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Abgastests an Affen: Endoskope bis in die Bronchien eingeführt


"Endoskope bis in die Bronchien"  

So grausam verliefen die Abgastests an Affen

31.01.2018, 17:28 Uhr | dru, dpa, t-online.de

Abgastests an Affen: Endoskope bis in die Bronchien eingeführt. Javaneraffe in einem Nationalpark in Thailand: Bei dem Labor-Test in den USA wurden zehn solcher Primaten über Stunden Dieselabgasen ausgesetzt. (Quelle: imago images)

Javaneraffe in einem Nationalpark in Thailand: Bei dem Labor-Test in den USA wurden zehn solcher Primaten über Stunden Dieselabgasen ausgesetzt. (Quelle: imago images)

Der Skandal um Abgasversuche deutscher Autobauer an Affen und Menschen zieht weitere Kreise. VW will die Ergebnisse der umstrittenen Studien aus einem Prozess in den USA raushalten. Daimler zieht erste personelle Konsequenzen. Und es gibt neue Details zu den Affen-Versuchen.

In der Affäre um die umstrittenen Abgastests an Affen in den USA kommen neue Details ans Licht. Offenbar kämpft die US-Tochter von Volkswagen seit Monaten juristisch dagegen, dass Unterlagen zu den heiklen Experimenten bei einem Prozess zum Einsatz kommen. Darüber berichten der NDR und die Nachrichtenagentur dpa, denen nach eigenen Angaben entsprechende Gerichtsdokumente vorliegen.

In dem Prozess beim Bezirksgericht Fairfax County klagen amerikanische VW-Kunden wegen der Diesel-Manipulationen auf Entschädigung. Ihr Anwalt Michael Melkerson will die Affen-Studie unbedingt in das Verfahren einbringen, da sie seiner Ansicht nach ein vorsätzliches Schema des anhaltenden Betrugs bei Volkswagen belege.

Das aber wollen die VW-Anwälte mit aller Macht verhindern. Bereits am 13. Oktober 2017 stellten sie einen Antrag, die Studie vom Verfahren auszuschließen. Darin hieß es: "Das einzige Ziel des Klägers ist es, eine scharfe und emotionale Reaktion der Jury hervorzurufen, in der Hoffnung, dass diese VW Amerika für etwas bestrafen, dass mit den Klägern gar nichts zu tun hatte".

Den Affen wurden Endoskope bis in die Bronchien eingeführt

Die "Bild"-Zeitung zitierte am Mittwoch aus dem Labor-Bericht zu den Affen-Tests. Demnach mussten zehn in Glaskäfige gesperrte Javaneraffen vier Stunden lang Diesel-Abgase einatmen. Nacheinander seien Abgase eines Ford-Pick-up (Baujahr 1997) und eines VW Beetle (2013) in die Boxen geleitet worden. Währenddessen sei den Tieren Blut abgenommen, später ein Spezial-Endoskop durch die Nase oder den Mund in die Luftröhre und dann weiter in die Bronchien eingeführt worden.

Offenbar erbrachten die Tests aus Sicht der deutschen Autohersteller nicht die erhofften Ergebnisse. Denn nicht bei den Ford-Abgasen sondern bei denen des VW Beetle seien mehr Entzündungszeichen bei den Affen aufgetreten. "Es sind nicht die Ergebnisse, die sie erwartet haben", zitierte das Blatt aus einer Mail von Forschungsleiter Jacob McDonald an dessen Mitarbeiter.

Der Auftraggeber der Tests, die von VW, Daimler und BMW finanzierte Lobby-Initiative EUGT ("Europäische Forschungsvereinigung für Umwelt und Gesundheit im Transportsektor"), soll daraufhin einen Teil der Rechnung an das Forschungslabor in Albuquerque (US-Staat New Mexico) einbehalten haben.

An der Universität Aachen hatte die EUGT auch eine Studie zur Stickstoffdioxid-Belastung am Arbeitsplatz in Auftrag gegeben – Probanden waren 25 Menschen. BMW, Daimler, VW und Bosch hatten die EUGT gemeinsam gegründet, Bosch stieg 2013 aus. Die EUGT wurde 2017 aufgelöst.

Erste Entlassung bei Daimler

Nach Volkswagen hat der Versuchsskandal nun auch bei Daimler personelle Konsequenzen gefordert. Der Stuttgarter Autobauer stellte den Mitarbeiter frei, der den Konzern im Vorstand von EUGT vertrat, wie Daimler am Mittwoch mitteilte. "Wir werden den Sachverhalt lückenlos aufklären und sicherstellen, dass sich derartige Vorgänge nicht wiederholen", betonte Daimler.

Am Vortag hatte Volkswagen bereits seinen Cheflobbyisten Thomas Steg beurlaubt. VW-Konzernchef Matthias Müller sagte in einem Interview des Senders n-tv: "Mir ist im Moment auch ehrlich gesagt nicht klar, warum diese Einheit bei der Organisation von Herrn Steg angedockt war und eben nicht bei der Forschung. Das werden wir recherchieren." Der Konzernchef nannte es "ein kleines bisschen willkürlich", einen Bezug der Experimente zum Diesel herzustellen – "wenngleich natürlich der Diesel Gegenstand des Auftrages war".

Müller will dem Interview zufolge trotz allem weiter versuchen, den Dieselmotor zu rehabilitieren. "Ich kann sehr gut nachvollziehen, dass unsere Kunden an der Stelle ein weiteres Mal verunsichert sind", sagte er. "Nichtsdestotrotz werden wir weiter in die Diesel-Technologie auf absehbare Zeit investieren." Über die Schadstofftests an den Affen äußerte er sich "erschüttert" und entschuldigte sich erneut. Er könne nur Sorge dafür tragen, Prozesse im Unternehmen so zu reformieren, dass "solche Zustände eben in Zukunft nicht mehr eintreten", erklärte Müller.

Verwendete Quellen:

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