Börsen im Sinkflug

Absturz an der Wall Street lässt Asien zittern

09.02.2018, 07:23 Uhr | dru, rtr, dpa

US-Börsencrash, DAX-Kursrutsch: Das müssen Anleger und Menschen, die sich nicht täglich mit der Börse auseinandersetzen, wissen. (Quelle: t-online.de) (Quelle: stroeer-rtr)

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Die US-Börsen sind am Donnerstag erneut abgerutscht, nun folgen die Aktienmärkte in Asien. Analysten sind besorgt: Ist der Goldrausch der vergangenen Monate vorbei?

Nach erneut heftigen Kursverlusten an der Wall Street sind auch die Märkte in Asien eingesackt. Der japanische Index Nikkei 225 lag am Freitagmittag (Ortszeit) mehr als 3,2 Prozent im Minus bei 21.185 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index büßte knapp 2,8 Prozent ein und lag bei 1715 Punkten.

Schwache Vorgaben aus den USA

In China brach der Shanghaier Composite Index eine Stunde nach Handelsstart sogar um mehr als fünf Prozent auf 3091 Punkten ein. Deutlich fielen auch die Abschläge in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong aus, wo der Leitindex Hang Seng um 4,3 Prozent auf 29 135 Punkte absackte.

NACHRICHTEN DES TAGES

Giuseppe Conte: Der Universitätsprofessor und Rechtsanwalt soll Regierungschef einer Koalition aus Populisten und Rechtsextremen werden. (Quelle: Fabio Frustaci/dpa)

Der "Yuxinou"-Zug fährt 2014 in Duisburg ein: Die Verbindung nach China soll der hoch verschuldeten Stadt helfen. (Quelle: Federico Gambarini/dpa)

Außenminister Heiko Maas in Washington: Ein Hauptthema seiner Gespräche ist das Atomabkommen mit Iran. (Quelle: Carlos Barria/Reuters)

Plattenbau in Berlin-Lichtenberg: In 36 deutschen Städten gibt es nach der Analyse inzwischen Quartiere, in denen mehr als die Hälfte der Kinder von staatlichen Leistungen abhängig ist. (Quelle: dpa)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede im Präsidentenpalast: Viele Türken sehen in der schwachen Wirtschaft das größte Problem für ihr Land. Die Lira hat innerhalb von knapp zwei Monaten 18 Prozent ihres Wertes verloren. (Quelle: Murat Kula/Anadolu Agency)

Chinas Staatspräsident Xi Jinping und Bundeskanzlerin Angela Merkel beim G 20 Gipfel 2018: Merkel reist am heutigen Mittwoch zum elften Mal nach China. (Quelle: Sammy Minkoff/dpa)

Auslöser für die Talfahrt in Asien waren laut Händlern die schwachen Vorgaben aus den USA. Am US-Aktienmarkt war es am Vortag zum zweiten Mal in dieser Woche zu einem Ausverkauf gekommen. Erstmals seit November schloss der Dow Jones Industrial unter 24.000 Punkten. Letztlich ging er am Donnerstag (Ortszeit) mit einem Verlust von 4,15 Prozent oder mehr als 1000 Punkten bei 23.860 Zählern aus dem Handel.

Keiner der 30 Index-Werte konnte sich im Plus halten. "Die Angst vor steigenden Zinsen hält die Börsen weiterhin im Würgegriff", kommentierte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners die heftige Talfahrt an der Wall Street in dieser Woche.

Anziehen der Inflation befürchtet

Hintergrund der Börsen-Turbulenzen in den USA sind Sorgen der Anleger vor schneller steigenden Zinsen. Am vergangenen Freitag hatte der US-Arbeitsmarktbericht die Stimmung der Anleger kippen lassen. Das trotz boomender Wirtschaft bislang verhaltene Lohnwachstum fiel stärker als erwartet aus, was einerseits schön für die Amerikaner ist, andererseits aber die Inflation in Gang bringen könnte.

Händler an der Wall Street: Die Turbulenzen an den US-Börsen halten an. (Quelle: Brendan Mcdermid/Reuters)

Das wiederum würde die Notenbank zwingen, die Leitzinsen schneller als bisher geplant zu erhöhen, um die Preissteigerung zu dämpfen. Steigende Zinsen gefallen aber Investoren nicht – sie verteuern Geld und Kredite und hemmen so das Wachstum. Folge: Die Anleger strömen in Scharen aus dem Aktienmarkt und bedienen sich stattdessen am Rentenmarkt. Zehnjährige US-Anleihen rentierten zuletzt so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr.

"Flash Crash" durch automatisierten Handel

Doch taugt diese "Zinsangst" allein als Erklärung für den Absturz? "Natürlich werden bei diesem Kollaps wieder viele Fragen zum automatisierten Handel aufgeworfen", sagte Craig Erlam vom Online-Broker Oanda. Ein Großteil der Finanzmärkte ist inzwischen durch Computer-Programme gesteuert und quasi auf Autopilot. Werden bestimmte Kursmarken durchbrochen, werfen die "Algo-Trader" weitere Papiere auf den Markt und verstärken so den Kursverfall. Das "Flash Crash" genannte Phänomen sah Erlam auch diesmal am Werk.

Die entscheidende Frage sei, ob es sich nach der Rally der vergangenen Monate nur um eine Korrektur oder den Auftakt einer langfristigen Talfahrt handele, schrieben die Analysten des Vermögensverwalters Lombard Odier in einem Kommentar. Ihre Kollegen von der Vermögensverwaltung der US-Bank Goldman Sachs tendierten zu Ersterem: Aktien seien weiterhin attraktiv. "Das starke Wirtschaftswachstum treibt die Gewinnprognosen in die Höhe." Ähnlich urteilte Luca Paolini, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Pictet. Die Aktienmärkte hätten zwar kaum noch Luft nach oben. "Die Zeichen deuten aber darauf hin, dass der Markt seinen Gipfel – noch – nicht erreicht hat."

Verwendete Quellen:
  • dpa, Reuters

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