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Schlecker weist Bankrott-Vorwurf vor Gericht zurück

Ihm drohen bis zu 10 Jahren Haft  

Schlecker weist Bankrott-Vorwurf vor Gericht zurück

06.03.2017, 12:45 Uhr | dpa

Schlecker weist Bankrott-Vorwurf vor Gericht zurück. Der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker und seine Frau Christa vor dem Stuttgarter Landgericht. (Quelle: dpa)

Der ehemalige Drogeriekettenbesitzer Anton Schlecker und seine Frau Christa vor dem Stuttgarter Landgericht. (Quelle: dpa)

Zum Auftakt des Prozesses gegen Anton Schlecker hat der Anwalt des einstigen Drogeriemarktgründers vor einer Vorverurteilung seines Mandanten gewarnt. "Wir sollten uns davon frei machen, was da im Umfeld getrieben wird", sagte Verteidiger Norbert Scharf vor dem Stuttgarter Landgericht.

Schlecker selbst schwieg mit versteinerter Miene. Der Gründer der gleichnamigen Drogeriemarktkette steht wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht. Er ließ die Vorwürfe zurückweisen. Der Prozessauftakt wurde von einem großen Medieninteresse begleitet.

Schwere Vorwürfe gegen Schlecker

Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall hingegen klar. Sie ist davon überzeugt, dass Schlecker vorsätzlich Bestandteile seines Vermögens, das den Gläubigern zugestanden hätte, vor der Insolvenz im Jahr 2012 beiseite geschafft hat. Laut Anklage soll es sich um mehr als 20 Millionen Euro in vielen Einzelbeträgen handeln.

Dabei geht es unter anderem um die Renovierung einer Wohnung seines Sohnes Lars Schlecker für etwa 1 Million Euro, eine Reise der Kinder für mehrere Zehntausend Euro und Geldgeschenke an vier Enkel in Höhe von insgesamt 800.000 Euro.

Außerdem wirft die Staatsanwaltschaft dem 72-Jährigen vor, den Zustand des Unternehmens im Konzernabschluss falsch dargestellt und vor dem Insolvenzgericht unrichtige Angaben gemacht haben. Mit auf der Anklagebank sitzen seine Frau Christa und seine beiden Kinder Meike und Lars. Bei ihnen geht es um Beihilfe zum Bankrott.

Untreue-Vorwurf gegen Schlecker-Kinder

Schleckers Sohn und Tochter sind als ehemalige Gesellschafter der Logistikgesellschaft LDG außerdem wegen Insolvenzverschleppung und Untreue angeklagt. Sie sollen trotz der drohenden Insolvenz des allein vom Schlecker-Konzern abhängigen Logistikers nicht reagiert haben. Außerdem stehen zwei Wirtschaftsprüfer vor Gericht, die die Bilanzen von Schlecker abgenickt hatten.

Dreh- und Angelpunkt ist, dass Schlecker sein Unternehmen nicht als GmbH, sondern als eingetragener Kaufmann (e.K.) geführt hatte. Aus diesem Grund haftet er mit seinem gesamten persönlichen Vermögen.

Schlecker-Verteidiger Scharf kritisierte die Haltung der Anklage: Jeder dürfe Schenkungen vornehmen und Kosten übernehmen. "Nach der Ratio der Anklage darf ihm nur eines nicht passieren: Später in die Insolvenz gehen."

Er monierte außerdem, dass im Vorfeld des Verfahrens Einzelheiten an die Öffentlichkeit gelangt waren. "Der Sachverhalt, um den es hier geht, ist komplex und verschließt sich einer einfachen und schnellen Beurteilung", sagte Scharf, der bereits den früheren Formel-1-Boss Bernie Ecclestone vertreten hatte.

Schlecker drohen bis zu zehn Jahren Gefängnis

Das Gericht hat zunächst 26 Verhandlungstage bis Oktober angesetzt. Da zwei Zeugen aus der Schweiz geladen sind, die sich weigern in Stuttgart auszusagen und im Nachbarland befragt werden müssen, rechnet der Vorsitzende Richter bereits damit, dass diese Termine nicht ausreichen werden. Im Fall einer Verurteilung drohen Anton Schlecker bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Der Anwalt von Meike Schlecker wies einen Bericht des "Spiegels" zurück, wonach ihr und ihrem Bruder Steuernachzahlungen in Millionenhöhe drohen. Der Vorgang sei bereits seit dem Jahr 2012 bekannt, und es sei strittig, ob die Forderung berechtigt sei. 

Europas ehemals größte Drogeriekette Schlecker hatte im Januar 2012 Insolvenz angemeldet. Mehr als 25.000 Menschen in Deutschland und genau so viele im Ausland verloren ihren Arbeitsplatz.

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