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Peinliche Pannen: Was steckt hinter den Zugausfällen der Deutschen Bahn?


Peinliche Pannen  

Was hinter den Zugausfällen bei der Bahn steckt

13.12.2017, 10:58 Uhr | David Ruch, t-online.de

Peinliche Pannen: Was steckt hinter den Zugausfällen der Deutschen Bahn?. Wenn das Wetter Ärger macht: Die Bahn hatte in den letzten Tagen mit "schnee- und eisbedingten Schäden" an ihrer Flotte zu kämpfen. (Quelle: dpa/Bodo Marks)

Wenn das Wetter Ärger macht: Die Bahn hatte in den letzten Tagen mit "schnee- und eisbedingten Schäden" an ihrer Flotte zu kämpfen. (Quelle: Bodo Marks/dpa)

Schnee, Eis, aber auch technische Probleme bescherten der Bahn zuletzt einigen Ärger. Experten ermahnen den Staatskonzern, wieder mehr Geld in Streckennetz und Wartung zu stecken.

Die Premiere hätte kaum schlimmer verlaufen können: Mit 200 Ehrengästen an Bord blieb am Freitagabend ein ICE auf der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Berlin und München auf halbem Wege liegen. Am Sonntag, zum Start des Regelbetriebs, ließen technische Probleme einen Zug erst mit großer Verspätung ankommen. Montagmorgen fiel ein Zug dann ganz aus, und am Dienstag noch einer.

Der Pannen-Teufel erwischte aber nicht nur die neue Highspeed-Strecke. Auch auf anderen Verbindungen gab es zum Fahrplanwechsel am Sonntag erhebliche Probleme. Laut einem Medienbericht fielen seither Dutzende Züge im Fernverkehr aus. Insidern zufolge kam dabei mehr als der Wintereinbruch zum Tragen.

Wenn das Wetter Ärger macht: Die Bahn hatte in den letzten Tagen mit "schnee- und eisbedingten Schäden" an ihrer Flotte zu kämpfen. (Quelle: dpa/Bodo Marks)Wenn das Wetter Ärger macht: Die Bahn hatte in den letzten Tagen mit "schnee- und eisbedingten Schäden" an ihrer Flotte zu kämpfen. (Quelle: Bodo Marks/dpa)

Zu wenige Züge für reibungslosen Betrieb?

Nach Angaben des Hessischen Rundfunks fielen seit Sonntag täglich zwischen 20 und 40 Verbindungen im Fernverkehr aus. Wie "hr Info" unter Berufung auf ungenannte Bahn-Mitarbeiter berichtete, hatte die Bahn mit zu geringen Reserven geplant, für einen reibungslosen Betrieb hätten mindestens zehn ICE-Züge gefehlt. Am Sonntag sei nur rund die Hälfte der ICE- und IC-Züge pünktlich gefahren.

Seither wird über die Gründe für die Häufung an Pannen spekuliert. Beim "Fahrgastverband Pro Bahn" vermutet man im Fall der neuen Milliarden-Trasse den Fehler bei den dort eingesetzten, nachgerüsteten Fahrzeugen mit dem neuen Signalsystem ETCS. "Die Strecke Berlin-München ist die erste signalfreie Strecke in Deutschland", erklärte Verbandschef Detlef Neuß t-online.de. "Transponder im Gleisbett geben ein Signal an die Leitstelle, wenn der Zug darüberfährt. So werden die Züge auf Abstand gehalten. Herkömmliche Signale gibt es nicht mehr."

Langfristig soll das "European Train Control System" den grenzüberschreitenden Zugverkehr vereinfachen und höhere Taktungen ermöglichen. Aktuell funktioniere das System aber noch nicht perfekt, so Neuß. Vielleicht sei es auch etwas zu früh eingeführt worden.

Wintereinbruch macht Bahn zu schaffen

Zum Ärger der Bahn traf die größte Fahrplanumstellung der vergangenen Jahrzehnte mit einem Wintereinbruch zusammen. Schnee und Blitzeis sorgten von Sonntag bis Montagmorgen für Behinderungen und Verspätungen. Die ICE-Strecke zwischen Frankfurt am Main und Köln blieb mehrere Stunden lang gesperrt.

"Pro Bahn"-Chef Neuß sieht die Ursache der Fahrplanprobleme aber nicht nur beim Wetter, sondern auch bei der Bahn selbst. "Ein Großteil der Weichen ist beheizt", erläutert er, "aber eben nicht alle, und vor allen Dingen nicht auf Nebenstrecken."

Komme es zu Wetterkapriolen, gingen der Bahn oft die Alternativen aus, sagt Neuß. "Es gibt zu wenig Ausweichstrecken, vor allem elektrifizierte. Das deutsche Streckennetz hat einen Elektrifizierungsgrad von 58,8 Prozent. Das ist beschämend für ein Land wie Deutschland."

Mehdorn sparte bei der Wartung

Ein weiteres Problem sei die Wartung der Züge. Zu Zeiten von Bahnchef Hartmut Mehdorn seien viele Kapazitäten in dem Bereich abgebaut, Wartungsintervalle verlängert worden. "Da muss man sich nicht wundern, wenn dann im Winter ein Zug ausfällt, der seit über einem Jahr nicht mehr bei der Inspektion war", sagt Neuß.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, müssten nach Ansicht des "Pro Bahn"-Chefs Nebenstrecken reaktiviert und ausgebaut werden. Neuß hofft dabei auf mehr Unterstützung aus der Politik. "Wer mehr Menschen und Güter auf die Schiene bringen will, muss dafür auch mehr Geld zur Verfügung stellen. Den Lippenbekenntnissen müssen endlich auch Taten folgen."

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