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VW-Chef Diess: "Volkswagen muss anständiger werden"


Neuer Chef zeigt klare Kante  

"Volkswagen muss anständiger werden"

03.05.2018, 12:22 Uhr | Thomas Strünkelnberg, Anne-Sophie Galli/dpa, dpa

VW-Chef Diess: "Volkswagen muss anständiger werden". Volkswagen-Chef Herbert Diess: Auf der Hauptversammlung in Berlin erläutert er erstmals den Aktionären seine Strategie. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)

Volkswagen-Chef Herbert Diess: Auf der Hauptversammlung in Berlin erläutert er erstmals den Aktionären seine Strategie. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Das Geld sprudelt, der Absatz bricht Rekorde – aber beim vielzitierten Kulturwandel hapert es bislang. Hat sich wirklich etwas geändert für die VW-Beschäftigten? Zumindest nicht genug, sagt der neue VW-Chef.

VW will seinen viel beschworenen Kulturwandel nach einem holprigen Start entschlossener umsetzen. Dauerhafter wirtschaftlicher Erfolg sei nur mit einer gesunden Unternehmenskultur möglich, sagt der neue Konzernchef Herbert Diess auf der Hauptversammlung in Berlin. "Volkswagen muss in diesem Sinne noch ehrlicher, offener, wahrhaftiger, in einem Wort: anständiger werden."

Die Wolfsburger Großbaustellen

Zudem erklärt der Manager, für nicht zum Kerngeschäft zählende Unternehmensteile wie den Motorradbauer Ducati oder den Getriebehersteller Renk würden "belastbare Zukunftsperspektiven" erarbeitet. Volkswagen gehe die großen automobilen Zukunftsthemen konsequent an, sagt Diess mit Blick auf E-Mobilität und Vernetzung. "Aber der größte Teil der Wegstrecke liegt noch vor uns."

Der Vorstand habe mit "Together4Integrity" ein Programm zum Kulturwandel auf den Weg gebracht. Das interne Hinweisgeber-System soll demnach ausgebaut, Fehlverhalten kompromisslos geahndet werden.

US-Kritik an der Aufarbeitung von Dieselgate

Zuvor hatte der von den US-Behörden nach dem Abgasskandal eingesetzte Aufpasser Larry Thompson in einem Bericht an das US-Justizministerium die interne Aufarbeitung der Affäre kritisiert. Thompson soll nach dem Abgasbetrug und Schuldeingeständnis des Konzerns in den USA sicherstellen, dass sich solches Verhalten nicht wiederholt.

Der schon von Ex-Konzernchef Matthias Müller ausgerufene Kulturwandel für mehr Kritikfähigkeit und ethisches Verhalten ließ bislang viele Fragen offen. Mitte April verlautete aus dem Aufsichtsrat, die entsprechenden Ziele müssten mutig und offen angegangen werden.

Aufstellen fürs Mannschaftsfoto: der VW-Vorstand bei der Hauptversammlung. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)Aufstellen fürs Mannschaftsfoto: der VW-Vorstand bei der Hauptversammlung. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Zu viele Werteverstöße bei VW

Nötig seien belastbare Strukturen und Prozesse – "vor allem aber müssen wir auch danach handeln", verlangt Diess. "Mir ist es ein Anliegen, dass Volkswagen offen und transparent ist."

Dazu gehöre es auch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen: Den Weg zu einer offeneren Unternehmenskultur, in der Widerspruch belohnt statt erstickt werde, habe man unterschätzt. Werteverstöße gebe es in jeder größeren Organisation. Bei Volkswagen allerdings sei dies bis in die jüngere Vergangenheit hinein "eindeutig zu viel" geschehen. Diess fordert überdies "eine Portion Demut" ein.

So wird der Konzern umgebaut

Zugleich konkretisiert der neue Vorstandschef, was er sich unter der neuen Konzernstruktur vorstellt – dabei schließt er auch Ausgliederungen von Nicht-Kerngeschäften nicht aus, also etwa einen Verkauf oder Börsengang. Dies sei etwa bei Ducati oder Renk denkbar. Konkrete Pläne gibt es aber offenbar nicht. Jedoch hatten Arbeitnehmervertreter einen Verkauf von Renk, an dem die VW-Tochter MAN 76 Prozent der Anteile hält, strikt abgelehnt. Die Sparte der schweren Nutzfahrzeuge – Volkswagen Truck & Bus – solle weitgehend unabhängig von der Steuerung durch den Konzern aufgestellt und "in absehbarer Zeit" fit für die Börse werden.

Diess erklärt, Volkswagen müsse bei Entscheidungen und deren Umsetzung schneller werden. Die Wege seien zu lang, zudem gebe es an vielen Stellen Doppelarbeit. Das solle mit der neuen Konzernstruktur anders werden. Die neuen Markengruppen heißen "Volumen" (VW, Skoda, Seat, leichte Nutzfahrzeuge, Mobilitätsdienstleister Moia), "Premium" (Audi, Porsche Holding Salzburg, Ducati) und "Super Premium" (Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini).

VW setzt im laufenden Jahr auf Dutzende weitere Modelle. 2018 werde der Konzern mehr als 70 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen, sagt Diess. Gleichzeitig warnte er, der neue Prüfzyklus zur Bestimmung von Verbrauch sowie Schadstoff- und CO2-Emissionen (WLTP) könne zu Lieferengpässen führen.

Milliarden für die Elektro-Offensive

Diess will zudem den Schwenk in die Elektromobilität, selbstfahrende Autos und neue Mobilitätsdienste vorantreiben. Für das bereits angekündigte Beschaffungsvolumen von 50 Milliarden Euro für Batterietechnologie und -Zellen habe Volkswagen inzwischen Lieferanten für ein Volumen von 40 Milliarden Euro engagiert. In diesem Zusammenhang fordert Diess erneut auch eine Batteriezellenfertigung in Europa: Das enorme Beschaffungsvolumen mache deutlich, "dass wir im Industrieverbund mit vereinten Kräften über den Aufbau einer Fertigung von Batteriezellen in Europa nochmals verstärkt diskutieren müssen."

Verwendete Quellen:
  • dpa
  • Reuters

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