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Streik bei Ryanair-Piloten: Rund 42.000 deutsche Passagiere betroffen


Mitten in der Urlaubszeit  

Streik bei Ryanair: Rund 42.000 deutsche Passagiere betroffen

10.08.2018, 09:25 Uhr | rtr, dpa, df, pdi, aj

Streik bei Ryanair-Piloten: Rund 42.000 deutsche Passagiere betroffen. Frankfurt am Main: Eine Maschine der irischen Fluggesellschaft Ryanair rollt am Flughafen-Terminal vorbei. (Quelle: dpa/Archivbild: Andreas Arnold)

Frankfurt/Main: Eine Maschine der irischen Fluggesellschaft Ryanair rollt am Flughafen-Terminal vorbei. (Quelle: Archivbild: Andreas Arnold/dpa)

Bei Ryanair stehen an diesem Freitag viele Maschinen still. Rund 55.000 Passagiere sollen europaweit vom Streik betroffen sein. Wie groß werden die Einschränkungen in Deutschland?

Tausende Kunden des irischen Billigfliegers Ryanair werden an diesem Freitag nicht an ihr gewünschtes Ziel kommen. Mitten in der Urlaubszeit haben die Piloten in mehreren europäischen Ländern ihre Streikaktionen abgestimmt. Das Unternehmen hat daraufhin von 2400 geplanten Flügen rund 400 gestrichen. Schwerpunkt ist Deutschland, wo wegen des auf 24 Stunden beschränkten Streiks der Vereinigung Cockpit (VC) 250 Flüge abgesagt wurden

Vor allem am frühen Morgen wird dem Plan zufolge kaum ein Ryanair-Flieger von einem deutschen Flughafen abheben. Im Laufe des Tages sollen dann einige Flüge erfolgen mit Maschinen, die aus anderen, nicht bestreikten Ländern landen und auch wieder starten.

Streiks in Deutschland, Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden

Europaweit sind rund 55.000 Passagiere betroffen, davon gut 42.000 in Deutschland. Sie konnten umbuchen oder sich ihre Tickets erstatten lassen. Weitere Entschädigungen lehnt Ryanair ab. 

Der Ausstand in Deutschland soll am Freitag um 03.01 Uhr beginnen und am Samstag um 02.59 Uhr enden. Die Piloten streiken für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter. Weitere Streiks in der Urlaubszeit hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber mit einer Frist von 24 Stunden vorher ankündigen.

"Wir brauchen Tarifverträge, wir brauchen Mitbestimmung"

Ryanair habe offenbar mit massiven Ausfällen gerechnet und daher lieber gleich das gesamte Programm der deutschen Crews abgesagt, hatte ein Sprecher der Gewerkschaft "Vereinigung Cockpit" zuvor in Frankfurt erklärt. Das sei für das Unternehmen offenbar einfacher zu behandeln. Am Samstag soll der Betrieb wieder wie gewohnt laufen, hat Ryanair angekündigt.

Das Ziel der Gewerkschaft sind Tarifverträge: "Wir brauchen Tarifverträge, wir brauchen Mitbestimmung", meint Ingolf Schumacher, Vorsitzender Tarifpolitik der Vereinigung Cockpit, auf einer Pressekonferenz. Das Unternehmen wollte sich im Laufe des Mittwochs äußern. 


Die deutsche Gewerkschaft schließt sich den bereits für diesen Freitag angekündigten Streiks ihrer Kollegen in Irland, Schweden und Belgien an. Dies wäre dann zusammen der größte Pilotenstreik in der Geschichte von Ryanair. Die Gesellschaft hat bislang 146 von 2.400 am Freitag geplanten Europa-Flügen abgesagt.

Bei den Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ein Warnstreik der VC in Deutschland war im vergangenen Dezember ohne Flugausfälle geblieben, weil Ryanair ausreichend Ersatzpiloten mobilisieren konnte.

VC-Chef Martin Locher warf der Fluggesellschaft vor, eine Lösung am Verhandlungstisch zu blockieren und für die Eskalation allein die Verantwortung zu tragen. "Ryanair hat in den Verhandlungen jedwede Personalkostenerhöhung kategorisch ausgeschlossen. Gleichzeitig hat Ryanair zu keinem Zeitpunkt erkennen lassen, an welchen Stellen Spielräume zur Lösungsfindung bestehen", erklärte der Gewerkschafter.

Vor zwei Wochen hatten streikende Flugbegleiter in Spanien, Portugal und Belgien Ryanair gezwungen, innerhalb von zwei Tagen rund 600 Flüge mit zusammen etwa 100.000 betroffenen Passagieren abzusagen.

Beide Berufsgruppen wollen bessere Gehälter und Arbeitsbedingungen bei der irischen Airline durchsetzen, die sich jahrzehntelang gegen Gewerkschaften und tarifliche Vereinbarungen gewehrt hatte. Dazu müssen jeweils nationale Tarifverträge abgeschlossen werden, die Gewerkschaften koordinieren sich aber europaweit untereinander.

Verwendete Quellen:
  • dpa, Reuters

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