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Ifo-Chef Clemes Fuest warnt vor hartem Brexit


Lange Übergangsphase gefordert  

Ifo-Chef Fuest warnt vor hartem Brexit

23.10.2016, 14:51 Uhr | dpa, rtr, t-online.de

Ifo-Chef Clemes Fuest warnt vor hartem Brexit. Ifo-Chef Clemens Fuest hofft auf neue Abkommen mit Großbritannien während des Brexit-Prozesses. (Quelle: imago/Ipon)

Ifo-Chef Clemens Fuest hofft auf neue Abkommen mit Großbritannien während des Brexit-Prozesses. (Quelle: imago/Ipon)

Nach dem Brexit-Votum der Briten fordern viele Beobachter einen harten Schnitt - nicht nur in der EU, sondern auch in Großbritannien selbst. Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, warnt aber genau davor. Er ist für lange Übergangsfristen.

"Ich hoffe, dass alle Seiten zur Vernunft kommen und es zu keinem harten Brexit kommt", sagte Fuest der dpa. Der Top-Ökonom warb für eine Übergangsphase nach dem offiziellen EU-Austritt von möglicherweise bis zu zehn Jahren, damit Großbritannien nicht plötzlich aus dem europäischen Binnenmarkt austrete und Zeit bestehe für neue Abkommen.

Für die Zeit danach könnten die langfristigen Beziehungen der Briten mit der EU geklärt werden: "Das wäre der eleganteste und wohl einzig mögliche Weg."

Damit stellt sich der Ifo-Präsident gegen die bisherige Linie von EU-Politikern, wonach Großbritannien nur Zugang zum Binnenmarkt behalten solle, wenn das Land Freizügigkeit von EU-Bürgern akzeptiere. Premierministerin Theresa May hatte einen harten Brexit angekündigt. Sie will die Zuwanderung begrenzen, womit das Vereinigte Königreich den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlöre.

Britischer Chef-Banker: Erste Banken wandern bald ab

Auch der Chef des britischen Bankenverbands warnte, ein harter Brexit würde nicht nur Großbritannien, sondern auch der Wirtschaft der verbleibenden EU-Länder Schaden zufügen. "Handelsbarrieren für Finanzdienstleistungen im Ärmelkanal zu errichten, wird uns allen schaden", sagte Anthony Browne von der British Bankers' Association dem britischen "Observer".

Er rechnet damit, dass wegen des Regierungskurses in Richtung eines harten Brexits bereits vor Weihnachten erste Banken Großbritannien teilweise den Rücken kehren. "Viele kleine Banken planen, die Verlagerungen vor Weihnachten zu beginnen. Bei den größeren Banken wird damit im ersten Quartal nächsten Jahres gerechnet."

Großbritannien könnte mit Steuersenkung drohen

Derweil scheint die britische Regierung Drohszenarien gegenüber der EU durchzuspielen. Das meldet zumindest die Zeitung "Sunday Times". Demnach könnten die Briten eine drastische Senkung der Unternehmensteuern ankündigen, wenn die Europäische Union zentrale Forderungen zu Finanzwirtschaft und Handel nicht erfüllen will.

Damit könnten künftig Firmen aus der Gemeinschaft nach Großbritannien gelockt werden. Der Vorschlag stamme von den Beratern von Premierministerin May, berichtete die Zeitung.

Die britischen Banken, Versicherer und Hedgefonds befürchten, dass sie nach einem Brexit die Erlaubnis verlieren, ihre Dienste in der gesamten Union anbieten zu dürfen (Passporting). Die Finanzbranche ist für Großbritannien eminent wichtig.

Briten würden Iren unterbieten

"Wir haben ziemlich gute Karten, die wir ausspielen können, wenn sie uns Schwierigkeiten machen", zitierte das Blatt eine namentlich nicht genannte Person, die mit den Überlegungen der Regierung vertraut sei. Sollten die verbliebenen EU-Staaten das Passporting verweigern oder hohe Handelszölle planen, könne Großbritannien seinen maßgeblichen Satz für die Unternehmensteuer von derzeit 20 auf zehn Prozent kappen.

Damit würden die Briten sogar noch Irland mit seinen 12,5 Prozent unterbieten. Allerdings ist Irland im EU-Binnenmarkt und Großbritannien wäre es eventuell nicht mehr. Bereits im September hatten Experten vorgerechnet, dass Großbritannien jährlich zehn Milliarden Pfund (etwa 11,2 Milliarden Euro) an Steuern verloren gehen könnten, wenn die heimische Finanzbranche vom Binnenmarkt abgeschnitten würde.

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