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Europäische Zentralbank steigt aus Anleihenkäufen aus


Zum Jahresende  

Europäische Zentralbank steigt aus Anleihenkäufen aus

14.12.2018, 06:29 Uhr | dpa, rtr

Europäische Zentralbank steigt aus Anleihenkäufen aus. Europäische Zentralbank: Das Geldinstitut hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. (Quelle: imago/Reiner Zensen)

Europäische Zentralbank: Das Geldinstitut hat seinen Sitz in Frankfurt am Main. (Quelle: Reiner Zensen/imago)

Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert zurück in die geldpolitische Normalität. Das Ende neuer Anleihenkäufe ist nun auch formal beschlossen. Sparer müssen aber noch eine ganze Weile auf steigende Zinsen warten.

Europas Währungshüter machen endgültig Schluss mit zusätzlichen Anleihenkäufen: Nur noch bis zum Ende dieses Jahres steckt die Europäische Zentralbank frische Milliarden in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Das beschloss der EZB-Rat in Frankfurt.

EZB belässt Leitzins auf 0,0 Prozent

Eine abrupte Kehrtwende nach Jahren im Anti-Krisen-Modus ist dennoch nicht zu erwarten: Den Leitzins im Euroraum hält die EZB auf dem Rekordtief von null Prozent, Geschäftsbanken bekommen somit Zentralbankgeld weiterhin zum Nulltarif. Sparer leiden unter der Zinsflaute.

Die Wende hin zu höheren Zinsen wollen die Währungshüter frühestens im Herbst 2019 einläuten. Die EZB bekräftigt, dass die Zinsen bis "mindestens über den Sommer 2019" auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Möglicherweise erfolgt eine Zinserhöhung also erst unter dem Nachfolger von EZB-Präsident Mario Draghi – eventuell sogar erst 2020. Die achtjährige Amtszeit des Italieners läuft Ende Oktober 2019 aus.

Steigende Zinsen zunächst nicht zu erwarten

Volkswirte rechnen damit, dass die EZB in einem ersten Schritt zunächst die Strafzinsen für Kreditinstitute verringern wird. Derzeit sind für geparktes Geld bei der EZB 0,4 Prozent Strafzinsen fällig.

Sparer müssen sich noch gedulden, ehe es wieder höhere Zinsen gibt. Weil zugleich die Inflation tendenziell wieder anzieht, verlieren Sparer auf mickrig verzinsten Tages- oder Festgeldkonten bares Geld. Andererseits profitieren beispielsweise Hausbauer von vergleichsweise günstigen Kreditkonditionen.

EZB will Konjunktur der Euroländer antreiben

Am Anleihenmarkt wird die EZB noch lange ein großer Spieler bleiben, denn Gelder aus auslaufenden Papieren will die Notenbank wieder investieren – und zwar über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung hinaus. Das Kaufvolumen seit Beginn des Programms im März 2015 bis zum Jahresende beläuft sich auf insgesamt rund 2,6 Billionen Euro.

Ziel ist, auf diesem Weg der Konjunktur in den 19 Euroländern auf die Sprünge zu helfen und zugleich die zwischenzeitlich bedenklich niedrige Teuerung anzuheizen. Mittelfristig strebt die EZB Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben – das könnte die Konjunktur bremsen. Im Euroraum lagen die Verbraucherpreise im November um 2,0 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Grundsätzlich könnten die Währungshüter im Krisenfall erneut wieder Anleihen erwerben. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) sind die umstrittenen Käufe erlaubt.

Expertenstimmen zum geplanten Ende der EZB-Anleihenkäufe

Ökonomen und Wirtschaftsvertreter reagierten prompt auf die Verkündung. Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis sagte: "Die EZB hat sich trotz aller Unsicherheiten rund um den Brexit, die italienische Finanzpolitik, die Proteste in Frankreich und die Aktienmarktturbulenzen nicht von dieser Weichenstellung abbringen lassen. Das begrüßen wir. Zwar sind die Aussichten für Preise und Wachstum im Euro-Raum gemessen an den neuen Prognosen der EZB ein wenig verhaltener. Doch sind sie nicht so schlecht, dass sie der heutigen ersten vorsichtigen Normalisierung der weiterhin sehr expansiven Geldpolitik im Wege gestanden hätten."

Friedrich Heinemann vom ZEW-Institut und Bankenpräsident Hans-Walter Peters bezeichneten den Beschluss zum Ende der Anleihekäufe als "überfällig". Leider bremse die EZB damit ihren geldpolitischen Krisenmodus nur, stoppe ihn aber nicht, so der Bankenpräsident.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

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