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Zehn Jahre nach Lehman-Pleite: Steht die nächste Krise vor der Tür?

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Lehman-Pleite vor zehn Jahren  

Steht die nächste Krise bereits vor der Tür?

Von Sabrina Manthey

15.09.2018, 21:09 Uhr
Zehn Jahre Finanzkrise und Pleite von Lehmann-Brothers: Rückblick - Was im Herbst 2008 geschah (Screenshot: Reuters)
Rückblick: Was im Herbst 2008 geschah

Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 löste ein Beben in der Finanzwelt aus. Ein Überblick über die dramatischen Wochen nach dem Zusammenbruch.

Rückblick: Wie die US-Bank Lehman-Brothers im Herbst 2008 ein Beben in der Finanzwelt auslöste. (Quelle: Reuters)


Weltuntergangsstimmung an der Wall Street  an den Börsen brechen die Kurse ein. Der Auslöser: die Pleite von Lehman Brothers, einer der größten Investmentbanken der Welt. Die Krise hatte sich angekündigt. Sie wurde unterschätzt. Sind wir heute gewappnet?

Am 15. September 2008 – vor zehn Jahren – erschütterte der Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers die Finanzmärkte: Die Welt stand am Rande des Zusammenbruchs. Mit Hunderten Milliarden an Notfallkrediten aus Steuermitteln und drastischen Zinssenkungen versuchten Politik und Notenbanken, weitere Geldhäuser zu retten und den Absturz der Konjunktur zu bremsen.

Rund 800 Milliarden Euro: Soviel Geld haben die sechs größten EU-Staaten und die USA in den Monaten nach dem Lehman-Crash im September 2008 aufgewendet, um die Finanzbranche zu stützen. Nach Berechnungen der Finanzbranche entfielen auf die USA 471,5 Milliarden Euro, gefolgt von Großbritannien (129,2 Mrd.), den Niederlanden (80,4 Mrd.), Deutschland (74,3 Mrd.), Frankreich (30,0 Mrd.), Spanien (19,0 Mrd.) und Italien (10 Mrd.).

50.000 deutsche Privatanleger mit wertlosen Zertifikaten

Die Pleite von Lehman löste eine schwere globale Krise aus. Die traf nicht nur Großinvestoren weltweit, sondern auch rund 50.000 deutsche Privatanleger. Sie verloren schätzungsweise bis zu eine Milliarde Euro. Viele von ihnen hatten Zertifikate der niederländischen Lehman-Tochtergesellschaft gekauft. Diese Papiere galten als sicher und ertragsstark – bis zur Pleite von Lehman Brothers. Von einem "Emittentenrisiko" hatten die meisten Anleger noch nie etwas gehört.

Emittentenrisiko: Weil Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen sind, können sie bei Zahlungsunfähigkeit des Emittenten komplett ausfallen. Man spricht hier vom so genannten Emittentenrisiko. Im Pleitefall des Emittenten können Anleger ihr Anlagevermögen komplett verlieren.


68 Milliarden Euro oder 3.000 Euro pro Familie für Pleitebanken

Vor allem die Steuerzahler mussten für die Rettung der Banken aufkommen. Jüngst bezifferte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) die Kosten, die bislang aus dem Bundeshaushalt in die Bankenrettung flossen, mit 30 Milliarden Euro. Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick hat andere Zahlen zur Hand. Nach seinen Berechnungen summieren sich die Kosten für die Bankenrettung auf mindestens 68 Milliarden Euro.

Darin nicht erfasst sind die indirekten Kosten: "Entlassungen und Konjunkturpakete, Eurokrise und Streit in Europa, Nullzinsen und Probleme bei der Altersvorsorge, steigende Miete – die Bilanz ist verheerend", so Schick. Damit habe eine vierköpfige Familie im Schnitt "über 3.000 Euro für die Pleitebanken bezahlt."

Wer sind die Nutznießer der Bankenrettung? Hauptsächlich die Geldgeber der Finanzinstitute. Und die Verlierer? Die Steuerzahler, die die Lasten zu schultern hätten. Und das Ende der Fahnenstange, so Schick, sei damit noch lange nicht erreicht.

Lehman – wie konnte es soweit kommen? Lehman war mit vielen Töchtern und Zweckgesellschaften typisch für das Dickicht der Finanzmärkte, in dem faule Immobilienkredite zu toxischen Wertpapieren verpackt und – mit dubiosen Gütesiegeln großer Ratingagenturen versehen – weltweit bei Investoren platziert wurden. Als die Preise am US-Häusermarkt zu sinken begannen und die Hypotheken der heillos überschuldeten Eigenheimbesitzer wertlos wurden, sorgten diese internationalen Verflechtungen für einen Flächenbrand.

Der lange Atem der Finanzkrise

Auch heute noch befinden sich die Notenbanken weltweit im Krisenmodus – selbst wenn die US-Notenbank langsam die Zinsen wieder erhöht. In Europa hält die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins seit langer Zeit bei Null. Auch aus dem milliardenschweren Ankaufprogramm für Wertpapiere haben sich die EZB-Notenbanker noch nicht verabschiedet. Das Resultat bekommen die Menschen zu spüren – und zwar täglich: Sparen und Vorsorgen lohnt aufgrund der Niedrigzinsen kaum. 

Für Sparer heißt es weiter kaum Zinsen auf Sparbuch, Tages- oder Festgeld. Zudem frisst die inzwischen höhere Inflation, langsam aber stetig das Ersparte auf. Laut Bundesbank war die Gesamtrendite, die ein durchschnittlicher deutscher Haushalt abzüglich der Teuerung erzielte, Anfang 2018 mit minus ein Prozent erstmals seit sechs Jahren negativ.

Zehn Jahre Lehman-Pleite: Kann sich die Bankenkrise wiederholen? (Quelle: Reuters)

Finanzsektor kaum krisenfester aufgestellt

Der Preis war und ist hoch, die Bilanz ist verheerend. Ein Jahrzehnt nach der Lehman-Pleite wirkt die Finanzkrise weiter nach. Ist man heute besser gewappnet? Hier sind Zweifel angebracht. In den USA ist die Trump-Regierung dabei, die Regulierungen der Obama-Ära zu lockern, die infolge der Finanzkrise beschlossen wurden.

Und in Deutschland? Hier wurden seit 2008 rund 50 Gesetze vom Finanzmarktstabilisierungs- bis zum Hochfrequenzhandelsgesetz auf den Weg gebracht. Viele der Regelungen betreffen die Aufklärungspflichten von Bank- und Finanzberatern gegenüber den Kunden. Entstanden sei jedoch ein regulatorischer Flickenteppich, kritisiert die Deutsche Kreditwirtschaft. Dieser sei mit unterschiedlichen Informationsblättern etwa für Aktien, Fonds oder Anleihen mittlerweile so unübersichtlich und für Anleger und Kreditinstitute kaum noch zu überblicken.

Das viel größere Problem der geringen Rücklagen und niedrigen Eigenkapitalquoten der Banken ist jedoch noch lange nicht aus der Welt geschafft. Ohne einen größeren eigenen Finanzpuffer sind die Banken für kommende Krisen genauso wenig gerüstet, wie vor Lehman. In der Folge müsste erneut das Geld der Steuerzahler für staatliche Rettungsmaßnahmen herhalten.

Zinswende kann Staaten in Bedrängnis bringen

Zudem sind die globalen Risiken nicht weniger geworden. Sie haben sich nur verlagert, warnen Experten. In vielen Ländern (und Unternehmen) haben sich hohe Schuldenberge aufgetürmt. Dank der lockeren Geldpolitik der Notenbanken konnten Volkswirtschaften in Europa (sowie der Welt) billige Kredite aufnehmen. Sollten nun die Zinsen wieder anziehen, kann das schnell ganze Staaten ins Wanken bringen. Die billigen Kredite beginnen teuer zu werden.

Das könnte in der Eurozone unter anderem Italien, Spanien und Griechenland auf die Füße fallen, bei denen das Verhältnis der Staatsschulden relativ zum Bruttoinlandsprodukt heute deutlich höher ist als im Jahr 2009 vor dem Ausbruch der Staatsschuldenkrise, betont Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Kramer.


Das Geld sucht sich seinen Weg

Und das Geld? Es sucht sich neue Wege – mit Vorliebe in den unregulierten Schattenbereich der Finanzmärkte. Laut Finanzstabilitätsrat (FSB) verwalten sogenannte Schattenbanken mit 45 Billionen US-Dollar bereits rund 13 Prozent der weltweiten Vermögenswerte. Neue Spekulationsblasen bauen sich derweil an den Immobilienmärkten, aber auch bei den Kryptowährungen auf.

Schattenbanken: Darunter werden Akteure an den Finanzmärkten gefasst, die bankähnliche Funktionen wahrnehmen, aber keine Banken sind und somit nicht der Regulierung für Kreditinstitute unterliegen.

Ein weiteres Problem: der automatisierte Handel. Nicht nur Hedge-Fonds auch Banken mischen beim Hochfrequenzhandel mit. Ein Handel, bei dem in Millisekunden mit Milliarden jongliert wird. Und das mit Finanzinstrumenten, die auf mathematischen und statistischen Modellen basieren. Auch hier haben Ethik und Moral keinen Platz. Kommt es zu einer Panik an den Märkten, könnten die High-Speed-Geschäfte außer Kontrolle geraten und Kursentwicklungen heftig beschleunigen.

EZB-Chef Draghi sieht Banken gut aufgestellt

Wir wissen nicht, wann die nächste Finanzkrise kommt. Wir wissen nicht, was der Auslöser sein wird. Dass sie kommt, ist sicher – warnen Kritiker. Sind die Märkte heute schlauer? Das mag bezweifelt werden. So lässt die eigene Niedrigzinspolitik den EZB-Notenbankern kaum einen zinspolitischen Handlungsspielraum. Zusätzliche Gefahren gehen von der hohen Staatsverschuldung vieler Länder sowie den geringen Eigenkapitalanforderungen der Banken aus. Und, dass Banken nicht zu groß sind, um fallen gelassen zu werden, hat die Pleite von Lehman Brothers gezeigt.

Lehmann-Pleite: Die Bank hinterließ einen Schuldenberg von weit über 600 Milliarden Dollar und 25.000 schockierte Angestellte. Es war die größte Pleite der US-Geschichte. An der Wall Street gab der Aktienindex Dow Jones um 500 Punkte nach – der größte Kurssturz seit den Terroranschlägen von 2001.

Doch EZB-Chef Mario Draghi sieht die Banken Europas – dank strengerer Regeln und engerer Überwachung – gut aufgestellt: "Alles in allem sind Banken heute stabiler." Bestrebungen wie in den USA, die seit der Finanzkrise verschärften Regeln für Banken wieder aufzuweichen, sieht Draghi für die Europäische Union nicht.

Ex-EZB-Chef Trichet warnt vor steigender Staatsverschuldung

Anders der frühere EZB-Chef Jean-Claude Trichet: Er schätzt die Lage an den Finanzmärkten genau so gefährlich ein wie zu Beginn der Krise. Zwar habe sich das Wachstum der Verschuldung der Privathaushalte verlangsamt. Doch das werde wettgemacht durch die Verschuldung der Schwellenländer. "Das macht das weltweite Finanzsystem insgesamt mindestens so verwundbar wie 2008, wenn nicht mehr."

Vor zehn Jahren sendete die Lehman-Pleite Schockwellen rund um den Globus. Banken sanierten sich mit Steuergeldern, viele Menschen verloren viel Geld, die Altersvorsorge vieler Bürger schmilzt dahin – an den Folgen haben viele Menschen noch zu knabbern. Dabei könnte die nächste Krise schon vor der Tür stehen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • dpa
  • Reuters
  • AFP
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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