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Gazprom wird 25 – Wie schwerfällig ist der Gas-Riese?


Gazprom wird 25  

Gazprom – Wie schwerfällig ist der Energieriese?

16.02.2018, 11:46 Uhr | dpa

Gazprom wird 25 – Wie schwerfällig ist der Gas-Riese?. Ein Arbeiter prüft Rohre für die zukünftige Ostsee-Erdgastrasse Nord Stream 2: Gazprom feiert 25-jähriges Jubiläum, doch ist das Unternehmen für die Zukunft gewappnet? (Quelle: dpa/Jens Büttner)

Ein Arbeiter prüft Rohre für die zukünftige Ostsee-Erdgastrasse Nord Stream 2: Gazprom feiert 25-jähriges Jubiläum, doch ist das Unternehmen für die Zukunft gewappnet? (Quelle: Jens Büttner/dpa)

Der russische Energiekonzern Gazprom GAZPROM ADR SP./2 RL 5L 5 Aktie wähnt sich 25 Jahre nach seiner Umwandlung in eine Aktiengesellschaft im Höhenflug. Aktuelle Zahlen belegen die beherrschende Marktposition. Doch Experten sind skeptisch, ob der Konzern gut für die Zukunft aufgestellt ist.

Schlüsselmärkte und gefährliche Abhängigkeiten

Die strategischen Ausrichtungen des russischen Energieriesen Gazprom liegen auf Europa, vor allem Deutschland. "Im vergangenen Jahr hat unser Unternehmen den absoluten Rekord beim Export von Gas nach Europa aufgestellt", betont Konzern-Vize Alexander Medwedew. Rund 194 Milliarden Kubikmeter habe Gazprom an Staaten vor allem in der EU verkauft – mehr als 40 Prozent seiner Förderung 2017.

Mehr als ein Viertel der Lieferungen entfiel auf Deutschland – für Gazprom der Schlüsselmarkt in der EU. Nach der Strategie des größten Energiekonzerns der Welt ist da noch sehr viel Luft nach oben, wenn die Ostseepipeline Nord Stream 2 fertiggestellt ist. Doch mit zunehmenden Gaslieferungen wächst auch die Abhängigkeit der Empfänger vom Gaslieferanten unter Kreml-Kontrolle. Ein Unbehagen, das Gazprom unter anderem durch PR-Maßnahmen wie einem Sponsorenvertrag für den Bundesligisten Schalke 04 und dem Gesicht von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder als Aushängeschild der Nord Stream AG zu mindern sucht.

Gazprom steigert Marktanteil in Europa

Am Samstag, den 17. Februar 2018, feiert Gazprom seinen 25. Geburtstag. Der Staatskonzern ist 1990 aus einem für die Gasindustrie zuständigen Sowjet-Ministerium hervorgegangen. Am 17. Februar 1993 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Heute kontrolliert Gazprom ein Geflecht aus Tochterfirmen auch in der Banken- und Medienbranche.

Zum Jubiläum lässt sich Präsident Wladimir Putin von der Konzernspitze persönlich über die Erfolge informieren. Doch die Sektkorken dürften in der Moskauer Zentrale dank des jüngsten Export-Allzeithochs schon vor der Feier geknallt haben. Denn in Europa sei der Marktanteil auf fast 35 Prozent gestiegen, betonte Medwedew gegenüber Investoren. Bis 2035 rechnet Gazprom mit einer Steigerung seines Anteils in Europa auf 41 Prozent.

Gute Zahlen von Schwerfälligkeit bedroht?

Zwar liegen die Gewinnzahlen für das Jahr 2017 noch nicht vor, doch lassen die Werte des dritten Quartals Managerherzen höher schlagen: Mit 200 Milliarden Rubel (2,8 Mrd Euro) hat sich das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum 2016 fast verdoppelt, teilt Gazprom mit. Experten sehen den günstigen Wechselkurs des Rubel zum US-Dollar als Grund, weniger die Gaslieferungen an sich.

Zahlen sind aber nur eine Seite der Medaille: Die glänzenden Daten überstrahlten massive Probleme, kritisieren Branchenkenner hinter vorgehaltener Hand. Zu viele Mitarbeiter (rund 450.000) und Korruptionsanfälligkeit seien Gründe für Ineffizienz, die den Gasriesen schwerfällig macht.

Geopolitische Waffe des Kreml?

Anerkannt wird, dass sich der Konzern – auch nach Druck der EU –gewandelt hat. "Mehr Markt, weniger Geopolitik", umschreibt Energieexperte Sergej Afonzew die Erneuerung der lange kritisierten Preispolitik. Zuvor hatte Gazprom über Jahre hohe Preise bei langen Laufzeiten diktiert. Die Kunden schluckten dies. Als aber 2006 und 2009 zwischen Russland und der Ukraine, dem wichtigsten Transitland für Gas in die EU, ein Streit eskalierte und Gazprom im Winter den Hahn zudrehte, schrillte in Westeuropa der Alarm. So festigte sich das Bild von Gazprom als geopolitische Waffe des Kremls, um Staaten unter Druck zu setzen.

"Für das Image von Gazprom war der Streit mit der Ukraine ein Eigentor", sagt Fares Kilzie, Chef der Moskauer Beratungsfirma Creon. "Der Schaden hängt Gazprom immer noch nach. Das lässt sich auch nicht mit einem teuren Sponsorenvertrag für Schalke 04 beheben."

Die Zeit der teuren Verträge ist in der EU nun vorbei. Der Preis wird nach einem komplexen Schlüssel durch Angebot und Nachfrage gebildet. So kostete russisches Gas in der EU 2017 im Durchschnitt rund 197 Dollar je 1.000 Kubikmeter. "Russisches Gas ist durch die marktorientierte Preisbildung im Zuge der Liberalisierung der EU-Energiemärkte unpolitischer geworden", sagt Kilzie. Die Marktgesetze sorgen dafür, dass die Preise fallen, je mehr Gas in Europa ankommt. Gazproms Strategie ist, die Lieferungen zu erhöhen, um den Absatz zu steigern und seine Position am Markt zu stärken.

Das unterirdische Netzwerk des Energieriesen

Gazprom kontrolliert ein Netzwerk aus Röhren, die wie Tentakel von Russland aus nach der eurasischen Landmasse greifen. Durch die Ukraine und Weißrussland laufen Leitungen, die Ostsee-Pipeline Nord Stream, bei der Ex-Kanzler Schröder im Aufsichtsrat sitzt, führt direkt nach Deutschland. Neue Pipelines sind geplant: Nord Stream soll erweitert werden; im Schwarzen Meer wird Turkish Stream gebaut, um Gas über die Türkei nach Südosteuropa zu bringen; weit im Osten will Gazprom mit Sila Sibirii (Kraft Sibiriens) China beliefern. Bislang kaum ins Gewicht fällt Flüssiggas (LNG). Ein strategischer Fehler, der sich in Zukunft rächen könnte, mahnen Experten.

Verwendete Quellen:
  • dpa

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