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Air Berlin: Lufthansa und Easyjet greifen nach Pleite-Airline


Air Berlin insolvent  

Lufthansa und Easyjet greifen nach Pleite-Airline

15.08.2017, 21:10 Uhr | dru, mvl, rtr, AP, dpa, dpa-AFX

Air Berlin: Lufthansa und Easyjet greifen nach Pleite-Airline. Maschinen von Lufthansa und Air Berlin stehen auf dem Flughafen in Düsseldorf. (Quelle: dpa/Federico Gambarini)

Maschinen von Lufthansa und Air Berlin stehen auf dem Flughafen in Düsseldorf. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Nach der Pleite von Air Berlin hat das Geschacher um die Filetstücke der insolventen Fluggesellschaft begonnen. Die Lufthansa, aber auch Easyjet planen eine Übernahme von Betriebsteilen – sehr zum Ärger der Konkurrenz. Air-Berlin-Passagiere können erst einmal aufatmen: Der Flugbetrieb ist bis auf Weiteres gesichert.

Die Lufthansa LUFTHANSA AG VNA O.N. Aktie – Deutschlands größte Fluglinie – bestätigte Verhandlungen über den Erwerb von Teilen von Air Berlin und die Einstellung von Personal. "Damit wird unter anderem gewährleistet, dass die von Air Berlin geleasten Flugzeuge, die aktuell für Eurowings und Austrian Airlines fliegen, wie bisher weiterbetrieben werden können."

Schon jetzt sind mindestens 30 Mittelstreckenjets von Air Berlin samt Besatzung für den Lufthansa-Konzern im Einsatz. Für eine Übernahme weiterer Unternehmensteile sieht Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) keine kartellrechtlichen Bedenken. Die Kartellfrage stelle sich nicht, weil es sich nicht um eine Komplettübernahme handele, sagte Dobrindt in Berlin.

Doch nicht nur die Lufthansa, auch Easyjet mischt im Poker um die Pleite-Airline mit. Der Billigflieger hat es dabei vor allem auf die Übernahme der Start- und Landerechte (Slots) von Air Berlin abgesehen, sagte ein Insider zur Nachrichtenagentur Reuters. Zugleich wollen die Londoner aber auch Konkurrent Ryanair auf Distanz halten. "Im Kern soll es zu einer Zerschlagung von Air Berlin kommen", zitierte die Zeitung "Welt" einen weiteren Insider. "Die Lufthansa und EasyJet werden den Betrieb fortführen."

Ryanair sauer auf Konkurrenz

​Entsprechend vergrätzt reagierte das Management der irischen Airline auf die Übernahmepläne der Rivalen. Der Insolvenzantrag sei "ganz eindeutig" mit dem Ziel arrangiert worden, dass Lufthansa die Air Berlin übernehmen könne, erklärte Ryanair-Sprecher Robin Kiely. Die Zeche zahle der Verbraucher: "Deutsche Reisende sowie Deutschland-Besucher werden höhere Ticketpreise erdulden und für dieses Lufthansa-Monopol bezahlen müssen."

Die Bundesregierung sieht die Übernahmeverhandlungen derweil auf einem guten Weg. Die Gespräche mit der Lufthansa und weiteren Partnern seien bereits "weit fortgeschritten", liefen "erfolgsversprechend" und könnten "zeitnah" abgeschlossen werden, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Auch die Lufthansa erklärte, die Verhandlungen "zu einem schnellen und positiven Ergebnis" führen zu wollen.

Pleite zeichnete sich letzte Woche ab

Die chronisch defizitäre Air Berlin hatte am Dienstag Insolvenzantrag gestellt, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways den Geldhahn zudrehte. Das Unternehmen wird das Insolvenzverfahren in Eigenregie durchführen, heißt: das bisherige Management bleibt verantwortlich. Ziel ist die Erhaltung und Sanierung der Airline.

Die Pleite hatte sich nach Informationen aus Unternehmenskreisen in der vergangenen Woche abgezeichnet. Am Mittwoch überwies Etihad eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht. Am Freitagabend dann kündigten die Araber das Ende der Zusammenarbeit an.

Tickets bleiben gültig

Der Flugbetrieb geht aber weiter. Nach Angaben von Air Berlin blieben alle gebuchten Tickets gültig. Auch die Flugpläne würden nicht geändert, hieß es auf der Internet-Seite des Unternehmens. Alle Flüge von Air Berlin und ihrer Tochter Niki fänden wie geplant statt. Zudem seien auch alle vorgesehenen Flüge weiterhin buchbar, teilte die Fluggesellschaft mit.

Die Bundesregierung sichert den Flugbetrieb mit einem Überbrückungskredit in Höhe von 150 Millionen Euro ab. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries zeigte sich auf einer Pressekonferenz zuversichtlich, dass die Fluggesellschaft den Kredit zurückzahlen kann. Dies sollte aus dem Erlös der Start- und Landerechte (Slots) möglich sein, so Zypries.

Land Berlin will helfen

Das Land Berlin prüft Hilfsmöglichkeiten für die Mitarbeiter der Airline. "Ich gehe davon aus, dass zumindest ein Teil der Arbeitsplätze in Gefahr ist", sagte Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke). "Wir müssen als Senat rasch zu einer Verständigung darüber kommen, wie wir die betroffenen Kolleginnen und Kollegen unterstützen können." Der Senat werde dazu auch das Gespräch mit der Unternehmensführung sowie den Gewerkschaften suchen. Noch sei es aber zu früh für konkrete Festlegungen.

Auch die Flughäfen in Berlin und Düsseldorf sicherten Unterstützung zu. "Air Berlin ist ein sehr wichtiger Partner für den Berliner Flughafenstandort", erklärte der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Engelbert Lütke Daldrup. "Wir haben ein großes Interesse daran, dass der Flugbetrieb so stabil wie möglich fortgesetzt und zügig eine langfristige Lösung erreicht wird." Der Sprecher der Geschäftsführung des Düsseldorfer Airports, Thomas Schnalke, erklärte, man konzentriere sich nun darauf, das Fluggeschäft von Air Berlin am Standort auch in Zukunft erfolgreich zu gestalten. Air Berlin ist seit Jahren die wichtigste Fluglinie am Düsseldorfer Airport. Auf sie entfallen rund 30 Prozent des Geschäfts.

Insolvenz ein Schock für Mitarbeiter

Air Berlin fliegt seit Jahren Defizite ein, 2016 lag der Verlust bei 780 Millionen Euro. Die Lage verschärfte sich Ende März mit der Umstellung auf den Sommerflugplan. Flugausfälle und Verspätungen häuften sich.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) teilte mit, die Nachricht von der Insolvenz sei "für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Air Berlin, die seit Bestehen der Airline eine hervorragende Arbeit leisten, ein Schock". Etihad lasse Air Berlin "fallen wie eine heiße Kartoffel, obwohl neue Investoren Interesse signalisiert haben", kritisierte VC. "Hier zeigen die Investoren vom Golf ihr wahres Gesicht."

Die Gewerkschaft Verdi will in der Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin möglichst viele Arbeitsplätze retten. Im Insolvenzverfahren in Eigenregie müsse innerhalb von drei Monaten eine Lösung gefunden werden, sagte das Bundesvorstandsmitglied Christine Behle in Berlin. Es brauche Transparenz und Einbeziehung der Gewerkschaften in die weiteren Planungen. Der Gang in die Insolvenz sei ein harter Schlag für die Beschäftigten von Air Berlin.

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