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US-Steuerreform – Auswirkungen auf die Firmenbilanzen


Trumps Agenda  

US-Steuerreform – Auswirkungen auf die Firmenbilanzen

16.02.2018, 15:15 Uhr | sm, rtr

US-Steuerreform – Auswirkungen auf die Firmenbilanzen. US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit Arbeitern: Die US-Steuerreform soll Millionen neue Jobs schaffen. Experten zufolge kommt sie zum falschen Zeitpunkt und wird die Staatsverschuldung erhöhen. (Quelle: dpa/Andrew Harnik)

US-Präsident Donald Trump bei einem Treffen mit Arbeitern: Die US-Steuerreform soll Millionen neue Jobs schaffen. Experten zufolge kommt sie zum falschen Zeitpunkt und wird die Staatsverschuldung erhöhen. (Quelle: Andrew Harnik/dpa)

Mit seiner umfassenden Steuerreform hat US-Präsident Donald Trump ein Kernstück seiner politischen Agenda umgesetzt. Er verspricht sich davon zusätzliche Milliarden-Investitionen und Millionen neue Jobs. Doch Ökonomen zufolge kommt die Reform mitten im Konjunkturaufschwung zum völlig falschen Zeitpunkt.

IWF-Chefin Christine Lagarde warnt, die Steuerreform werde zwar die US-amerikanische Wirtschaft kurzfristig beflügeln, mittelfristig seien aber negative Effekte zu erwartet, etwa weil die Staatsverschuldung steige.

Wie sich die Reform auf die in den USA tätigen deutschen Firmen und ihre Konkurrenten auswirkt, ist im Detail noch nicht ganz klar. Es gibt aber kaum ein Unternehmen, das in seinen Quartalsbilanzen nicht auf Effekte durch die US-Steuerreform verweist. "Unter dem Strich werden die deutschen Unternehmen mehr bekommen", schätzt DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. "Wir gehören insgesamt zu den Gewinnern."

US-Steuerreform: Die wesentlichen Punkte

Der Kern der US-Steuerreform ist die Senkung des Körperschaftssteuersatzes auf 21 von 35 Prozent. Es gibt aber auch neue Regeln für Abschreibungen, Verlustvorträge und die steuerliche Behandlung von konzerninternen Zahlungen zwischen den USA und Auslandsgesellschaften. Die Auswirkungen auf die Konzernbilanzen sind daher durchaus unterschiedlich, das gilt für die kurze und lange Frist. Es folgt eine Übersicht über die Effekte und welche Firmen davon betroffen sind:

Verlustvorträge sind weniger wert – Hohe Abschreibungen

Da die Steuerlast geringer wird, nimmt auch der Wert von Verlustvorträgen ab – in den Vorjahren angefallene Verluste, die steuerlich geltend gemacht werden können. Viele Unternehmen müssen deshalb Abschreibungen vornehmen. Das trifft insbesondere die Banken, die während der Finanzkrise hohe Verluste angehäuft haben.

Die Citigroup Citigroup Inc Aktiemusste mit 19 Milliarden US-Dollar in der Branche am meisten auf ihre Verlustvorträge abschreiben und rutschte deswegen im vierten Quartal tief in die roten Zahlen. Rivalen wie Bank of America Bank of America Corporation Aktie, Morgan Stanley Morgan Stanley Aktie, JP Morgan JPMorgan Chase & Co. Aktie oder die Schweizer UBS UBS GROUP N Aktie und Credit Suisse CS GROUP N Aktieverbuchten ebenfalls Milliarden-Belastungen.

Die Deutsche Bank DEUTSCHE BANK AG NA O.N. Aktie schrieb 1,4 Milliarden Euro auf Verlustvorträge ab, weshalb sie 2017 unter dem Strich erneut rote Zahlen auswies. Ähnlich erging es dem Autobauer General Motors General Motors Co Aktie, bei dem Abschreibungen von sogar 7,3 Milliarden US-Dollar ins Kontor schlugen. Wichtig ist jedoch, dass es eine einmalige Belastung ist, die in der Bilanz verbucht werden muss, aber keine Auswirkungen auf das Geschäft hat.

Ergebnisbelastungen durch Besteuerung von Auslandsvermögen

Ein weiteres Element der Steuerreform ist, dass US-Firmen Vermögen, das bei Tochtergesellschaften im Ausland liegt, nun versteuern müssen, wenn auch zu einem relativ niedrigen Satz. Bisher wurden Auslandsgewinne nur besteuert, wenn sie in die USA flossen, dann allerdings mit 35 Prozent. Das führte dazu, das US-Konzerne – vor allem aus der Technologiebranche – im Ausland insgesamt mehr als drei Billionen US-Dollar horteten. Nun fällt auf diese Gewinne eine Einmalsteuer von 15,5 oder acht Prozent an, je nachdem, wie liquide die Bestände sind.

Wegen dieser Änderung muss etwa der iPhone-Hersteller Apple Apple Inc. Aktie, der mit 252 Milliarden US-Dollar mehr Barvermögen im Ausland als jedes andere US-Unternehmen hat, 38 Milliarden US-Dollar Steuern zahlen. Bei Microsoft Microsoft Corporation Aktie fiel im vierten Quartal unter anderem deshalb eine einmalige Steuerbelastung von 13,8 Milliarden US-Dollar an, beim Netzwerkausrüster Cisco Cisco Systems, Inc. Aktie 11,1 Milliarden, beim Chipriesen Intel Intel Corporation Aktie 5,4 Milliarden, und bei Ebay eBay Inc. Aktie1,9 Milliarden US-Dollar.

Auch Banken blieben davon nicht verschont. Für die Citigroup Citigroup Inc Aktie bedeutete die neue Steuerregel eine Belastung von drei Milliarden US-Dollar. Bei Goldman Sachs Goldman Sachs Group Inc Aktie rühren rund zwei Drittel der Belastung durch die Steuerreform von 4,4 Milliarden US-Dollar da her.

Steuersenkung kommt Konzernen aus allen Branchen zugute

Während die Sondereffekte die Bilanzen der Unternehmen kurzfristig zum Teil erheblich belasten, wirkt der eigentliche Kern der Reform – die Senkung der Körperschaftssteuer – langfristig. "Es gibt keine Zweifel, dass die Steuerpolitik von Trump sehr positive Auswirkungen auf Wachstum und Fortschritt in den Vereinigten Staaten hat", sagt SAP-Chef SAP SE O.N. Aktie Bill McDermott.

Schon in den Bilanzen 2017 finden sich Sondererträge aus der Steuerreform, weil die Unternehmen weniger Geld für künftig anfallende Steuern einplanen müssen. Daimler DAIMLER AG NA O.N. Aktie etwa bezifferte den Steuerertrag für 2017 auf rund eine Milliarde Euro, BMW BAY.MOTOREN WERKE AG ST Aktie mit bis zu 1,55 Milliarden. Die US-Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, T-Mobile US T-Mobile US, Inc. Aktie, verbuchte eine Gutschrift von 2,2 Milliarden US-Dollar.

Die Profiteure der Steuerreform ziehen sich durch alle Branchen: Positive Effekte verbuchten der Online-Händler Amazon Amazon.com, Inc. Aktie, der Medienkonzern Time Warner TIME WARNER ORD SHS Aktie, der Mischkonzern Siemens SIEMENS AG  NA O.N. Aktie, der Pharmakonzern Pfizer Pfizer Inc Aktie oder der österreichische Stahlkonzern Voestalpine voestalpine Aktie mit seinen 47 US-Standorten. Doch der Jubel bei den europäischen Unternehmen ist nicht ungetrübt: "Wir profitieren natürlich auch, wie andere, von den niedrigen Steuern", sagte Infineon-Finanzchef Dominik Asam. Er freue sich aber nicht, weil die Reform "für die amerikanischen Wettbewerber noch viel besser ist als für uns."

Anreize für Investitionen in den USA steigen

Die auf Sicht niedrigen Steuern sind ein kräftiger Anreiz für Investitionen in den USA, für amerikanische wie für ausländische Unternehmen. Positiv wirkt hier auch die für mehrere Jahre geltende neue Regelung, dass Investitionsgüter sofort in vollem Umfang abgeschrieben werden können. Das erhöht die Liquidität der Unternehmen, das Geld kann wiederum investiert werden.

Einige Unternehmen haben schon konkrete Pläne: So kündigte Apple Apple Inc. Aktie an, in den nächsten fünf Jahren in seinem Heimatland rund 30 Milliarden US-Dollar zu investieren, unter anderem in einen neuen Standort. Pfizer Pfizer Inc Aktie will im selben Zeitraum fünf Milliarden US-Dollar in die Hand nehmen, um die heimische Produktion zu stärken. Der US-Gasehersteller Praxair PRAXAIR ORD SHS Aktie, der gerade den deutschen Rivalen Linde Linde AG LINDE ORD SHS Aktie übernimmt, bläst in das gleiche Horn.

Aber auch deutsche Konzerne wollen sich vermehrt in den USA engagieren, etwa Siemens SIEMENS AG  NA O.N. Aktie oder Volkswagen VOLKSWAGEN AG VZO O.N. Aktie. Software-AG-Finanzchef SOFTWARE AG  NA O.N. Aktie Arnd Zinnhard sagt: "Wir werden mit Sicherheit dort investieren, da die USA zum einen ein relevanter Markt und zum anderen durch die Steuergegebenheiten interessant sind." Ökonomen warnen schon vor einem Wettbewerb um Investitionen zwischen den Industrieländern.

Verwendete Quellen:
  • Reuters

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