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"Hart aber fair": Hitzige Schlecker-Debatte am Montagabend


Schlecker-Debatte bei "Hart aber fair"  

"Sie haben zu viele Micky-Maus-Hefte gelesen!"

07.03.2017, 11:44 Uhr | Nico Damm

"Hart aber fair": Hitzige Schlecker-Debatte am Montagabend . Die Montagabendrunde der ARD-Talkshow "hart aber fair", die aus Köln gesendet wird. (Quelle: Dirk Borm/WDR/dpa)

Die Montagabendrunde der ARD-Talkshow "hart aber fair", die aus Köln gesendet wird. (Quelle: Dirk Borm/WDR/dpa)

"Oben verantwortungslos, unten chancenlos - ist Schlecker heute überall?" Das wollte Frank Plasberg bei "Hart aber fair" zumindest subjektiv klären.

Das Thema

Anlass war der Prozess-Auftakt gegen Anton Schlecker, Gründer der gleichnamigen, gescheiterten Drogeriemarkt-Kette. Zehntausende ehemalige Beschäftigte wurden durch die Insolvenz in kurzer Zeit arbeitslos.

Hätte ein solches Desaster verhindert werden können, wenn Schlecker schneller über die Notlage des Unternehmens informiert hätte? Haben er und seine Familie gar eine Insolvenz verschleppt?

Über Schuld oder Unschuld entscheiden bekanntlich Richter. Obendrein gab Plasberg noch eine Prise VW-Skandal und Gesellschaftskritik: Trifft es immer zuerst Belegschaft und Kunden? Wächst oben die Gier nach Boni, unten die Armut?

Die Gäste

Hans Rudolf Wöhrl (Unternehmer)

Günter Wallraff (Enthüllungsjournalist)

Leni Breymaier (SPD, Landesvorsitzende in Baden-Württemberg und langjährige ver.di-Chefin in Baden-Württemberg)

Hans Richter (Oberstaatsanwalt a.D., ehemaliger Leiter Schwerpunktstaatsanwaltschaft Wirtschaftsstrafsachen in Stuttgart)

Wolfgang Kubicki (FDP, stellv. Bundesvorsitzender; Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein)

Der Frontverlauf

Die Fronten waren schnell klar und auch schon an der Sitzordnung zu erkennen: Breymaier und Wallraff rechts sorgten sich um die Rechte der Arbeitnehmer, Kubicki und Wörl links zeigten naturgemäß Verständnis für das Unternehmertum. Darunter, wie sollte es anders sein, saß der Oberstaatsanwalt a.D., der auch noch Richter heißt. Den Vorsitz behielt trotzdem Plasberg, der damit allerdings zuweilen seine Mühe hatte.

Denn es ging lebhaft zu in der Runde. Etwa, als Wallraff anmerkte, Studien hätten gezeigt, dass Unternehmen mit Betriebsräten erfolgreicher seien als welche ohne. Und Breymaier assistierte, in einer Schlecker-AG hätte ein Aufsichtsrat Schlimmeres verhindert.

Kubicki nannte Wallraffs These schlicht "Unsinn". Schlecker habe schlicht mit seiner Geschäftspolitik versagt. Doch Breymaier ließ nicht locker: Eine Transfergesellschaft für die 50.000 Mitarbeiter hätte es geben können - hätte die FDP in Bayern nicht dagegen gestimmt. Die Länder hätten für einen Teil der Gelder bürgen müssen. Geld sei aber genug da gewesen: "Inzwischen wurden Tochterfirmen in Südeuropa für über 250 Mio Euro verkauft.“

Unternehmer Wöhrl widersprach: Eine Bürgschaft der Länder verbiete das EU-Recht. Für Richter kam es weniger auf die Rechtsform an. Aus seiner Erfahrung aus hunderten Insolvenzverfahren sei es meist so, dass auch Geschäftsführer von GmbHs in die Privatinsolvenz gingen.

Aufreger des Abends

"Sie haben wohl zu viele Micky-Maus-Hefte gelesen!", entfuhr es Wöhrl, als Wallraff zu einer großen Sozialkritik ausholte - und erntete missmutige Reaktionen aus dem Publikum. Was Wallraff gesagt hatte: 30 Prozent der Deutschen seien entweder schlecht bezahlt oder in unsicherer Beschäftigung, die Ungleichheit steige dramatisch. Wenn es so weitergehe, werde es Deutschland "zerreißen".

Wöhrl konterte: "Frau Klatten hat ihr Geld nicht auf der hohen Kante - ihr Vermögen sind die BMW Werke." Über ungleiches Einkommen könne man ja reden.

Das tat die Runde dann auch ausgiebig. Breimayer lobte den Mindestlohn, der dafür gesorgt habe, dass die Löhne von besser und schlechter Verdienenden nicht weiter auseinander gegangen seien.

Eine vierfache Mutter stellte als Gast in der Sendung ihre Situation dar: Einzig auf das Krankenpfleger-Gehalt ihres Mannes angewiesen, reiche es kaum zum Leben. Wöhrl sah hier weniger Verantwortung des Arbeitgebers, sondern rief nach Vater Staat. "Der Gesetzgeber ist hier gefordert."

Wo sich die Runde einig war

Anton Schlecker hat viele Fehler gemacht. Ob nun aus Geiz (Breymaier) oder Kurzsichtigkeit (Kubicki, Wörl), konnte freilich auch die Talk-Runde nicht abschließend klären. Leidtragende sind die so genannten Schlecker-Frauen, die oft nur schwer wieder in Arbeit kommen. Und: In Bildung und an kinderreiche Familien sollte mehr Geld fließen. Das, soweit bestand Konsens, sorge für eine höhere Chancengerechtigkeit.

Was übrig bleibt

Ein bitterer Beigeschmack, dass selbst im Falle einer Verurteilung Schleckers eine Ungerechtigkeit bleibt. Denn die zahlreichen Frauen, die heute noch arbeitslos sind, bekommen dann höchstens ein mentales Trostpflaster.

Schlecker, VW, Managergehälter, Lohn- und Einkommensgerechtigkeit: Letztlich packte Plasberg zu viele Themen in eine Sendung, als dass auch nur zu einem viel Erhellendes zutage kam. Jedes einzelne dieser Themen könnte mehr als einen Fernsehabend füllen. Immerhin ging es mal nicht um Trump, Flüchtlinge oder die AfD. Insofern: Weiter so!

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