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Trump-Hype an den Börsen macht Finanzexperten skeptisch


Zweifel an der Wall Street  

Trump-Hype an den Börsen macht Finanzexperten skeptisch

26.02.2017, 09:39 Uhr | AP

Trump-Hype an den Börsen macht Finanzexperten skeptisch. US-Präsident Donald Trump beschäftigt die Börsen. (Quelle: dpa/Symbolfoto)

US-Präsident Donald Trump beschäftigt die Börsen. (Quelle: Symbolfoto/dpa)

Ob er die US-Wirtschaft wirklich zu neuer Blüte bringen kann, bleibt abzuwarten. Zumindest an den Börsen hat Donald Trump längst für einen Höhenflug gesorgt. Doch die Aussichten für die kommenden Monate sind ungewiss.

Die Aussicht auf unternehmerfreundliche Veränderungen lässt manchen Anleger träumen. Angekündigt hat der neue Mann im Weißen Haus vieles. Konkret passiert ist bislang jedoch wenig, was die Euphorie rechtfertigen würde. Einiges deutet sogar darauf hin, dass an den Finanzmärkten eine Enttäuschung droht.

Aktienmärkte zu hoch bewertet?

"Auf die Wahl folgte zunächst ein Schock", sagt Darrell Riley von der US-Fondsgesellschaft T. Rowe Price. "Die Investoren waren echt schockiert, dann begann diese Phase der Hochstimmung, und jetzt befinden wir uns in einem Zustand der Verwirrung."

Schon vor dem Ansturm auf Aktien waren die Märkte nach Ansicht einiger Investoren zu hoch bewertet. Hinzu kommt, dass Trump in seinen ersten Wochen im Amt gezeigt hat, dass er vor allem eines ist: unberechenbar.

Reformen kommen langsam

Das damit verbundene Risiko ist so groß, dass bei T. Rowe Price etwa für Rentenfonds inzwischen Anleihen gegenüber Aktien bevorzugt werden. Der Trend ging schon seit einigen Jahren in diese Richtung, da die Börsenkurse schneller gestiegen waren als die Unternehmensgewinne.

Doch Riley zufolge gibt es neben den als überteuert eingestuften Preisen noch einen weiteren Grund für den jüngsten Kurswechsel der Fondsgesellschaft.

"Das Trump-Team kann nur eine Sache zur Zeit machen, da es relativ dünn aufgestellt ist", sagt Riley. Die unternehmerfreundlichen Reformen in Washington würden daher vermutlich langsamer umgesetzt als von den Märkten erwartet. "Sie stellen gerade fest, dass die Umsetzung der Dinge, die sie vorhaben, deutlich komplexer ist, als sie es sich wahrscheinlich vorgestellt hatten." Auch die von vielen erhofften Steuersenkungen könnten länger auf sich warten lassen als gedacht.

Nach neuen Rekorden dürfte es abwärts gehen

Experten der Investmentbank Goldman Sachs beschreiben die aktuelle Lage an den Märkten so: "Wir nähern uns dem Höchststand des Optimismus." Nach ihrer Einschätzung wird der wichtige US-Aktienindex S&P 500 etwa im nächsten Monat einen vorübergehenden Spitzenwert erreichen, bis zum Jahresende allerdings auf einen niedrigeren Stand fallen als den aktuellen, weil bis dahin Ernüchterung eingesetzt haben dürfte.

Ohnehin stellt sich die Frage, welchen Einfluss das Weiße Haus auf die Märkte überhaupt hat. Keinen sehr großen, sagt Ben Inker, der bei der US-Investmentgesellschaft GMO für die Portfolio-Strukturierung zuständig ist. Für die meisten Investoren, wie etwa Rentenfonds, seien Aktien als langfristige Anlagen gedacht - für längere Zeiträume als einen Nachrichtenzyklus und selbst als eine vierjährige Amtszeit im Weißen Haus.

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Protektionistische Töne

Inker bevorzugt derzeit Aktien aus anderen Ländern gegenüber solchen von US-Unternehmen, da auch er letztere für überteuert hält. "Selbst wenn es zu einem Handelskrieg kommen sollte und dieser Südkorea doppelt so hart trifft wie die USA.

Fakt ist, dass die derzeitigen Preise der US-Aktien auf der Annahme eines ordentlichen Wachstums basieren. Die Enttäuschung könnte in den USA also durchaus größer sein, auch wenn die wirtschaftlichen Folgen für Südkorea schlimmer wären", sagt der Finanzexperte.

Die protektionistischen Töne von Trump deuten viele Anleger bislang offenbar dennoch als gutes Zeichen für die US-Wirtschaft. Da eine Politik der Abschottung aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zu entsprechenden Gegenmaßnahmen anderer Länder führen würde, könnten langfristig auch viele amerikanische Unternehmen, die auf internationale Kunden oder Zulieferer angewiesen sind, hohen Schaden erleiden - im Jahr 2015 stammten etwa 44 Prozent des Umsatzes der S&P-500-Firmen aus dem Ausland.

Aus der Vergangenheit lernen

"Das ganze Gerede über Zölle und Handelsschranken sowie über Mauern, egal ob physische oder finanzielle, ist eindeutig nicht hilfreich oder förderlich, wenn es um das reale Wirtschaftswachstum geht", sagt Rich Weiss, leitender Depotverwalter bei American Century Investments. Ausgerechnet in diesem Bereich hat Trump aber bereits Nägel mit Köpfen gemacht und den Rückzug der USA aus dem Transpazifischen Freihandelsabkommen TPP veranlasst.

"Protektion wird zu großem Wohlstand und Stärke führen", sagte Trump im Januar in seiner Antrittsrede. Doch ein Blick in die Geschichtsbücher besagt eher das Gegenteil: Roberto Azevedo, der Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, warnte kürzlich vehement vor eben solcher Abschottung und zog einen Vergleich zu den 1930er Jahren, als die Regierungen die Zölle anhoben und damit innerhalb von drei Jahren zwei Drittel des globalen Handels eliminierten. "Das wollen wir heute nicht erleben", sagte er. "Das wäre eine Katastrophe von unvorstellbarem Ausmaß."

Kein ruhiges Jahr zu erwarten

Trotz allem scheint das Vertrauen der Aktienhändler in die guten Aussichten für die US-Wirtschaft bisher ungebrochen. Gleichzeitig sind sich die meisten Investoren aber auch einig, dass den Märkten holprige Zeiten bevorstehen.

"Während wir nach wie vor davon ausgehen, dass wegen des Wahlsiegs von Trump das Wachstum in den USA im Jahr 2017 größer sein wird als dies vor drei oder sechs Monaten abzusehen war, denken wir weiterhin auch, dass Volatilität ein besonderes Merkmal dieses Jahres sein wird", sagt der Deutsche-Bank-Stratege Jim Reid. "Die Präsidentschaft von Trump ist einfach mit zu vielen Unsicherheiten und Unbekannten verbunden, als dass es ein ruhiges Jahr werden könnte."

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