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Top-Ökonomen warnen vor neuer Finanzkrise

Banken und Immobilienkredite  

Top-Ökonomen warnen vor neuer Finanzkrise

21.12.2016, 09:45 Uhr | Stefan Kaiser, Spiegel Online

Top-Ökonomen warnen vor neuer Finanzkrise. Ein Wohnblock in Berlin: Die Immobilienpreise steigen und steigen. (Quelle: dpa)

Ein Wohnblock in Berlin: Die Immobilienpreise steigen und steigen. (Quelle: dpa)

Deutschland und andere EU-Staaten wehren sich gegen schärfere Regeln für Banken. Doch nun schlagen die wissenschaftlichen Berater von Wirtschaftsminister Gabriel Alarm: Sie fürchten die Folgen einer Immobilienkrise.

Es ist ein Brandbrief, den die Experten des Wissenschaftlichen Beirats an Wirtschaftsminister Gabriel geschickt haben. In eindringlichen Worten warnen die 34 Professoren vor einer neuen Finanzkrise, die drohe, wenn die Kapitalregeln für Banken nicht verschärft würden.

"Die derzeitigen Regeln weisen wichtige Lücken auf", heißt es in dem Brief, der "Spiegel Online" vorliegt. "Aufgrund dieser Lücken ist die Finanzstabilität gefährdet. Es ist zu befürchten, dass in absehbarer Zeit erhebliche neue Lasten auf das Finanzsystem bzw. den Steuerzahler zukommen."

Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen im sogenannten Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, in dem die internationalen Aufsichtsbehörden aller wichtigen Industrie- und Schwellenländer vertreten sind. Dort sollen neue, schärfere Regeln verhandelt werden, die vor allem auf die Kapitalpolster abzielen, die Banken für Krisenfälle vorhalten müssen.

Der Basler Ausschuss schlägt etwa vor, dass die Banken nicht mehr nur selbst mit eigenen Modellen berechnen sollen, wie riskant ihre Geschäfte sind - und wieviel Kapital sie deshalb letztlich vorhalten müssen. Stattdessen soll eine Mindestanforderung eingeführt werden, die unabhängig von den Risikomodellen der Banken gilt. Außerdem sollen die Risiken von Immobilienkrediten stärker als bisher mit Kapital abgesichert werden.

Deutschland und mehrere andere EU-Staaten wehren sich gegen die Vorschläge, weil sie darin eine Benachteiligung europäischer gegenüber amerikanischen Banken sehen.

Hohe Risiken bei Immobilienkrediten

Die Wissenschaftler halten den Widerstand für einen Fehler. "Die Argumente, die gegen die Basler Vorschläge vorgebracht werden, können nicht überzeugen", schreiben sie in ihrem Brief. "Sie sind geprägt von den Interessen der Banken und vernachlässigen die Risiken für die Steuerzahler. Sie vernachlässigen auch die Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts."

Besondere Sorge bereitet den Forschern offenbar der bisherige Umgang mit Immobilienkrediten. "Unter den derzeitigen Regeln werden Immobilienkredite pauschal als sicherer behandelt als Unternehmenskredite", schreiben sie. "Dabei wird übersehen, dass Immobilienkredite regelmäßig im Zentrum von Finanzkrisen stehen."

Derzeit seien einige Risiken im Zusammenhang mit Immobilienkrediten als "hoch anzusehen, denn Niedrigzinsphase und Immobilienpreisentwicklung haben viele Leute veranlasst, in Immobilien zu investieren". Sollten die Marktzinsen wieder steigen, könne es zu Krisen wie Anfang der Neunzigerjahre kommen, als der Einbruch des Immobilienmarktes auch große deutsche Banken in Schwierigkeiten gebracht habe. "Dass es damals nicht offen zu einer Systemkrise kam, lag u.a. daran, dass die Institute aus früheren Zeiten noch stille Reserven hatten, die sie zur Deckung der Verluste einsetzen konnten."

Federführend erarbeitet haben den Brief der renommierte Bankenexperte und Direktor des Bonner Max-Planck-Instituts, Martin Hellwig, sowie der Zürcher Professor Hans Gersbach. Zu den Mitgliedern des Beirats gehören unter anderem Ex-Ifo-Chef Hans-Werner Sinn sowie der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, aber auch der Ex-Bundesbank-Präsident Helmut Schlesinger.

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