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Nach Absturz in Äthiopien: EU-Luftraum für Boeing 737 MAX 8 gesperrt


Nach Absturz in Äthiopien  

Gesamter EU-Luftraum für Boeing 737 MAX 8 gesperrt

13.03.2019, 10:52 Uhr | dpa, dpa-AFX

 (Quelle: imago / UPI Photo)
Sperrungen des Luftraums nach Boeing-Absturz

Nach dem Absturz einer Boeing 737 MAX 8 wächst in den USA der Druck auf die Behörden, auch dort den Luftraum für das Flugzeug-Modell zu sperren. (Quelle: Reuters)

Sperrungen des Luftraums: Nach dem Absturz einer Boeing 737 MAX 8 wächst der Druck auf die US-Luftfahrtbehörde. (Quelle: Reuters)


Sind die neuen Boeing-Flugzeuge sicher? Der Hersteller und die US-Luftfahrtbehörde sagen ja. Doch andere Aufsichtsbehörden und viele Airlines sind sich nicht sicher. Wo gibt es bereits Startverbote?

Nach zwei Flugzeugabstürzen innerhalb weniger Monate zieht die Furcht vor weiteren Zwischenfällen mit Boeings jüngsten Jets immer weitere Kreise. Die EU sperrt ihren gesamten Luftraum für Verkehrsflugzeuge des Typs Boeing 737 MAX 8. Die Sperrung gelte ab Dienstagabend um 20 Uhr, teilte die europäische Luftfahrtbehörde EASA mit. Einen solchen Schritt hatten zuvor schon Deutschland und andere EU-Länder als Reaktion auf das Flugzeugunglück in Äthiopien vollzogen.

Die Sperre des deutschen Luftraums für das Boeing-Modell gilt für drei Monate. Bis einschließlich 12. Juni dürfe kein Flugzeug des Typs Boeing 737 Max 8 und Max 9 über der Bundesrepublik fliegen, erklärte die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen bei Frankfurt am Dienstagabend.

Auch Länder außerhalb der EU haben ein Start- und Landeverbot für die Maschine verhängt beziehungsweise ihren Luftraum für diesen Flugzeugtyp gesperrt:

  • China
  • Indonesien
  • Singapur
  • Australien
  • Malaysia
  • Oman
  • Neuseeland
  • Vereinigte Arabische Emirate

Boeing 737 Max 8 nicht mehr im britischen Luftraum erlaubt

Vor der Sperrung des kompletten EU-Luftraumes hatten neben Deutschland unter anderem bereits Frankreich, die Niederlande, Irland und Großbritannien ihren Luftraum für Maschinen dieses Typs gesperrt. Die Anordnung werde bis auf Weiteres in Kraft sein, hieß es von der britischen Luftfahrtbehörde.

Tui und Norwegian stellen Flugbetrieb der 737 Max 8 ein

Der weltgrößte Reisekonzern Tui stoppte nach dem Flugverbot für die Boeing 737 Max 8 in Großbritannien alle Flüge mit dem umstrittenen Flugzeugtyp. Der Schritt umfasse alle Fluggesellschaften des Konzerns, teilt ein Unternehmenssprecher mit. Kunden, die ab diesem Mittwoch auf Flüge mit einer der 15 Boeing-Max-8-Maschinen gebucht sind, will der Konzern auf seiner Internetseite über Änderungen der Reisepläne informieren.

Auch die norwegische Fluggesellschaft Norwegian stellte den Betrieb der betroffenen Boeing Maschinen bis auf Weiteres ein. Die Airline verfügt laut ihrer Webseite über 18 Boeing 737 Max 8.

US-Luftfahrtbehörde erlässt kein Startverbot

Die Entscheidung zahlreicher Airlines, die ihre Maschinen vom Typ Boeing 737 Max 8 aus Sicherheitsgründen vorübergehend stilllegen, widerspricht der Haltung der US-Luftfahrtbehörde FAA. Diese erließ kein Startverbot für die Maschinen. "Diese Untersuchung hat gerade erst begonnen, und uns liegen bislang keine Daten vor, um Schlussfolgerungen zu ziehen oder Maßnahmen zu ergreifen", teilt die FAA mit. Am Sonntag war eine Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines in Äthiopien abgestürzt, 157 Menschen kamen ums Leben. Im Oktober waren beim Absturz einer baugleichen Maschine der Fluglinie Lion Air in Indonesien 189 Menschen gestorben.

Die FAA teilt mit, sie werde in Bezug auf die Boeings "geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn die Daten darauf hindeuten, dass dies erforderlich ist". Im vergangenen Jahr habe es zahlreiche technische Prüfungen und Maßnahmen gegeben, die infolge des Absturzes in Indonesien ergriffen worden seien. Experten der FAA und der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB sollen vor Ort in Äthiopien bei der Klärung der Unglücksursache helfen.

Startverbot in Singapur gilt bis auf Weiteres

SilkAir Boeing 737 Max 8: Nach dem Absturz einer Boeing in Äthiopien hat der Flughafen Singapur ein Start- und Landeverbot für das Flugzeugmodell ausgesprochen. (Quelle: Reuters/Edgar Su)SilkAir Boeing 737 Max 8: Nach dem Absturz einer Boeing in Äthiopien hat der Flughafen Singapur ein Start- und Landeverbot für das Flugzeugmodell ausgesprochen. (Quelle: Edgar Su/Reuters)

Nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine 2018 vermuteten Ermittler, dass eine neue Steuerungssoftware der Boeing eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte. Der Crash in Äthiopien am Sonntag wies gewisse Ähnlichkeiten auf. Boeing versprach derweil eine rasche Erweiterung der umstrittenen Steuerungssoftware in den kommenden Wochen. Der Flugzeugbauer habe ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen", erklärt das Unternehmen. Die Aktien des US-Luft- und Raumfahrtriesen schlossen angesichts der Krise am Montag mit einem Minus von 5,4 Prozent.

Manche Luftfahrtbehörden wollten nicht bis zum nächsten Boeing-Update warten. Das Startverbot in Singapur soll solange gelten, bis "weitere Informationen gesammelt und das Sicherheitsrisiko neu bewertet" ist, teilt die Luftfahrtbehörde mit. Betroffen von dem Verbot sind unter anderem die Fluggesellschaften:

  • China Southern
  • Thai Lion
  • Garuda
  • Silk Air
  • Shandong

Von dem Verbot in Australien sind bislang nur die beiden Fluggesellschaften Silk Air aus Singapur und Fiji Airways von den Fidschi-Inseln betroffen.

Fluggesellschaften erlassen Startverbot für Boeing 737 Max 8

China und Indonesien hatten den neuen Boeings bereits am Montag ein Startverbot erteilt. Chinas Luftfahrtbehörde hatte in der Begründung des Startverbots darauf verwiesen, dass es bei beiden Unglücken "gewisse Ähnlichkeiten" gegeben habe. Beide Flüge waren bei gutem Wetter kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen.

Zahlreiche Fluggesellschaften entschlossen sich ebenfalls, die Maschinen am Boden zu lassen. Darunter:

  • Tuifly
  • Norwegian
  • Ethiopian Airlines
  • Aeroméxico
  • Aerolíneas Argentinas
  • Turkish Airlines
  • Icelandair
  • Gol (Brasilien)
  • Cayman Airways (Karibik)
  • Eastar (Südkorea)
  • Comair (Südafrika)

Damit bleiben inzwischen mindestens 130 der Flugzeuge am Boden, fast 100 davon in China.

Seit 2017 hat Boeing rund 350 Maschinen ausgeliefert. Fluggesellschaften, die am Betrieb des Flugzeugs festhalten sind:

  • American Airlines
  • Southwest Airlines

Probleme mit Bordcomputer

Die Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines war am Sonntag auf dem Weg nach Nairobi kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Die Flugschreiber wurden inzwischen am Absturzort gefunden. Unter den Absturzopfern waren dem Auswärtigen Amt zufolge auch fünf Deutsche.


Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers. Die Überarbeitung der Software erfolgte Boeings Mitteilung zufolge im Zuge des im Oktober in Indonesien abgestürzten Lion-Air-Flugs 610 und werde in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen installiert. Das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) war nach dem Absturz in Indonesien schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP

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