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US-Aktienmarkt: Ist die Wall Street zu heiß gelaufen?


Rekordwelle, Korrektur, Crash  

US-Aktienmarkt: Ist die Wall Street zu heiß gelaufen?

27.10.2017, 09:00 Uhr | Thomas Badtke, t-online.de

US-Aktienmarkt: Ist die Wall Street zu heiß gelaufen?. New York Stock Exchange: Die Wall Street kennt derzeit nur eine Richtung – nach oben. (Quelle: dpa/Andrew Gombert/EPA)

New York Stock Exchange: Die Wall Street kennt derzeit nur eine Richtung – nach oben. (Quelle: Andrew Gombert/EPA/dpa)

Egal ob Dow, S&P oder Nasdaq – Rekord folgt auf Rekord, und das schon seit Monaten. Wie lange hält die Hausse an den US-Börsen noch an? Gibt es Anzeichen für einen Stimmungsumschwung? Droht eine Korrektur? Wie sollten Anleger investieren? Experten liefern Antworten.

Die Wall Street kennt derzeit nur eine Richtung: nach oben. Allzeithoch folgt auf Allzeithoch. Notiert der Dow Jones Industrial Index Anfang des Jahres noch unter der Marke von 20.000 Punkten, liegt er nun fast 3500 Zähler höher. Der breiter gefasste S&P-500 sowie die beiden Tech-Indizes Nasdaq Composite und Nasdaq100 zeigen ein ähnliches Bild.

Kann die Wall Street nur noch Hausse? Oder ist eine Korrektur längst überfällig? "Der US-Aktienmarkt sieht derzeit unverwundbar aus", kommentiert Michael Gollits, Vorstand bei der unabhängigen Vermögensverwaltung von der Heydt.

Carsten Riehemann, Mitbegründer der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. sieht es ähnlich: "Fakt ist: Seit März 2009 befindet sich der US-Aktienmarkt im Aufschwung – mit zwei stärkeren Korrekturen 2009 und 2016", so der Experte. "In diesem Jahr ist der US-Aktienmarkt von einer geringen Schwankungsbreite, also Volatilität, geprägt, was aber recht typisch für einen klassischen Hausse-Verlauf ist", erklärt er. "Zu sehen ist zudem, dass Korrekturen nur sehr gering ausfallen und von kurzer Dauer sind."

Den Grund dafür sieht Riehemann darin, das noch immer viele Anleger "an der Seitenlinie stehen" und auf einen günstigen Einstiegszeitpunkt warten. "Langfristige Trends verpassen sie so. Aber das ist ein oft festzustellendes Phänomen."

Der Anleger kann immer noch einsteigen

Ein Phänomen, das Norbert Hagen, Vorstand der ICM InvestmentBank, ebenfalls sehr gut kennt. Auch Hagen ist derzeit für den US-Aktienmarkt positiv gestimmt: "Wir haben aktuell die Situation eines global synchron laufenden Aufschwungs. Das hat sicher auch mit den USA zu tun, aber eben nicht nur", sagt er und erläutert: "In der Vergangenheit war es so: Am Jahresanfang gab es eine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft, die wurde im Jahresverlauf schrittweise zurückgedreht mit den entsprechenden Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Dieses Jahr und 2018 ist es anders: Da wurden im Jahresverlauf die Prognosen erhöht."

Denn: "Die Unternehmen haben mehr Umsatz, mehr Gewinn, die Margen steigen – womit zu Jahresbeginn aber keiner gerechnet hat." Das treibt wiederum die Aktienkurse. "Wenn der Unternehmensgewinn um zehn Prozent anzieht und der Aktienkurs gleichzeitig um zehn Prozent steigt, ist das Ergebnis am Ende, dass US-Aktien heute nicht teurer sind als am Jahresanfang.

Die logische Konsequenz: "Der Anleger kann immer noch einsteigen", so Hagen. Er mahnt aber gleichzeitig, den Zeitaspekt zu beachten: "Bis Dezember oder März 2018 in den US-Markt investieren? Dann sage ich: Klar, auf jeden Fall. Auf Sicht von zwölf Monaten? Nein!"

"Trump ist ein lokales Risiko für den US-Markt"

Zwar zeigt sich der Markt derzeit nahezu immun gegenüber externen Störungen, so Hagen. "Aber allein US-Präsident Donald Trump mit seiner Politik aus Ankündigungen, denen dann lange oder gar keine Umsetzungen in die Tat folgen, bietet erhebliches Enttäuschungspotenzial für die Kurse."

"Trump beschleunigt die Hausse – und bremst sie gleichzeitig wieder aus", sagt auch Aktienmarktexperte Gollits. "Trump ist ein lokales Risiko für den US-Markt. Global wiegt der Nordkorea-Konflikt schwer, kann den Kursen momentan aber auch nichts anhaben", stellt er fest.

Alle drei Marktexperten sind sich einig: Auf eine große Korrektur am US-Markt braucht der Anleger vorerst nicht zu warten. Stattdessen sollten sie genau auf die Bilanzen in der derzeit laufenden Berichtssaison achten – darauf, wer überrascht und wer enttäuscht.

Sicherheit, Digitalisierung, Gesundheit

Gollits Favoriten sind momentan Firmen aus den Sektoren Sicherheit und Gesundheit: "Sicherheit zu Hause, bei Veranstaltungen oder in Unternehmen stehen heute hoch im Kurs. Das gleiche gilt für Automation und Robotik sowie Pharma." Der Vorstand bei der unabhängigen Vermögensverwaltung von der Heydt nennt Titel wie Mastercard oder auch S&P Global, "die sehr gut aussehen"; AbbVie und Cintas, die "sich lange schwer getan haben" oder Rockwell Automation.

"Alles was zyklisch ist, sollte man haben", ist für den Vorstand der ICM InvestmentBank, Hagen, die aktuell geltende Grundausrichtung. "Chemie, Öl – etwa DowDupont, gehören ins Depot, defensive Werte wie beispielsweise Johnson & Johnson dagegen nicht", unterstreicht er. "Wohlfühlaktien wie Microsoft gehen immer. Aber da sollte der Anleger wissen: 100 Prozent Kursgewinn sind da schwierig."

Albrecht, Kitta & Co.-Mitbegründer Riehemann verweist auf Technologiewerte und Pharmatitel. "Die boomende Digitalisierung und deutlich verbesserte Forschungsansätze geben hierfür den Ausschlag", sagt er. "Und wer nicht am US-Markt investieren will, ist in Europa sehr gut aufgehoben!"

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