jacques-Henri Gaulard halten Panik jedoch für unangebracht. Gerade in puncto Liquidität ist die Deutsche Bank deutlich besser aufgestellt als noch vor einigen Jahren.

Droht ein Fall Lehman bei der Deutschen Bank?

Die Deutsche Bank ist von einem solchen Zustand nach Einschätzung vieler Experten weit entfernt. Die Bilanzkennziffern seien robust, sagt etwa Jörg Rocholl vom wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sei die Bank nie sicherer als derzeit gewesen, betont Vorstandschef John Cryan. So verfüge der Konzern über freie Mittel von mehr als 215 Milliarden Euro.

"Die Deutsche Bank hat viele Probleme, aber Liquidität ist keins", erklärt Stuart Graham vom Analysehaus Autonomous Research. Der Bank hilft auch ihr umfangreiches Einlagengeschäft mit Privatleuten und Firmenkunden - das gab es bei der reinen Investmentbank Lehman Brothers so nicht.

Warum sind die Anleger dann so nervös?

Bankchef Cryan sieht einige Kräfte am Werk, die das Vertrauen in die Bank schwächen wollen. Und in der Tat wetten finanzstarke Investoren auf fallende Kurse bei der Deutschen Bank - und verstärken so noch den Abwärtstrend. Schon im Sommer machte der millardenschwere Starinvestor George Soros als einer dieser sogenannten Short Seller von sich reden. Rückendeckung bekommt die Deutsche Bank indes von Analysten anderer Geldhäuser, die den Einbruch des Aktienkurses für übertrieben halten. Um aus dem Teufelskreis auszubrechen, brauche die Bank jedoch dringend gute Nachrichten, meint Goldman-Sachs-Experte Jernej Omahen. Vor allem eine Beilegung der Rechtsstreitigkeiten wäre immens wichtig.

Könnte der Staat einspringen?

Zur Rettung eines kriselnden Instituts werden nach den neuen europäischen Regeln zuerst Eigentümer und Gläubiger und dann auch Kunden zur Kasse gebeten. Erst im äußersten Notfall kann der Staat einspringen, um einen neuen Flächenbrand im Finanzsystem zu verhindern. Bislang versichern aber alle Beteiligten, dass es im Fall der Deutschen Bank dafür keine aktuellen Pläne gibt - zu frisch sind noch die Erinnerungen an die Finanzkrise, als die Steuerzahler mit Milliarden zahlreiche Geldhäuser stützen mussten. Wenn der Druck auf die Deutsche Bank weiter anhält, sollte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aber noch einmal über Staatshilfen nachdenken, meint Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim im "Tagesspiegel".

Warum steht die US-Konkurrenz so viel besser da?

Viele Experten sehen das konsequente Vorgehen der US-Behörden nach der jüngsten Finanzkrise 2007/2008 als Hauptgrund: Die USA ließen Hunderte Banken pleite gehen, etlichen Großbanken wurde verordnet, ihre Kapitalpuffer aufzubessern. Konnten die Institute sich nicht am Markt frisches Geld besorgen, mussten sie Staatshilfen annehmen.

Juristische Streitfälle wurden jenseits des Atlantiks rasch aufgearbeitet, während sich hierzulande die Deutsche Bank noch immer mit teuren Altlasten aus Zeiten vor der Finanzkrise herumschlägt. Im ersten Halbjahr 2016 verdienten die zehn nach Bilanzsumme größten Banken in Europa zusammen gerade einmal gut 22 Milliarden Euro, wie das Beratungsunternehmen EY ausgerechnet hat. Die Vergleichsgruppe in den USA kam mit umgerechnet 47 Milliarden Euro auf mehr als das Doppelte.

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