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Deutschland: Fast zwei Millionen Backwaren landen jährlich in der Mülltonne


"Schizophrene" Situation  

Studie prangert Überproduktion von Bäckereien an

05.10.2018, 19:48 Uhr | AFP

Deutschland: Fast zwei Millionen Backwaren landen jährlich in der Mülltonne. Brote in einer Bäckerei: Auch angesichts der Ernteverluste nach langer Trockenheit in diesem Jahr warnt die Umweltstiftung WWF vor Lebensmittelverschwendung. (Quelle: dpa/Friso Gentsch)

Brote in einer Bäckerei: Auch angesichts der Ernteverluste nach langer Trockenheit in diesem Jahr warnt die Umweltstiftung WWF vor Lebensmittelverschwendung. (Quelle: Friso Gentsch/dpa)

Die Umweltorganisation WWF wirft Backwarenfirmen eine enorme Überproduktion vor. In manchen Geschäften bleibt jede fünfte Backware liegen. Das zeigt eine neue Studie zu Verschwendung von Brot- und Backwaren.

Laut eines neuen WWF-Berichts gehen im Jahr geschätzt 1,7 Millionen Tonnen Brot und Backwaren verloren. Dafür seien nicht nur die Verbraucher verantwortlich – mittlere bis große Backwarenunternehmen hätten Verluste von bis zu 19 Prozent der produzierten Menge.

Unterschied: Kleine und große Unternehmen

Nicht verkaufte Backwaren gehen in die sogenannte Retoure. Sie werden dann entweder gespendet, zu Tierfutter oder Biogas verarbeitet oder aber zu Brot- oder Semmelmehl. Manche Bäckereien verkaufen das Altbrot zu verbilligten Preisen, ein kleiner Teil landet auch im Abfall.

Der WWF-Studie zufolge gibt es in kleinen Handwerksbetrieben weitaus weniger Retouren als in größeren Unternehmen. Positive Spitzenreiter liegen demnach bei gerade einmal einem Prozent. Dagegen retournieren mittlere bis große Backunternehmen durchschnittlich zwischen zwölf und 15 Prozent ihrer Ware.

"Schizophrene" Situation

Das bedeute, dass die Ernte von knapp 400.000 Hektar Ackerland verschwendet werde, einer Fläche, die größer als Mallorca ist. Zudem würden unnötige 2,46 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen, heißt es weiter.

Jörg-Andreas Krüger, Abteilungsleiter Ökologischer Fußabdruck beim WWF Deutschland, spricht von einer "schizophrenen" Situation: "Um Ernteerträge zu maximieren, wird der Anbau intensiviert." Pestizide und die im Getreideanbau übliche Stickstoffdüngung belasten zum Schluss der Wachstumsperiode die Umwelt. "Zugleich schmeißen wir säckeweise die aus dem Getreide produzierten Lebensmittel weg", kritisiert Krüger. Auch angesichts der diesjährigen Trockenheit und den Ernteverlusten sei diese Verschwendung problematisch.

Problem: Mikroplastik in Tierfutter

Walnuss-Haselnuss-Brot: Brot landet auch im Tierfutter und Torte wird zu Biogas. (Quelle: dpa/Uwe Anspach)Walnuss-Haselnuss-Brot: Brot landet auch im Tierfutter und Torte wird zu Biogas. (Quelle: Uwe Anspach/dpa)

Die Umweltorganisation hob hervor, dass es wie in anderen Bereichen der Lebensmittelverschwendung auch bei Brot-und Backwaren an belastbaren Daten fehle. "Pikanterweise sind es wohl die Finanzämter, die als einzige Behörde dank der Gewinn- und Verlustangaben exakt sagen könnten, wieviel Backwaren produziert und weggeschmissen werden", erklärt Krüger. Er forderte eine transparentere und bessere Datengrundlage sowie verbindliche Reduktionsziele.

Lebensmittelüberschüsse wie Backwaren-Retouren können als Verluste steuerlich geltend gemacht werden. Politik und Fiskus müssten auch ein finanzielles Interesse daran haben, diese bis 2030 zu halbieren, erklärte der WWF. Der Verband forderte hierzu eine nationale Strategie mit klar definierten, verbindlichen Zielvorgaben. Aber auch Verbraucher und Wirtschaft müssten umdenken.

Problematisch ist der Studie zufolge zudem die Verarbeitung von mindestens 400.000 Tonnen überschüssigen Backwaren pro Jahr zu Tierfutter. Laut WWF wird das Brot mitsamt den Verpackungen maschinell zerkleinert, um es danach von diesen Rückständen zu befreien. Es sei davon auszugehen, dass Plastikteilchen – insbesondere Mikroplastik – dabei nicht zuverlässig entfernt werden. Diese Praxis sei "äußerst fragwürdig", da Plastik so in die menschliche Nahrungskette gelangen könne.

Verwendete Quellen:
  • AFP

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