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Britisches Pfund stürzt blitzartig um 6 Prozent ab


Tippfehler schuld an "Flash-Crash"?  

Britisches Pfund stürzt blitzartig um 6 Prozent ab

07.10.2016, 17:53 Uhr | dpa-AFX , t-online.de

Britisches Pfund stürzt blitzartig um 6 Prozent ab. Für eine Leitwährung wie das britische Pfund ist ein sogenannter "Flash-Crash" eher untypisch.  (Quelle: dpa)

Für eine Leitwährung wie das britische Pfund ist ein sogenannter "Flash-Crash" eher untypisch. (Quelle: dpa)

In der Nacht zum Freitag ist das britische Pfund im Vergleich zum US-Dollar (GBP/USD) innerhalb weniger Minuten um über 6 Prozent abgestürzt - der größte Kurseinbruch seit dem Brexit-Votum. "Flash-Crash" wird so etwas bezeichnet. Doch über die Gründe dafür können selbst Devisenmarkt-Experten nur spekulieren.

Ersten Mutmaßungen von Devisenhändlern zufolge könnte ein bloßer Tippfehler der Grund gewesen sein, der durch den elektronischen Computerhandel verstärkt wurde und so den Kurseinbruch auslöste. Derweil machen andere Experten die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft Großbritanniens für den "Flash-Crash" verantwortlich. 

Absturz ohne Vorwarnung

Es war kurz nach 8 Uhr morgens in Tokio (1 Uhr nachts Mitteleuropäischer Zeit), als japanische Händler an den Finanzmärkten ihren Augen kaum trauten: Ohne jede Vorwarnung stürzte das britische Pfund plötzlich ab. Binnen Minuten verlor der Sterling im Verhältnis zum US-Dollar über sechs Prozent und fiel auf einen neuen Tiefstand seit 31 Jahren.

Zwischenzeitlich kostete das Pfund nur noch 1,1841 Dollar. Genauso schnell wie sie gefallen war, erholte sich die britische Währung im Anschluss aber wieder. Sie notierte zuletzt bei über 1,24 Dollar.

Doch während am 24. Juni - einen Tag nach der Brexit-Abstimmung der Briten - alle auf Währungsturbulenzen gefasst waren, kam diesmal alles aus heiterem Himmel. 

Kettenreaktion nach "Fat-Finger-Trade"?

Eine fälschlicherweise ausgelöste Transaktion könnte den Absturz ausgelöst haben, sagt Toshihiko Sakai, Devisenmarktexperte beim japanischen Finanzdienstleister Mitsubishi UFJ Trust & Banking. Händler halten einen sogenannten "Fat-Finger-Trade" für möglich, also eine versehentlich ausgelöste Transaktion aufgrund eines ungeschickten Anschlags eines Händlers auf der Tastatur.

Danach könnten vorab programmierte Computer-Algorithmen auf das falsche Signal aus dem Handel aufgesprungen und weitere Transaktionen automatisch ausgelöst haben, so die These. Es folgte eine Abwärtsspirale.

"Flash-Crash" bei Leitwährung eher untypisch 

Einen solchen "Flash-Crash" hat es in der Vergangenheit immer wieder mal gegeben. Zuletzt beim südafrikanischen Rand im Januar oder beim neuseeländischen Dollar vor gut einem Jahr. Aber beim britischen Pfund, einer der führenden Leitwährungen?

Da stecke weit mehr dahinter, meint Karl Schamotta, Experte beim kanadischen Finanzdienstleister Cambridge Global Payments. Der Absturz des Pfunds stimme nachdenklich bezüglich der sogenannten Liquidität am Markt. Sprich: Der Handel in Pfund könnte nicht rege genug sein, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Ein "Flash-Crash" kann besonders leicht in einem Markt mit geringem Handelsvolumen entstehen. Wenn wenig gehandelt wird, können schon vergleichsweise kleine Transaktionen zu großen Kursreaktionen führen.

Brexit-Ungewisheit sorgt für Instabilität

Die Instabilität des Pfunds könnte also auch dadurch verursacht sein, dass sich immer mehr Anleger davon abwenden. Die Turbulenzen zeigten, dass der Brexit die Märkte weiterhin gehörig in Unordnung bringen könne, sagt Lutz Karpowitz von der Commerzbank. Dafür spricht auch, dass das Pfund schon zuvor deutlich nachgegeben hat. Denn an den Finanzmärkten mehren sich die Fragezeichen über den künftigen politischen Kurs Großbritanniens.

Grund dafür ist eine Rede von Premierministerin Theresa May am vergangenen Wochenende. Der Tenor: Die Brexit-Verhandlungen sollen schnell beginnen. Keine Kompromisse bei der Einwanderung. Herrschaft des EU-Rechts beenden. Mehr Staatsausgaben statt Sparkurs.

Zudem deuten Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatsoberhaupt François Hollande darauf hin, dass Großbritannien im Fall verschärfter Einwanderungsregeln kaum unbegrenzten EU-Binnenmarktzugang erhalten wird.

Angesichts solcher Töne gehe es um den grundsätzlichen wirtschaftspolitischen Kurs der britischen Regierung, meinen Experten der Bank Unicredit. So wird an den Finanzmärkten befürchtet, dass das Land sich abschottet und von seiner traditionell liberalen Wirtschaftspolitik verabschiedet.

Weiterer Verfall nicht ausgeschlossen

All dies ist schädlich für den Status des Pfunds als einer der wichtigsten Währungen der Welt. Einige Experten sehen den Sterling deshalb noch weiter abstürzen, zum Euro sogar auf einen Kurs von eins zu eins. Das würde einen weiteren Rückgang in der Größenordnung des Absturzes vom Freitag bedeuten. Nicht blitzartig durch einen Tippfehler - sondern schleichend im normalen Handel.

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