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Finanzaffäre: Inhaftierter Renault-Chef Carlos Ghosn zurückgetreten


Finanzaffäre  

Renault-Chef Carlos Ghosn tritt zurück

24.01.2019, 20:52 Uhr | AFP, dpa

Finanzaffäre: Inhaftierter Renault-Chef Carlos Ghosn zurückgetreten. Carlos Ghosn: Der Ex-Nissan-Chef ist nun auch als Chef des Autobauers Renault zurückgetreten. (Quelle: Reuters/Regis Duvignau)

Carlos Ghosn: Der Ex-Nissan-Chef ist nun auch als Chef des Autobauers Renault zurückgetreten. (Quelle: Regis Duvignau/Reuters)

Der seit mehr als zwei Monaten in Japan inhaftierte Renault-Chef Carlos Ghosn hat seinen Rücktritt eingereicht. Das sagte der französische Finanzminister Bruno Le Maire am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos. Der Verwaltungsrat von Renault entscheidet am Donnerstag über die Nachfolge Ghosns.

Renault habe am Mittwochabend das Rücktrittsschreiben von Ghosn erhalten, sagte Le Maire weiter. Der französische Staat ist Großaktionär bei dem Autobauer.

Verwaltungsrat entscheidet Donnerstag über Nachfolge

Bei Renault soll es künftig eine Doppelspitze geben. Die Geschäfte soll Ghosns bisheriger Stellvertreter Thierry Bolloré führen. Den Verwaltungsrat soll der derzeitige Chef des Reifenherstellers Michelin, Jean-Dominique Senard, leiten.

Zuvor hatten bereits die japanischen Konzerne Nissan und Mitsubishi Ghosn als Verwaltungsratschef abgesetzt. Sie bilden mit Renault eine Allianz. Der 64-jährige Ghosn war am 19. November in Tokio zusammen mit seiner früheren rechten Hand Greg Kelly wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Bis zu einem Prozess könnten noch Monate vergehen. Vor Gericht hatte der Top-Manager seine Unschuld beteuert.

Der gebürtige Brasilianer Ghosn ist Architekt der Autoallianz aus Renault und der japanischen Hersteller Nissan und Mitsubishi. Er hatte 1999 von Renault kommend den Chef-Sessel bei Nissan übernommen, um den verschuldeten Konzern aus der Krise zu führen. 2005 rückte er dann auch an die Spitze von Renault.

Ghosns Ablösung wurde erwartet

Die Ablösung Ghosns in Frankreich kam nicht überraschend. Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hatte zuvor mit deutlichen Worten eine Nachfolge gefordert. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei. Der Staat ist bei Renault ein wichtiger Spieler, er hält 15 Prozent der Anteile.

Ghosn hatte bisher ungeachtet der Anschuldigungen in Japan bei Renault den Titel Président-directeur général behalten. Der Traditionshersteller hatte aber bereits nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe in Japan Ghosns bisherigem Stellvertreter Thierry Bolloré vorläufig die Geschäftsführung übertragen. Renault stellte danach bei der Bezahlung Ghosns für die Jahre 2017 und 2018 keine Unregelmäßigkeiten oder Betrug fest. Weitere Untersuchungen für die Jahre davor laufen aber noch.

Renault und Nissan sind wechselseitig aneinander beteiligt. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme war Ghosn von Nissan und Mitsubishi als Verwaltungsratschef gefeuert worden. Insbesondere in Frankreich gibt es Sorgen um den Bestand des von Ghosn aufgebauten und kontrollierten Auto-Imperiums. 



Erst am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass Ghosn unerlaubt Millionenbeträge von einer niederländischen Tochterfirma kassiert haben soll. Ghosn habe von dem niederländischen Gemeinschaftsunternehmen Nissan-Mitsubishi B.V. (NMBV) ohne vorgeschriebene Absprache mit den beiden anderen Vorstandsmitgliedern, Nissan-Chef Hiroto Saikawa und Mitsubishi Motors-Chef Osamu Masuko, rund 7,8 Millionen Euro Entschädigung erhalten, wie die beiden Renault-Partner bekanntgaben.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen AFP, dpa

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