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Brexit stärkt Finanzplätze in Frankfurt und Paris


Tausende Jobs  

Brexit stärkt Finanzplätze in Frankfurt und Paris

19.01.2017, 13:25 Uhr | dpa-AFX, AFP

Brexit stärkt Finanzplätze in Frankfurt und Paris. Frankfurt am Main: Blick auf das Bankenviertel Eurotower Commerzbank. (Quelle: Imago/Hübner)

Frankfurt am Main: Blick auf das Bankenviertel Eurotower Commerzbank. (Quelle: Imago/Hübner)

Die großen Banken in London werden wegen des Brexits wohl Tausende Arbeitsplätze verlegen. Profitieren könnte Frankfurt. Die Schweizer UBS und die britische HSBC haben nun konkrete Zahlen genannt. 

Auch bei anderen Geldhäusern reifen die Umzugspläne. Die Banken wollen damit sicherstellen, dass sie ihre Finanzprodukte auch nach einem Brexit im EU-Binnenmarkt anbieten können.

UBS will mit 1000 Mitarbeitern umziehen

Etwa 20 Prozent des Handelsgeschäfts werde vermutlich nach Paris verlagert, sagte HSBC-Chef Stuart Gulliver dem Nachrichtensender Bloomberg TV beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Auch UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber kündigte an, etwa 1000 Jobs an andere Standorte zu verschieben, sollte Großbritannien keinen Zugang zum Binnenmarkt erhalten. Noch gelte es abzuwarten, was bei einem Brexit-Deal herauskomme, doch man müsse für alle Fälle planen. "Wir haben das größtenteils bereits gemacht", sagte Weber der BBC.

Bei HSBC passiert der Umzug ebenfalls nicht über Nacht. Das britische Geldhaus besitze in Frankreich die Geschäftsbank CCF und könne daher recht langsam vorgehen, sagte Gulliver. Andere Wettbewerber, die keine Töchter auf dem Kontinent hätten, müssten schneller agieren.

Goldman Sachs und Barclays erwägen Frankfurt

Die US-Investmentbank Goldman Sachs erwäge, bis zu 1000 Beschäftigte aus London nach Frankfurt zu verlegen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise. Dort solle auch eine europäische Aktiengesellschaft entstehen, um das europäische Geschäft zu vereinen. Dafür sei die Nähe zur Bankenaufsicht ausschlaggebend.

Auch Barclays-Chef Jes Staley kündigte an, dass seine Bank Teile ihres Geschäfts künftig von Deutschland oder Irland aus machen könnte. "Wir werden wohl bestimmte Aktivitäten verschieben müssen", sagte Staley in einem BBC-Interview. Der Großteil der Aktivitäten werde in Großbritannien bleiben, aber Deutschland und Irland seien "die Optionen, die wir uns anschauen".

Die Commerzbank hat ihr Investmentbanking in London schon stark gekürzt und die US-Bank Citigroup will hunderte Arbeitsplätze nach Dublin verlagern. Neben Frankfurt und Paris wurden auch Madrid und Amsterdam als mögliche EU-Standorte für Banken gehandelt. HSBC-Chef Gulliver hatte bereits vor dem Brexit-Entscheid der Briten geschätzt, dass rund 1000 HSBC-Mitarbeiter aus London abgezogen werden müssten.

May will Freihandelsabkommen

Die Banken warten ab, wie der Brexit genau aussehen und ablaufen wird. Die Briten hatten im Sommer für einen EU-Austritt gestimmt. Ihre Premierministerin Theresa May sagte am Dienstag in einer Grundsatzrede zum Brexit, Großbritannien werde aus dem EU-Binnenmarkt ausscheiden. May will stattdessen einen umfassenden Freihandelsvertrag mit der EU schließen. Auch der Zollunion in ihrer bisherigen Form will Großbritannien nicht mehr angehören.

Banken brauchen für Dienstleistungen in der EU rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Derzeit können sie grenzüberschreitend größtenteils frei agieren. Der geplante Brexit lässt aber - je nach Deal - zweifeln, ob Banken ihre Geschäfte künftig uneingeschränkt von der Insel aus weiterführen können.

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