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Spotify geht an die Börse – aber ohne Aktien auszugeben

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Börsengang des Streamingdienstes  

Spotify geht an die Börse – aber ohne Aktien auszugeben

01.03.2018, 17:25 Uhr | rtr, AFP, dpa, sm

Spotify geht an die Börse – aber ohne Aktien auszugeben. Musik-Apps auf dem Handy: Der schwedische Musikstreamingdienst Spotify geht an die Börse und wandelt dafür Anteile in Aktien um. (Quelle: dpa/Wachiwit)

Musik-Apps auf dem Handy: Der schwedische Musikstreamingdienst Spotify geht an die Börse und wandelt dafür Anteile in Aktien um. (Quelle: Wachiwit/dpa)

Der weltgrößte Musik-Streamingdienst Spotify wagt den Sprung an die Börse. Im Gegensatz zu vielen anderen Technologiekonzernen gehen die Schweden dabei den Weg der Direktplatzierung.

Frisches Geld nimmt Spotify mit diesem Schritt nicht ein. Stattdessen werden Anteile in Aktien umgewandelt. So sollen die Gründer und Investoren die Kontrolle behalten. Zudem sollen Kosten für die Beteiligung von Banken an der Emission vermieden werden.

Damit ist zunächst aber auch unklar, welchen Börsenwert der Konkurrent von Apple Music und den Angeboten von Google, Amazon und Pandora haben dürfte. Aus den bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Dokumenten geht hervor, dass Spotify den Wert des Unternehmens auf 23,4 Milliarden Dollar (19,2 Milliarden Euro) schätzt. Das Unternehmen erklärte, es würden Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Dollar in Umlauf gebracht. Diese Angabe sei aber nur ein Richtwert, um die regulatorischen Vorgaben zu erfüllen.

Spotify gibt Einblick in die Geschäftszahlen

Im Rahmen des am Mittwochabend eingereichten IPO-Antrags bei der SEC gab Spotify erstmals einen ausführlichen Einblick in seine Geschäftszahlen. Demnach weitete sich der Verlust im vergangenen Jahr vor allem wegen Kosten im Zusammenhang mit einer Milliardenanleihe um mehr als das Doppelte auf 1,235 Milliarden Euro aus, während der Umsatz um 39 Prozent auf 4,09 Milliarden Euro stieg. Auf dem Musik-Streamingmarkt ist das in 61 Ländern aktive Unternehmen unangefochtener Marktführer mit 71 Millionen Abonnenten.

Im Gegensatz zu Apple Apple Inc. Aktiebieten die Schweden auch einen werbe-unterstützten Stream an und kommen damit auf monatlich rund 159 Millionen aktive Nutzer. Im Börsenprospekt äußerte die Firma die Hoffnung, hier weitere "traditionelle" Radiohörer für sich gewinnen zu können. Apple kommt derzeit auf 36 Millionen Abonnenten und Amazon Music Unlimited auf 16 Millionen. Die Ambitionen von Spotify sind groß: "Wir glauben an die Universalität von Musik, die uns die Gelegenheit gibt, viele der mehr als 3,6 Milliarden Internetnutzer weltweit zu erreichen."

Bisher hat das vor zwölf Jahren gegründete Unternehmen noch nie schwarze Zahlen geschrieben.

Spotify will als SPOT an die Wall Street

Bei dem ungewöhnlichen Verfahren einer Direktplatzierung werden keine Konsortialführer benötigt, was dem Unternehmen hohe Gebühren erspart. Die Aktien werden dabei ohne das übliche Preisbildungsverfahren direkt an der Börse registriert. Spotify will seine Papiere an der New Yorker Börse unter dem Symbol "SPOT" notieren lassen.

Mit einem Emissionserlös von bis zu einer Milliarde Dollar, wäre der Spotify-IPO der größte Börsengang eines schwedischen Unternehmens seit der Telekomfirma Telia Telia Company AB Aktie vor 18 Jahren. Bei einer Direktplatzierung sind die bestehenden Eigner nicht an eine Haltefrist gebunden, die sie davon abhält, gleich zum Börsengang ihre Anteile zu verkaufen. Dies könnte nach Einschätzung von Beobachtern zu starken Kursschwankungen führen. Wann genau Spotify an die Börse geht, ist derzeit noch unklar.

Streaming-Branche verzeichnet steigende Umsätze aber auch harte Konkurrenz

Schätzungen der internationalen Musikorganisation IFPI zufolge zogen die Streaming-Umsätze 2016 um 60 Prozent an. Trotzdem weisen Experten auf die Unsicherheiten im Geschäftsmodell und die scharfe Konkurrenz hin. Spotify befinde sich im Wettbewerb mit Unternehmen wie Apple und Amazon Amazon.com, Inc. Aktie, die niemals auch nur einen Cent mit ihrem Musikgeschäft verdienen müssten, sagte Larry Miller von der Steinhardt School der New York University. Der Portfolio-Manager Dan Morgan von Synovus Trust stellte die Frage, wie schnell Spotify überhaupt profitabel werden könne.

Das Beispiel des deutschen Musik-Streamingdiensts Soundcloud zeigt, wie schwer es ist, auf dem umkämpften Markt zu bestehen. Der einstmals weltweit beliebtesten kostenlosen Musik-Streaming-App wäre im vergangenen Jahr fast das Geld ausgegangen, bevor das in Berlin ansässige Unternehmen im August doch noch frisches Kapital erhielt. 40 Prozent der Mitarbeiter wurden entlassen. Nun soll ein neues Management-Team die Firma wieder in die Erfolgsspur bringen.

Hintergrund: Spotify – unangefochtener Marktführer

Spotify ist unangefochtener Marktführer unter den Streamingdiensten. Gegründet im Jahr 2006, nahm er 2008 den Betrieb auf und zählt mittlerweile nach eigenen Angaben 159 Millionen monatliche Nutzer, davon 71 Millionen zahlende Abonnenten. Der Dienst ist in 61 Ländern verfügbar und hat laut Spotify-Mitgründer und -Firmenchef Daniel Ek selbst in entwickelten Märkten noch Wachstumschancen. So höre der Durchschnitts-US-Bürger 32 Stunden pro Woche Musik. Die USA sind der wichtigste Markt für Spotify, gefolgt von Brasilien und Großbritannien.

Gewinn erwirtschaftet Spotify aber noch nicht. Der Umsatz stieg 2017 im Vergleich zum Vorjahr zwar um 38 Prozent auf 4,09 Milliarden Euro. Unterm Strich stand jedoch ein Minus von 1,24 Milliarden Euro.


Verwendete Quellen:
  • Reuters
  • AFP
  • dpa
  • weitere Quellen
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