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Deutsche Bank will Tausende Stellen abbauen – von 97.000 auf unter 90.000

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Kreditinstitut in der Krise  

Deutsche Bank will Tausende Stellen abbauen

24.05.2018, 10:13 Uhr | dpa, rtr, df

Deutsche Bank will Tausende Stellen abbauen – von 97.000 auf unter 90.000. Ein Gebäude der Deutschen Bank in Frankfurt: Die Großbank will zahlreiche Stellen abbauen. (Quelle: dpa/Archivbild/Boris Roessler)

Ein Gebäude der Deutschen Bank in Frankfurt: Die Großbank will zahlreiche Stellen abbauen. (Quelle: Archivbild/Boris Roessler/dpa)

Die Deutsche Bank plant den Abbau Tausender Stellen. Die Zahl von derzeit mehr als 97.000 soll auf deutlich unter 90.000 sinken. Das kündigte das Institut kurz vor dem Beginn der Hauptversammlung in Frankfurt an.

Die Deutsche Bank setzt unter ihrem neuen Chef Christian Sewing den Rotstift an. Wie das größte heimische Geldhaus vor Beginn der Hauptversammlung in Frankfurt mitteilte, soll die Zahl der Vollzeitstellen des Konzerns global von derzeit rund 97.000 in wenigen Monaten auf "deutlich unter 90.000" sinken.

Alleine im Handel mit Aktien, wo zuletzt die Erträge eingebrochen waren und die Bank der Konkurrenz hinterher lief, soll rund ein Viertel der Jobs wegfallen. Der Großteil des Abbaus, der bereits begonnen hat, werde bereits 2018 über die Bühne gehen. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter in den USA und Großbritannien.

Stellenabbau beim Investmentbanking

Ein Insider hatte gesagt, die Bank wolle rund 10.000 Stellen streichen. Sewing, der erst Anfang April 2018 das Ruder übernommen hatte, schreckt vor einem radikalen Umbau der Bank offenbar nicht zurück: Insgesamt will er das Geschäft mit Firmen und das klassische Investmentbanking massiv zusammenstreichen, unter anderem Dienstleistungen für Hedgefonds.

Unter dem Strich soll das Bilanzvolumen der Firmen- und Investmentbank um "mehr als 100 Milliarden Euro sinken". Das entspricht rund einem Zehntel des Bilanzvolumens der Sparte von rund einer Billion Euro zum Ende des ersten Quartals.

"Wir sind Europas Alternative"

"Wir stehen zu unserer Unternehmens- und Investmentbank und bleiben international – daran werden wir nicht rütteln", sagt Sewing. "Wir sind Europas Alternative im internationalen Finanzierungs- und Kapitalmarktgeschäft. Aber wir müssen uns auf das konzentrieren, was wir wirklich gut können."

Der 48-Jährige hatte bereits vor einem Monat erklärt, er wolle angesichts wegbrechender Erträge und des Verlusts von Marktanteilen gegenüber den Konkurrenten an der Wall Street bei der Investmentbank keinen Stein auf dem anderen lassen.

Auch auf der Kostenseite will der neue Mann in den Doppeltürmen in Frankfurt keine Kompromisse machen und konzernweit die Ausgaben schneller und entschiedener senken als seine Vorgänger. Wie bereits angekündigt, sollen die bereinigten Kosten 2018 23 Milliarden Euro nicht überschreiten. Für 2019 plant der Vorstand einen weiteren Rückgang auf 22 Milliarden Euro. "Dabei sind derzeit keine größeren Verkäufe von Geschäftsteilen geplant."

Durch die Stellenstreichungen, die bis zu 800 Millionen Euro kosten dürften, werde das Jahresergebnis 2018 "beeinträchtigt", heißt es weiter. Sewing bekräftigte zugleich das Ziel, in einem normalisierten Geschäftsumfeld eine Rendite von rund zehn Prozent nach Steuern auf das materielle Eigenkapital zu erzielen. "Angestrebt wird, dieses Ziel ab 2021 zu erreichen." Die Kapitalverzinsung solle in den kommenden Jahren gesteigert werden.

Hauptversammlung in Frankfurt

Unter dem Eindruck der Stellenstreichungen sollte am Donnerstag in der Frankfurter Festhalle die Hauptversammlung des Finanzkonzerns über die Bühne gehen. Es wird – wieder einmal – ein Scherbengericht der Aktionäre erwartet.

Besonders stark steht Aufsichtsratschef Paul Achleitner unter Druck, dem viele eine Mitschuld an der Krise der Bank geben. Das Institut hat die letzten drei Jahre Verluste geschrieben und im ersten Quartal einen Gewinneinbruch um 80 Prozent hinnehmen müssen – vor allem wegen der Schwäche der Investmentbank.

In einer Hauruck-Aktion tauschte Achleitner dann Anfang April den Vorstandschef aus, nachdem immer mehr Großinvestoren die Geduld mit dem als zu zögerlich empfundenen Sanierungsexperten John Cryan verloren hatten.

Die Deutsche Bank hatte in den zurückliegenden gut 30 Jahren teilweise mit Erfolg versucht, im globalen Kräftemessen der großen Investmenthäuser eine wichtige Rolle einzunehmen. Nach der Finanzkrise verlor sie aber den Anschluss an die großen US-Institute – nicht zuletzt, weil sie für Rechtsverstöße unter anderem ihrer Investmentbanker viele Milliarden an Strafen zahlen musste.

Sewing will sich nun stärker auf das Geschäft in Deutschland und Europa konzentrieren und die Vermögensverwaltung und das Privat- und Firmenkundengeschäft stärken. Allerdings fallen auch dort Jobs weg – durch die Verschmelzung der Postbank mit dem Filialgeschäft der Deutschen Bank werden 6.000 Stellen, verteilt über die nächsten vier Jahre, wegfallen. Sie sind in dem jetzt angekündigten Kahlschlag im Investmentbanking nicht enthalten. 

Verwendete Quellen:
  • dpa, Reuters

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