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Ende des Börsen-Wirrwarrs: Der wilde Ritt des DAX in 30 Jahren


Ende des Börsen-Wirrwarrs  

Der wilde Ritt des DAX in 30 Jahren

Von Sabrina Manthey

01.07.2018, 12:15 Uhr
Ende des Börsen-Wirrwarrs: Der wilde Ritt des DAX in 30 Jahren. Happy Birthday DAX: 30 Jahre und kein bisschen leise. Der deutsche Leitindex DAX feiert Geburtstag und wir blicken zurück auf die wilden Zeiten. (Quelle: dpa/Frank Rumpenhorst)

Happy Birthday DAX: 30 Jahre und kein bisschen leise. Der deutsche Leitindex DAX feiert Geburtstag und wir blicken zurück auf die wilden Zeiten. (Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa)

Rauf, runter, rauf und zurück auf Los. Die Achterbahnfahrt, die der DAX in 30 Jahren mitgemacht hat, ist nichts für schwache Nerven. Wer einen langen Atem hat, wurde jedoch belohnt. Ein Rückblick auf die wilden Zeiten.

Eigentlich soll die Kursentwicklung nur in eine Richtung laufen, doch die weiße Kurve auf schwarzem Grund hat auch manchmal Schluckauf. Am 1. Juli 1988 mit 1.163,52 Punkten gestartet, hat der deutsche Leitindex DAX zeitweise mehr als 12.000 Punkte zugelegt. Und trotz manch heftiger Rückschläge hat er sich zu einem der bedeutendsten Börsenbarometer der Welt gemausert.

Der Anfang – Schluss mit dem Wirrwarr

Vor dem 1. Juli 1988 herrschte ein ziemliches Durcheinander bei den deutschen Börsenindizes. Es gab einen Index der "Börsen-Zeitung", einen der Commerzbank und einen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Von einer Vergleichbarkeit mit den weltweiten Börsenindizes konnte keine Rede sein. Mit der Geburt des DAX sollte der Sprung in die internationale Börsenliga gelingen.

Grundlagen für DAX-Neulinge: Der Deutsche Aktienindex (DAX) umfasst die 30 wichtigsten deutschen Aktien und repräsentiert heute rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen. Ist vom DAX die Rede, spricht man in der Regel vom Performanceindex, in den die Dividenden der DAX-Unternehmen einfließen – im Gegensatz zum reinen Kursindex. Zur DAX-Familie zählen zudem der MDAX für Nebenwerte sowie der SDAX für Kleinwerte, denen je 50 Firmen angehören sowie der TecDAX mit 30 Technologieaktien.

DAX-Zusammensetzung: die Auf- und die Abstiege

Der Aufstieg in die erste Börsenliga ist in der Regel ein Grund zur Freude. Warum? Mit der Aufnahme in den DAX gewinnen die Unternehmen an Attraktivität für internationale Investoren wie Versicherungen, Pensionsfonds oder Investmentfonds. Sie kaufen die Aktien, treiben den Kurs und steigern mit der Nachfrage den Marktwert der DAX-Unternehmen.

Mittlerweile stehen die DAX-Unternehmen vor allem bei Investoren aus dem Ausland hoch im Kurs. Ende 2007 waren erstmals die 30 größten deutschen börsennotierten Unternehmen mit 53 Prozent mehrheitlich im Besitz ausländischer Investoren.

Index-Überprüfung: Die Zusammensetzung des DAX wird einmal jährlich im September vom Arbeitskreis Aktienindizes überprüft. Diesem gehören die Deutsche Börse und Banken aus dem In- und Ausland an. Der Arbeitskreis tagt aber vier Mal im Jahr: im März, Juni, September und Dezember. Dabei überprüft er vor allem die Zusammensetzung der übrigen Indizes.

Über die Zeit gab es den einen Aufstieg und den anderen Abstieg im Index. Immerhin konnte sich mit 15 Konzernen die Hälfte im DAX behaupten – darunter der Versicherer Allianz, BASF, Bayer, Deutsche Bank und Commerzbank sowie die Autobauer BMW, Daimler und Volkswagen. Dagegen verschwanden Namen wie Nixdorf, Deutsche Babcock, Kaufhof, Karstadt, Mannesmann oder Degussa in den 30 Jahren DAX zum Teil ganz von den Kurszetteln. Einem Unternehmen gelang es sogar zwei Mal, die erste Börsenliga zu verlassen, nur um sich wieder hochzukämpfen: der Autozulieferer Continental.

Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main: In seiner 30-jährigen Geschichte ging es im DAX auch recht turbulent zu. (Quelle: dpa/Boris Roessler)Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main: In seiner 30-jährigen Geschichte ging es im DAX auch recht turbulent zu. (Quelle: Boris Roessler/dpa)

Es geht rund und zurück auf Los: Rückschläge für den DAX

Auch wenn der DAX langfristig ordentlich zulegte, ging es für ihn und einige Unternehmen zwischenzeitlich heiß her. Es begann mit einem kleinen Fehlstart: Knapp zwei Monate nachdem der DAX das Börsenparkett betrat, rutschte der Kurs mit 1.152 Punkten auf den tiefsten Schlussstand seiner Geschichte. Über 12.000 Punkte legte der DAX seitdem zu. Die Marke von 13.000 Punkten knackte er erstmals am 12. Oktober 2017. Also, alles gut? Nicht so schnell.

In der Zwischenzeit mussten sich die Anleger auch mal ordentlich anschnallen: Das schwärzeste Jahr erlebten sie 2002 mit einem Kurseinbruch von 44 Prozent. Vorausgegangen waren die Anschläge vom 11. September 2001 und das Platzen der New-Economy-Blase im März 2002, bei der sich viele Kleinanleger die Finger verbrannten und viel Geld verloren. Ein weiterer Einschnitt war ein Jahr später der Einmarsch US-amerikanischer Truppen in den Irak. Sowohl Klein- als auch Großanleger waren mürbe und schickten den DAX auf Talfahrt. Der Index fiel im März 2003 unter 2.200 Punkte und damit auf das Kursniveau vom November 1995. Die Gewinne von gut sieben Jahren waren verpufft.

Katerstimmung am Neuen Markt: Der Neue Markt wurde als Segment der Deutschen Börse für Unternehmen der New Economy eingerichtet. Mit dem Start am 10. März 1997 herrschte eine nie dagewesene Euphorie an der Börse. Ein Boom an Börsengängen folgte, 132 Firmen trauten sich 1999 aufs Börsenparkett. Kurze Zeit später die Ernüchterung: Prognosen wurden verfehlt, Verluste liefen aus dem Ruder, Skandale ließen den Jubel verstummen. Das Ende war weniger rühmlich. Im März 2003 schloss die Deutsche Börse das Segment für junge, wachstumsorientierte Unternehmen.

Das Stottern geht weiter: Nichts für schwache Nerven der Privatanleger

Totgesagte leben bekanntlich länger und der DAX rappelte sich wieder auf. Seine beste Bilanz verbuchte der deutsche Leitindex in den Jahren 1993 und 1997. Damals ging es jeweils um knapp 50 Prozent aufwärts. Nur, um auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2008 nochmals satte 40 Prozent abzugeben. Nichts für schwache Nerven.

Schwarzer Montag: Am 16. Oktober 1989 verbuchte der DAX mit einem Einbruch um 12,81 Prozent den größten Tagesabsturz seiner Geschichte. Einen Überblick über die größten Krisen und Abstürze im DAX finden Sie hier.

T-Aktie: Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ron Sommer, zeigt auf die Anzeigentafel mit dem Erstausgabepreis von 28,50 DM für die Telekom-Aktie. (Quelle: dpa/Stephanie Pilick)T-Aktie: Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Ron Sommer, zeigt auf die Anzeigentafel mit dem Erstausgabepreis von 28,50 DM für die Telekom-Aktie. (Quelle: Stephanie Pilick/dpa)

Der größte Börsengang der DAX-Geschichte: die T-Aktie

Der Börsengang der Deutschen Telekom war einer der Meilensteine in den 30 Jahren DAX. Der Schauspieler Manfred Krug hatte die Werbetrommel gerührt und der damalige Telekomchef Ron Sommer erklärte die T-Aktie als so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente. Der Start war durchaus furios. Die Nachfrage nach den Telekom-Papieren überstieg das Angebot um das Fünffache. Mehr als 710 Millionen Aktien spülten zum Börsenstart am 18. November 1996 umgerechnet rund zehn Milliarden Euro in die Kassen des ehemaligen Staatskonzerns. Zwei weitere Börsengänge des Unternehmens – am 28. Juni 1999 und 19. Juni 2000 mit insgesamt knapp 24 Milliarden Euro folgten.

Die Euphorie kannte keine Grenzen und trieb den Kurs der T-Aktie von anfänglich 28,50 DM (14,57  Euro) auf 103,50 Euro im März 2002. Im Schlepptau der DAX. Dieser hatte sich in den drei Jahren fast verdreifacht. Nur zwei Jahre später die Ernüchterung: Riskante Unternehmensentscheidungen, gewagte Zukäufe, hohe Schulden und die Krise am Neuen Markt setzten der T-Aktie zu. In rasanter Talfahrt ging es mit dem Rücktritt Ron Sommers am 30. September 2002 auf 8,42 Euro weit unter den Ausgabepreis runter.

Der Absturz der als "Volksaktie" angepriesenen Telekom-Papiere und das Platzen der New-Economy-Blase haben viele Anleger in Deutschland nachhaltig verschreckt. Heute sind nur rund elf Prozent der Aktien in den Händen von Privatanlegern. Der Großteil der DAX-Papiere wird von professionellen Anlegern gehalten.

Traderszene an der Börse: Am 28. Oktober 2008 katapultierte die Nachfrage von Leerverkäufern die VW-Aktie in ungeahnte Höhen. (Quelle: dpa/Brian Kersey, Symbolbild)Traderszene an der Börse: Am 28. Oktober 2008 katapultierte die Nachfrage von Leerverkäufern die VW-Aktie in ungeahnte Höhen. (Quelle: Brian Kersey, Symbolbild/dpa)

Spekulanten werden in die Enge getrieben: VW-Short-Squeeze

Wissen Sie eigentlich, was ein Short-Squeeze ist? Nein? In dieser Enge befanden sich Ende Oktober 2008 Anleger, die auf einen fallenden Kurs der VW-Stammaktie gesetzt haben. Leider machte ihnen eine Meldung von Porsche einen Strich durch die Rechnung. Der kleinere Autobauer hatte sich in den Kopf gesetzt, den Volkswagenkonzern zu übernehmen. Nun kam Unruhe in den Markt.

Porsche hielt rechnerisch etwa 74 Prozent der VW-Stammaktien, das Land Niedersachsen 20 Prozent. Damit waren nur knapp sechs Prozent der VW-Papiere im freien Handel verfügbar. Auf diese stürzten sich nun nicht nur jene, die auf einen Kursanstieg setzten, sondern auch die Spekulanten, die auf fallende VW-Kurse gewettet hatten. Erstere wollten, letztere mussten kaufen. Da jedoch nicht ausreichend Papiere am Markt waren, schraubte sich der Kurs bis zum 28. Oktober 2008 auf über 1.000 Euro in die Höhe. Es kam zu einem Short-Squeeze, dem panikartigen Rückkauf von leer verkauften Beständen.

Leerverkäufe – Gewinne mit fallenden Kursen: An der Börse kann man nicht nur mit steigenden, sondern auch mit fallenden Kursen Gewinn machen. Von Leerverkäufen spricht man, wenn Investoren Aktien an andere verkaufen, die sie gar nicht besitzen. Um ihrer Lieferpflicht nachzukommen, müssen sie die Papiere an der Börse kaufen. Liegt der Kurs unter dem ursprünglichen Verkaufskurs, streichen sie einen Gewinn ein. Steigt der Kurs hingegen, können sich mitunter massive Verluste auftürmen. Das war bei der VW-Aktie der Fall. Mit welchen Strategien Spekulanten von fallenden Kursen profitieren, lesen Sie hier.

Bulle & Bär auf dem Frankfurter Börsenplatz: Der Bulle steht für einen steigende Kursentwicklung an der Börse, der Bär für den Abschwung. (Quelle: Getty Images/3quarks)Bulle & Bär auf dem Frankfurter Börsenplatz: Der Bulle steht für einen steigende Kursentwicklung an der Börse, der Bär für den Abschwung. (Quelle: 3quarks/Getty Images)

Damit Sie beim nächsten Börsenplausch mitreden können

Bulle und Bär: Der Bulle und der Bär repräsentieren das Auf und Ab an der Börse. Während der Bulle für die Optimisten steht, repräsentiert der Bär die Pessimisten. Geht es an Börse aufwärts, spricht man auch von einem Bullenmarkt oder einer Hausse und geht es nach unten, ist die Rede von einem Bärenmarkt beziehungsweise der Baisse.

Dead-Cat-Bounce: Damit wird im Börsenjargon eine kurze starke Erholung eines Börsenkurses nach einer längeren Abwärtsbewegung bezeichnet, die sich danach unmittelbar fortsetzt. Das heißt: Es geht schlagartig hoch und kurz danach wieder runter. Umgangssprachlich sagt man: Auch eine tote Katze hüpft noch einmal, wenn sie von weit oben genug fallen gelassen wird.

Double Dip: Damit wird ein doppeltes nach unten Durchbrechen einer Unterstützungslinie beschrieben. Zwei konjunkturelle Schwächephasen werden von einer kurzen Erholungsphase unterbrochen, die aber nicht von Dauer ist.

Apropos Börse: Das Wort Börse kommt angeblich von der Kaufmannsfamilie "van der B(e)urse", die im 16. Jahrhundert in Brügge lebte und deren Wappen drei Geldbörsen (lateinisch "bursa") zierten. In ihrem Haus unterhielten sie Handelsbeziehungen mit Kaufleuten aus vielen Ländern. Diese trugen die Bezeichnung "borse" als Form der geschäftlichen Verhandelns in ihre Heimat.


Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherchen
  • Deutsche Börse
  • Reuters
  • dpa
  • weitere Quellen
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