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Enthüllungen belasten VW-Chef Herbert Diess


Abgasmanipulationen bei VW  

Enthüllungen belasten Konzernchef Herbert Diess

25.08.2018, 11:45 Uhr | rtr

Enthüllungen belasten VW-Chef Herbert Diess. Herbert Diess: Der VW-Chef soll von den Abgasmanipulationen vor deren öffentlicher Bekanntgabe gewusst haben. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)

Herbert Diess: Der VW-Chef soll von den Abgasmanipulationen vor deren öffentlicher Bekanntgabe gewusst haben. (Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa)

Hat VW-Chef Herbert Diess im Zusammenhang mit dem Abgasskandal gelogen? Neue Enthüllungen deuten darauf hin und belasten auch Ex-Konzernchef Winterkorn zusätzlich.

Der amtierende VW-Chef Herbert Diess soll nach NDR-Recherchen persönlich über den Dieselbetrug informiert und vor weitreichenden Folgen gewarnt worden sein - und zwar vor der Veröffentlichung durch die US-Behörden.

Nach am Freitag veröffentlichten Recherchen des NDR behauptet der ehemalige Leiter für Produktsicherheit, Bernd Gottweis, in seiner Aussage vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig, er habe am 13. September 2015 ein einseitiges Memorandum ("One-Pager") verfasst, in dem er warnt, VW habe jede Glaubwürdigkeit bei den US-Behörden verloren, eine Klageschrift stehe kurz bevor. Diese Mitteilung habe er am Sonntag, den 13. September, geschrieben und sie am Morgen des 14. September Diess selbst übergeben. Er sei extra um 6.00 Uhr morgens zum Flughafen gefahren, um den "One-Pager" persönlich zu überreichen. In dem Memorandum heiße es weiter, VW müsse eine offensive Kommunikation gegenüber den Behörden und Aktionären entwickeln.

Brisant ist die Mitteilung an Diess, weil die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen ihn wegen des Verdachts der Marktmanipulation ermittelt. Dabei geht es um die Frage, ob VW seine Aktionäre früher über die drohenden Strafzahlungen in den USA hätte informieren müssen. Dabei zählt jeder Tag, es geht um Milliarden. Diess hatte bislang immer behauptet, er sei von der Enthüllung der Abgasmanipulationen durch die US-Behörden am 18. September 2015 und den damit drohenden Milliardenzahlungen völlig überrascht worden. Diess war damals VW-Markenvorstand.

Winterkorn: "Wen soll ich rausschmeißen?"

Gottweis, der im Diesel-Betrugsverfahren selbst Beschuldigter ist, behauptet dem Bericht zufolge weiter, er habe den "One-Pager" auch dem Assistenten des damaligen VW-Chefs Martin Winterkorn übergeben. Eine weitere Kopie habe er dem VW-Chef-Justiziar überreicht mit der Bitte, das Schreiben Hans Dieter Pötsch zu geben. Pötsch war damals Finanzvorstand des VW-Konzerns und ist heute Aufsichtsratsvorsitzender von VW.

Gegen Winterkorn und Pötsch ermittelt die Staatsanwaltschaft ebenfalls wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Winterkorn habe sich noch am selben Tag telefonisch bei Gottweis gemeldet und ihm mitgeteilt, er habe das Schreiben verstanden. Dann soll er gefragt haben: "Wen soll ich rausschmeißen?"

Auch "Spiegel"-Bericht belastet Diess

Ein VW-Sprecher teilte mit, VW habe erst vor kurzem Einsicht in die Ermittlungsakten bekommen. Es gebe in diesem Zusammenhang bislang keine neuen Erkenntnisse. Generell verbiete es sich, einzelne Zeugenaussagen "isoliert aus der Akte herauszugreifen und zu kommentieren". Diess, Pötsch sowie Winterkorn wollten sich nach Angaben des Unternehmens vor dem Hintergrund laufender Verfahren nicht zu den Vorwürfen äußern. Bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig war am Freitagabend zunächst niemand mehr für eine Stellungnahme zu erreichen.

Der "Spiegel" hatte in der vergangenen Woche berichtet, dass Diess bereits vor Bekanntwerden des Abgas-Skandals über Manipulationen bei Diesel-Motoren informiert gewesen sei. Bereits am 27. Juli 2015 sei die illegale Software zur Abgassteuerung Thema einer internen Sitzung gewesen. Teilgenommen an diesem Treffen hätten neben Motorenentwicklern und Qualitätsmanagern auch Diess und Winterkorn.

Der Dieselskandal war im September 2015 in den USA aufgeflogen. VW gab daraufhin zu, Abgaswerte mit einer illegalen Abschalteinrichtung manipuliert zu haben. Volkswagen bekannte sich in den USA schuldig und akzeptierte eine milliardenschwere Wiedergutmachung an Kunden und Behörden sowie eine Strafzahlung. Einschließlich weiterer Rückstellungen kostet der Skandal die Wolfsburger in den USA bisher umgerechnet mehr als 25 Milliarden Euro.

Verwendete Quellen:
  • Reuters

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