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Fusion von Karstadt und Kaufhof rückt immer näher


Eckpunkte geklärt  

Fusion von Karstadt und Kaufhof rückt näher

05.07.2018, 15:16 Uhr | rtr

Fusion von Karstadt und Kaufhof rückt immer näher. Karstadt und Kaufhof: Seit Jahren wird eine Fusion beider Ketten diskutiert. (Quelle: dpa/Birgit Reichert)

Karstadt und Kaufhof: Seit Jahren wird eine Fusion beider Ketten diskutiert. (Quelle: Birgit Reichert/dpa)

Karstadt und Kaufhof sind seit Jahrzehnten Konkurrenten. Das soll sich nun ändern. Beide Warenhausketten sollen nach dem Willen ihrer Eigner fusionieren.

Die "Warenhaus AG" soll in Deutschland unter dem Druck der florierenden Online-Händler bald Realität werden: Die Eckpunkte einer Fusion der kriselnden Warenhauskette Kaufhof mit dem langjährigen Erzrivalen Karstadt stehen Insidern zufolge fest. Karstadt, Karstadt Sport und Kaufhof sollen in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammengefasst werden, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht gefallen, hieß es am Donnerstag - sie sei aber bald zu erwarten.

Die Gespräche seien schon so weit vorangeschritten, dass Experten Einblick in die vertraulichen Wirtschaftsdaten der jeweils anderen Seite nehmen könnten. Einen Kahlschlag bei den Filialen der beiden Ketten, deren Warenhäuser vielfach in unmittelbarer Nähe zueinander liegen, solle es wohl nicht geben. Vermutlich würden weniger als 15 Filialen von zusammen rund 180 Häusern in Deutschland geschlossen, sagte einer der Insider, ein anderer sprach von bis zu maximal fünf Standorten. Es sei mit einem baldigen Abschluss der Fusion zu rechnen.

Die Arbeitnehmer forderten die Eigner der beiden Ketten auf, endlich für Klarheit zu sorgen. "Die Beschäftigten sind durch die Meldungen in der Presse verunsichert und machen sich Sorgen", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger: "Wir fordern deshalb die Eigentümer auf, umfassend zum Sachstand zu informieren."

Stellenabbau in unbekannter Höhe erwartet

Der Kaufhof-Eigner Hudson's Bay (HBC) und der österreichische Karstadt-Eigentümer Rene Benko haben sich den Insidern zufolge nach langem Ringen auf Eckpunkte für eine Fusion verständigt. Benkos Firma Signa solle der rund 200 Seiten starken Übereinkunft zufolge wie erwartet etwas mehr als die Hälfte der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft mit ihrem Handelsexperten, dem Karstadt-Chef Stephan Fanderl, managen. Kaufhof-Eigner HBC würden bei dem Deal voraussichtlich knapp eine Milliarde Euro für Benkos Anteil am operativen Geschäft und den Immobilien zufließen, hieß es weiter.

Welche Auswirkungen der Zusammenschluss für die Mitarbeiter der beiden Ketten hat, ist bislang nicht abzusehen. Dass Arbeitsplätze wegfallen, sei aber zu erwarten, sagte ein Insider. Denn beide Ketten verfügen noch über eigene Zentralen und Abteilungen für Einkauf sowie Logistik. Die Gewerkschaft Verdi betonte, oberste Priorität hätten für sie die Sicherung von Standorten und Stellen sowie die Tarifbindung.

Probleme bei Kaufhof spitzen sich zu

Die Idee einer deutschen Warenhaus AG ist nicht neu: Der österreichische Immobilienunternehmer Benko, dem Signa gehört, hat schon mehrfach vergeblich versucht, Kaufhof zu übernehmen. HBC hatte seine Offerten in der Vergangenheit abgeschmettert - zuletzt im vergangenen Februar. Die damals von Benko gebotenen rund drei Milliarden Euro lägen deutlich unter dem Wert von Kaufhof und der damit verbundenen Immobilien-Werte, hatte HBC erklärt.

Nun hat sich die Lage aber geändert - Kaufhof leidet unter laufenden Verlusten und auch HBC steht in seinem nordamerikanischen Heimatmarkt unter Druck. Gespräche über einen dringend benötigten Sanierungstarifvertrag bei Kaufhof liegen zudem auf Eis. Verdi-Verhandlungsleiter Franke will sie erst fortsetzen, wenn Klarheit über die Zukunft der Kette herrscht. Damit laufen Kaufhof die Kosten weiter davon, Karstadt-Eigner Benko spielt dies in die Karten.

Kaufhof-Eigner unter Druck

HBC hatte Kaufhof im Oktober 2015 übernommen. Doch die Kette mit ihren aktuell 96 Warenhäusern und rund 18.000 Beschäftigten in Deutschland kommt seitdem nicht in Schwung. Viele Kunden kehren Innenstädten und Warenhäusern den Rücken und bestellen ihre Einkäufe lieber bei Online-Händlern von Amazon bis Zalando. Aber auch zahlreiche Management-Wechsel verunsicherten nach der Übernahme die Kaufhof-Belegschaft.

Um die Akquisition zu finanzieren, hatte HBC damals 41 Warenhaus-Immobilien in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Investor Simon Property eingebracht. An den Immobilien hatte Benko auch immer wieder Interesse gezeigt - nun soll er an ihnen beteiligt werden. HBC steht zudem unter Druck von Investoren. Der aktivistische Investor Jonathan Litt etwa hatte mehrfach einen Verkauf des Europa-Geschäfts gefordert: Er will dann Kasse machen.

Benko hat Karstadt saniert

Benko hatte Karstadt nach der Übernahme 2014 mit Hilfe des Handelsexperten Stephan Fanderl saniert. Fanderl setzte zunächst den Rotstift an, lichtete den Markendschungel im Sortiment und verordnete Karstadt eine verstärkte lokale Ausrichtung der Warenhäuser. Zudem holte er Partner in die knapp 80 Warenhäuser und kurbelte das Online-Geschäft an. Darüber hinaus hat die Kette einen Sanierungstarifvertrag mit Abstrichen für die Belegschaft mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen - sie hat also Kostenvorteile gegenüber der größeren Konkurrenz.

Im vergangenen Geschäftsjahr erreichte Karstadt bei einem leichten Umsatzrückgang einen Jahresüberschuss von 1,4 Millionen (Vorjahr: Minus 7,5 Millionen) Euro, im laufenden Jahr soll es ein "ausgeglichenes" Ergebnis werden.

Verwendete Quellen:
  • Reuters

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