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dm an Dutzenden Tengelmann-Filialen interessiert


Keine Ruhe im Übernahmepoker  

dm zeigt Interesse an Dutzenden Tengelmann-Filialen

21.10.2016, 15:14 Uhr | dpa, rtr

dm an Dutzenden Tengelmann-Filialen interessiert. Die Drogeriekette dm hat Interesse an Tengelmann-Filialen. (Quelle: imago / Ludwig Heimrath)

Die Drogeriekette dm hat Interesse an Tengelmann-Filialen. (Quelle: imago / Ludwig Heimrath)

In den Verhandlungspoker um die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann kehrt keine Ruhe ein. Nachdem Konkurrent Norma überraschend angekündigt hat, die Klage gegen die Übernahme durch Edeka zurückzuziehen, bekundet nun Deutschlands größte Drogeriemarktkette dm Interesse an Filialen von Tengelmann.

Das Unternehmen sei an der Übernahme von maximal 60 bis 80 Standorten im ganzen Bundesgebiet interessiert, sagte dm-Konzernchef Erich Harsch der "Heilbronner Stimme". Harsch sieht für dm nach wie vor Wachstumsmöglichkeiten in der Bundesrepublik, auch wenn die Zuwachsraten nicht mehr so hoch seien wie in der Vergangenheit: "Die Sättigung ist bei uns noch lange nicht erreicht."

Das Karlsruher Unternehmen expandiert seit Jahren kontinuierlich und peilt im laufenden Geschäftsjahr konzernweit einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro an - das wäre eine Verdoppelung innerhalb von acht Jahren. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/2016 erhöhte das Unternehmen europaweit seinen Umsatz um 7 Prozent auf gut 9,7 Milliarden Euro. In Deutschland setzte dm rund 7,5 Milliarden Euro um (plus 6,6 Prozent).

dm hat über 1800 Filialen in Deutschland

Wie viel davon unterm Strich in absoluten Zahlen übrig bleibt, gibt dm nicht bekannt. Die Umsatzrendite - das Verhältnis vom Gewinn zum Umsatz - liegt laut Harsch seit Jahren konstant "zwischen einem und zwei Prozent" - was einem Ertrag von 97 bis 194 Millionen Euro entsprechen würde. Bei dm arbeiteten zum Ende des Geschäftsjahres (bis 30. September) 56.537 Menschen, darunter 38.890 in Deutschland.

dm hat im vergangenen Geschäftsjahr sein Filialnetz europaweit um 125 auf 3349 Filialen in zwölf Ländern ausgebaut. In Deutschland betreibt dm 1825 Märkte.

Norma will Klage zurückziehen

Zuvor war durch eine Ankündigung von Norma noch einmal Bewegung in die festgefahrenen Streit um die Zukunft von Tengelmann gekommen: Die Discountkette ziehe ihre Beschwerde gegen die Ministererlaubnis zurück. Der Discounter habe zwar "weiterhin kartellrechtliche Bedenken". Doch wolle er im Interesse der Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann einer Einigung nicht im Wege stehen, hieß es in einer Erklärung des Unternehmens.

Die Gewerkschaft Verdi sprach von einem wichtigen Signal für die Beschäftigten bei Kaiser's Tengelmann. "Es bleibt zu hoffen, dass weitere Verabredungen folgen", sagte eine Verdi-Sprecherin. Die Gewerkschaft sei weiterhin mit allen Beteiligten in Gesprächen.

Rewe und Markant blockieren Ministererlaubnis

Die Entscheidung von Norma allein reicht allerdings nicht dafür aus, den Weg für die Übernahme der angeschlagenen Supermarktkette durch Edeka freizumachen. Denn neben Norma haben auch Rewe und Markant Beschwerde gegen die Ausnahmegenehmigung eingelegt.

Damit die Ministererlaubnis risikolos vollzogen werden könnte, müssten auch sie ihre Klage zurückziehen. Ein Vollzug der Ministererlaubnis würde den 15.000 Beschäftigten von Kaiser's Tengelmann eine fünfjährige Arbeitsplatzgarantie bescheren.

Haub plädiert für Gesamtübernahme

Tengelmann-Chef Haub betonte, ausschlaggebend für die Einigung sei letztlich die Tatsache gewesen, dass angesichts des fortschreitenden Niedergangs von Kaiser's Tengelmann nur noch eine zeitnahe Gesamtübernahme alle Arbeitsplätze sichern könne. "Die soziale Verantwortung gebietet es, einer solchen Lösung nicht im Wege zu stehen, wenn die daraus entstehenden möglichen Nachteile anderweitig ausgeglichen werden können", sagte Haub.

Dies sei im Fall Norma gelungen und er hoffe "dass dies auch mit den beiden übrigen Beschwerdeführern gelingt". Über Details der Verständigung haben die Parteien Stillschweigen vereinbart.

Gabriel überstimmt Kartellamt

Haub will Kaiser's Tengelmann als Ganzes an den Branchenprimus Edeka veräußern. Das Bundeskartellamt legte dagegen sein Veto ein, welches Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit seiner Sondererlaubnis überstimmte. Für eine Übernahme durch Edeka machte er aber unter anderem eine fünfjährige Arbeitsplatz-Garantie für die Kaiser's-Tengelmann-Beschäftigten zur Bedingung.

Nach Klagen von Norma, Rewe und Markant legte das Gericht Gabriels Sondererlaubnis allerdings auf Eis. Erst wenn alle drei Edeka-Konkurrenten ihre Klagen zurückziehen, kann Edeka Kaiser's Tengelmann zu Gabriels Bedingungen schlucken. Branchenkreisen zufolge sondiert Haub auch mit Markant eine Lösung.

Von den beteiligten Parteien war keine Stellungnahme zu erhalten. Schert die Handelskooperation Markant ebenfalls aus der Front der Kläger aus, dürfte der Druck auf Rewe steigen. Rewe-Chef Alain Caparros hatte bereits in der vergangenen Woche einen Mediator ins Spiel gebracht, der eine faire und einvernehmliche Lösung zwischen den Konkurrenten vermitteln soll.


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