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Zehn Jahre Finanzkrise - Von Lehman über Euro-Rettung bis heute

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Chronik  

Zehn Jahre Finanzkrise – Von Lehman über Euro-Rettung bis heute

15.09.2018, 08:49 Uhr | rtr

Zehn Jahre Finanzkrise - Von Lehman über Euro-Rettung bis heute. Börsenhändler an der New York Stock Exchange: Mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers brachen die Börsen auf der ganzen Welt massiv ein. (Quelle: AP/dpa/Richard Drew)

Börsenhändler an der New York Stock Exchange: Mit der Pleite der US-Bank Lehman Brothers brachen die Börsen auf der ganzen Welt massiv ein. (Quelle: Richard Drew/AP/dpa)

Am 15. September 2018 jährt sich zum zehnten Mal ein Ereignis, das 2008 ein Beben in der Finanzwirtschaft auslöste. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers sandte Schockwellen rund um den Globus. 

Die Folge war ein weltweiter Konjunktureinbruch nahezu beispiellosen Ausmaßes. Staatsfinanzen zahlreicher Länder gerieten in Turbulenzen, der Euro und die europäische Währungsunion erlebten in der Folge in eine tiefgreifende Vertrauenskrise.

 


Eine Chronik der Ereignisse

15. September 2008
Die US-Investmentbank Lehman Brothers muss Insolvenzantrag stellen. Es kommt zu heftigen Turbulenzen an den Börsen, das Misstrauen steigt und breitet sich rasant über den Globus aus. Der Welthandel bricht ein, und in vielen Ländern stürzt die Wirtschaft in eine tiefe Rezession.

17. September 2008
Die US-Regierung muss den weltgrößten Versicherer AIG mit Staatshilfen über 85 Milliarden Dollar vor der Pleite bewahren.

Regierungs-Statement zur Finanzkrise: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) verkündeten am 5. Oktober 2008 eine gewaltige Garantie: Die Spareinlagen der Bürger sind sicher. (Quelle: dpa/Rainer Jensen)Regierungs-Statement zur Finanzkrise: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) verkündeten am 5. Oktober 2008 eine gewaltige Garantie: Die Spareinlagen der Bürger sind sicher. (Quelle: Rainer Jensen/dpa)

5. Oktober 2008
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück garantieren vor laufenden Kameras die Sicherheit der Einlagen der deutschen Sparer bei den heimischen Kreditinstituten. Vorausgegangen war ein starker Anstieg der Abhebungen von 500-Euro-Scheinen in Deutschland – ein deutliches Zeichen des Vertrauensverlustes in das Finanzsystem.

8. Oktober 2008
Die wichtigsten Notenbanken der Welt, darunter die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve, senken in einer konzertierten Aktion ihre Leitzinsen – ein historischer und noch nie dagewesener Schritt.

14./15. November 2008
Als Reaktion auf die rasch um sich greifende Finanzkrise trifft sich erstmals die G20-Gruppe aus Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Washington. Verabschiedet wird ein umfangreiches Aufgabenpaket, mit dem man einen Absturz der Weltwirtschaft verhindern und das globale Finanzsystem stabilisieren will. Die G20 gilt fortan als das zentrale Koordinationsforum der weltweiten Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Blick auf den Frankfurter Finanzdistrikt: Die Commerzbank musste im Zuge der Finanzkrise mit staatlichen Mitteln vor dem Kollaps gerettet werden. (Quelle: Getty Images/Juergen Sack)Blick auf den Frankfurter Finanzdistrikt: Die Commerzbank musste im Zuge der Finanzkrise mit staatlichen Mitteln vor dem Kollaps gerettet werden. (Quelle: Juergen Sack/Getty Images)

8. Januar 2009
Die Commerzbank rettet sich schwer angeschlagen in die Hände des Staates, der 25 Prozent plus eine Aktie an der damals zweitgrößten deutschen Bank übernimmt. Der Bund ist bis heute an der Commerzbank beteiligt.

10. Mai 2010
Als wegen der Schuldenkrise in Griechenland und anderen Euro-Ländern die Refinanzierungskosten für Frankreich kräftig steigen, ist die Krise endgültig im Zentrum der Währungsunion angekommen. Um die Lage zu stabilisieren, beginnt die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen einzelner Länder – ein vor allem in Deutschland als verbotene Staatsfinanzierung durch die Notenbank heftig kritisierter Schritt.

8. August 2011
Die EZB startet den Aufkauf von Staatsanleihen Italiens und Spaniens. Beide Länder waren an den Finanzmärkten ins Visier von Spekulanten geraten.

9. September 2011
Der deutsche EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark tritt aus Protest gegen die Geldpolitik der Notenbank zurück – der Euro stürzt darauf am Devisenmarkt ab.

EZB-Präsident Mario Draghi: "Whatever it takes" – mit diesen Worten erklärte der Chef der Europäischen Zentralbank alles zu tun, was für die Rettung der Euro erforderlich sei. (Quelle: imago/Hannelore Förster)EZB-Präsident Mario Draghi: "Whatever it takes" – mit diesen Worten erklärte der Chef der Europäischen Zentralbank alles zu tun, was für die Rettung der Euro erforderlich sei. (Quelle: Hannelore Förster/imago)

26. Juli 2012
Nach einer kurzen Beruhigungsphase nehmen die Turbulenzen an den Märkten im Frühsommer 2012 wieder zu. Der neue EZB-Präsident Mario Draghi erklärt in London in einer mittlerweile berühmt gewordenen Rede, die Zentralbank werde "alles tun, was nötig ist, um den Euro zu retten". Dieses Versprechen gilt bis heute vielen Experten als Wendepunkt der Krise. Seitdem haben die Schwankungen an den Finanzmärkten deutlich abgenommen und viele Länder können sich wieder günstiger verschulden.

6. September 2012
Der EZB-Rat beschließt gegen den Widerstand der Bundesbank neue umfangreiche Staatsanleihekäufe, mit denen die Zukunft des Euro in der Schuldenkrise abgesichert werden sollen. Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht und dem Europäischen Gerichtshof gehen das sogenannte OMT-Programm bleiben erfolglos. Tatsächlich bleibt der Praxistest aus: OMT wurde von der EZB bis heute nicht eingesetzt, und sie hat keine Staatsanleihe über dieses Programm erworben.

5. Juni 2014
Die EZB beschließt Strafzinsen für Banken, die bei ihr Geld parken, statt es als Kredit an Unternehmen und Haushalte weiterzugeben. Der Strafzins gilt bis heute – die Kreditvergabe der Institute hat zugenommen.

Skyline von Frankfurt am Main: Mächtig wacht die Europäische Zentralbank über das Frankfurter Bankenviertel. (Quelle: Getty Images/AM-C)Skyline von Frankfurt am Main: Mächtig wacht die Europäische Zentralbank über das Frankfurter Bankenviertel. (Quelle: AM-C/Getty Images)

4. November 2014
Die EZB übernimmt die direkte Aufsicht über die damals 125 größten Banken in der Euro-Zone von den nationalen Behörden. Diese bleiben für die Kontrolle der kleineren Banken in ihren Ländern verantwortlich. Vorher hatte die EZB die großen Banken in einem beispiellosen Test erstmals auf Herz und Nieren geprüft, um Altlasten in den Bilanzen aufzuspüren und Probleme aufzudecken.

1. Januar 2015
Mit dem neuen Jahr nimmt eine neue EU-Behörde für die Sanierung und geordnete Abwicklung von maroden Banken ihre Arbeit auf: der Single Resolution Mechanism (einheitlicher Abwicklungsmechanismus).

22. Januar 2015
Um die schwache Teuerung und damit indirekt die maue Konjunktur in der Währungsunion anzuheizen, beschließt die EZB den Aufkauf von Staatsanleihen für monatlich 60 Milliarden Euro. Das Programm wurde danach noch mehrmals verändert.

20. Juli 2015
Nach drei Wochen Schließung öffnen die griechischen Banken wieder. Zuvor war es wegen der drohenden Pleite des überschuldeten Landes zu massenhaften Abhebungen an den Geldautomaten und Kapitalverkehrskontrollen gekommen.

Fed-Chefin Janet Yellen: Die US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin war von 2014 bis 2018 Präsidentin der US-Notenbank Federal Reserve. (Quelle: imago/Kevin Dietsch)Fed-Chefin Janet Yellen: Die US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin war von 2014 bis 2018 Präsidentin der US-Notenbank Federal Reserve. (Quelle: Kevin Dietsch/imago)

16. Dezember 2015
Die US-Notenbank Fed wagt nach Jahren der Minizinsen die Wende und erhöht erstmals wieder ihre Leitzinsen. Sie hebt ihren Schlüsselsatz um 0,25 Prozentpunkte auf die Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent an. Seitdem fährt sie einen Kurs der behutsamen Zinserhöhungen. Aktuell liegt der Schlüsselsatz in der Spanne von 1,75 bis 2,00 Prozent.

29. Juni 2017
Die größten Banken der USA bestehen erstmals seit der Krise alle einen Stresstest der Zentralbank – damit scheint die Krise nach zehn Jahren wenigstens in den USA überstanden zu sein.

14. Juni 2018
Die EZB stellt das Ende ihrer jahrelangen Krisenpolitik in Aussicht. Sie kündigt an, ihre Anleihenkäufe bis Ende 2018 einzustellen, sollte die Wirtschaft weiter mitspielen. Dann werden sie ein Gesamtvolumen von 2,6 Billionen Euro erreicht haben. Zudem erklärt sie, dass ihre Zinsen noch bis mindestens "über den Sommer" 2019 nicht angetastet werden. Der Leitsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

28. Juni
Die Deutsche Bank ist noch nicht über den Berg. Beim zweiten Teil des US-Stresstests der großen Geldhäuser fällt sie als einziges Institut durch. Die erste Runde der Belastungsprobe hatte die Bank noch bestanden.

20. August 2018
Das dritte Rettungspaket für Griechenland läuft aus. Künftig will sich die Regierung in Athen wieder auf eigenen Beinen stehen und sich selbstständig Geld am Finanzmarkt leihen. Insgesamt hat der schuldengeplagte Ägäis-Staat laut dem Euro-Rettungsschirm ESM 288,7 Milliarden Euro an Krediten erhalten.

 

Verwendete Quellen:
  • Reuters

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