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Finanzaufsicht verbietet Wetten gegen Wirecard


Verdacht der Marktmanipulation  

Finanzaufsicht verbietet Wetten gegen Wirecard

18.02.2019, 15:14 Uhr | sm, t-online.de

Finanzaufsicht verbietet Wetten gegen Wirecard . Firmenzentrale von Wirecard: Nach heftigen Kursschwankungen bei dem Zahlungsdienstleister verbietet die Bafin neue Netto-Leerverkaufspositionen. (Quelle: dpa/Peter Kneffel)

Firmenzentrale von Wirecard: Nach heftigen Kursschwankungen bei dem Zahlungsdienstleister verbietet die Bafin neue Netto-Leerverkaufspositionen. (Quelle: Peter Kneffel/dpa)

Zum ersten Mal hat die Finanzaufsicht BaFin ein striktes Verbot von Leerverkäufen einer einzelnen Aktie erlassen. Zugleich ermittelt die Staatsanwaltschaft zum Verdacht der Marktmanipulation gegen einen Journalisten der "Financial Times".

Erst im September 2018 hat der Finanzdienstleister Wirecard WIRECARD AG Aktie die Commerzbank aus dem deutschen Leitindex DAX verdrängt. Die Rede ist somit nicht von einem Leicht-, sondern eher einem Schwergewicht in der ersten Börsenliga. Da verwundert es, dass Spekulationen einen derart massiven Kursrutsch auslösen können. Rund 40 Prozent ging es im Januar 2019 in den Keller. Doch es ist nicht das erste Mal, dass eine Leerverkauf-Attacke die Wirecard-Aktie trifft.

Es ist aber das erste Mal, dass die Finanzaufsicht BaFin Aktie sich zu einem kompletten Verbot von Leerverkäufen einer einzelnen Aktie durchringt. Damit sind vorerst jegliche Wetten gegen den Zahlungsabwickler verboten. Bestehende Leerpositionen dürfen zudem für zwei Monate nicht vergrößert werden.

Die Frankfurter Wertpapieraufseher befürchten offenbar, dass sich die massiven Kursschwankungen bei Wirecard zu einem Flächenbrand entwickeln. Die Verbote sollen Ruhe in den Markt bringen.

Short-Attacken auf den DAX-Wert

Die Leerverkäufe seien "eine ernstzunehmende Bedrohung für das Marktvertrauen in Deutschland", heißt es in der am Montag veröffentlichten Verfügung der obersten Bafin-Aufseherin Elisabeth Roegele. Die Kursschwankungen hätten zu "massiven Unsicherheiten an den Finanzmärkten" geführt. Nach der Meldung schoss die Wirecard-Aktie um bis zu 14 Prozent nach oben.

Short-Attacken: Bei derartigen Attacken setzen Akteure am Finanzmarkt auf sehr hohe Kursverluste eines Wertpapiers. Durch das Platzieren von negativen Nachrichten kann die Kursbewegung direkt beeinflusst werden. Wer zuvor auf fallende Kurse gesetzt hat, kann einen satten Gewinn einstreichen.

Die Behörde spricht von "Short-Attacken" auf die Wirecard-Aktie. Das heißt: Es werden Angriffe auf den Aktienkurs unternommen. Das Ziel ist ein Fallen des Kurses. Da die Angreifer vorher auf einen fallenden Kurs gewettet haben, streichen sie einen Gewinn ein. Diese Strategie wird häufig mit Leerverkäufen durchgezogen – also mit Papieren, die sich die Akteure nur geliehen haben.

Leerverkäufe: Leerverkäufer setzen auf fallende Aktienkurse. Sie leihen sich Papiere eines Börsenwertes, verkaufen diese und kaufen sie später wieder, um sie dem Leihgeber wieder zurückzugeben. Die Strategie geht auf, wenn der Rückkaufkurs über dem Verkaufskurs der Leihaktie liegt.

Was sind Leerverkäufe? Lesen Sie mehr: Angriff auf den Dax – Wie ein Hedgefonds von fallenden Kursen profitieren will

Wirecard weist Anschuldigungen zurück

Die Netto-Leerverkaufspositionen auf Wirecard hätten sich seit Anfang Februar 2019 deutlich verstärkt, so die Bafin. Das heißt, von dem Tag an, als die "Financial Times" über angebliche Bilanzmanipulationen bei der Asien-Tochter in Singapur berichtet hatte. Mehrere weitere Berichte der Zeitung ließen die Aktie immer weiter abstürzen.

Wirecard weist die Anschuldigungen als Diffamierung zurück. Mittlerweile ermittelt auch die Münchner Staatsanwaltschaft wegen möglicher Marktmanipulation durch die Zeitungsberichte. "Uns liegt eine konkrete Anzeige eines Anlegers vor", zitierte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Dienstagsausgabe) eine Sprecherin der Behörde. Der Staatsanwaltschaft liegt demnach die Aussage eines Leerverkäufers vor, der vorab über die Berichterstattung der "Financial Times" zu Wirecard informiert worden sein soll.

Wirecard: "Zu groß, um scheitern zu dürfen"

Es sind nicht nur Aktionäre von derartigen Angriffen auf Börsenkurse betroffen. Auch Fondsmanagern bereiten die massiven Kursausschläge Kopfschmerzen. Vor allem aktiv gemanagte Fonds laufen Gefahr, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Michele Pedroni von Decalia Asset Management in Genf erklärt: "Das starke Wachstum von Wirecard und die herausragende Kursentwicklung haben dazu geführt, dass die Firma 'zu groß geworden ist, um scheitern zu dürfen'." Er habe seine Wirecard-Aktien aber am Tag nach dem ersten Bericht der "FT" verkauft. "Die Bewertung ist noch nicht interessant genug, um wieder einzusteigen. Es gibt Alternativen am Markt."

Wirecard mehrfach im Visier von Spekulanten

Seit dem DAX-Aufstieg im September 2018 ist die Wirecard-Aktie an neun Tagen jeweils um mehr als zehn Prozent gestiegen oder gefallen. Größter Kurssturz war ein Minus von 31 Prozent am 1. Februar und das stärkste Plus mit 23 Prozent am 4. Februar 2019.

Bereits davor war der Zahlungsdienstleister Ziel von Short-Attacken – so zum Beispiel 2008 und 2014. Kurze Zeit später, im Jahr 2016, brachte eine bis dahin unbekannte Website unter dem Namen "Zatarra Research & Investigations" Betrugs- und Geldwäschevorwürfe ins Spiel. Gegen deren Initiatior Fraser Perring hat die Staatsanwaltschaft München einen Strafbefehl wegen Marktmanipulation beantragt.


BaFin hat 2008 erstmals Leerverkäufe verboten

Mit dem strikten Verbot neuer Leerverkäufe oder der Erhöhung von Leerverkaufs-Positionen greift die BaFin erstmals zu einem so scharfen Schwert. In der Finanzkrise im September 2008 hatte sie ungedeckte Leerverkäufe von elf deutschen Finanztiteln für fast eineinhalb Jahre verboten.

Wenig später wurden ungedeckte Leerverkäufe – Wetten auf fallende Kurse, ohne dass sich die Investoren die zugrundeliegende Aktie überhaupt geliehen haben –- in Deutschland grundsätzlich verboten, seit Ende 2012 gilt das in ganze Europa.

 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen Reuters, dpa, AFP

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