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Fusion von Deutscher und Commerzbank: Sind die Verbraucher die Verlierer?


Deutsche Bank und Commerzbank  

Sind Verbraucher die Verlierer einer Fusion beider Großbanken?

18.03.2019, 13:51 Uhr | sm, t-online.de

 (Quelle: imago/Hannelore Förster)
"Nur dann, wenn wirtschaftlich sinnvoll": Bankenfusion von Deutsche Bank und Commerzbank

Jörg Eigendorf, Sprecher der Deutschen Bank, sagte unter anderem am Sonntag in Frankfurt auch, dass es der Deutschen Bank um Gründlichkeit vor Schnelligkeit ginge. (Quelle: Reuters)

"Nur dann, wenn wirtschaftlich sinnvoll": Zuletzt lotete ein Sprecher der Deutschen Bank spricht die Chancen einer möglichen Fusion mit der Commerzbank aus. (Quelle: Reuters)


Deutsche Bank und die Commerzbank haben Fusionsgepräche begonnen. Doch ein neuer großer Branchenprimus birgt Gefahren. Arbeitnehmer und Verbraucher könnten die Zeche zahlen. Strauchelt das Institut, müsste der Steuerzahler einspringen.

Lange zierten sie sich. Doch der politische Druck scheint Wirkung zu zeigen. Die größten beiden Geldhäuser Deutschlands loten einen Zusammenschluss aus. Jetzt werden von beiden Chefs, Christian Sewing von der Deutschen Bank DEUTSCHE BANK AG NA O.N. Aktie und Martin Zielke von der Commerzbank COMMERZBANK AG Aktie Antworten gefordert. Ergibt eine Fusion beider Geldinstitute Sinn, welche Vorteile hätte dieser Schritt und was würde das für die Kunden und den Steuerzahler bedeuten?

Der Wunsch nach einem "Nationalen Champion"

Ein großer, finanzstarker "Nationaler Champion", das ist die Wunschvorstellung der deutschen Politik. Eine starke deutsche Bank, die international wettbewerbsfähig ist und mit den großen chinesischen und US-amerikanischen Häusern dauerhaft mithalten kann.

Diese Vorstellung erfüllen derzeit weder die Commerzbank noch die Deutsche Bank. Zehn Jahre nach der Finanzkrise dümpeln Deutschlands Großbanken vor sich hin, während die US-Konkurrenz längst wieder bestens verdient. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) scheint Medienberichten zufolge auf die Tube zu drücken. Demnach könnte eine Fusion bereits vor der Europawahl Realität werden.

Größere Marktmacht und Einsparungen in Milliardenhöhe

Sollte das Vorhaben glücken, entstünde die mit Abstand größte deutsche Bank mit rund 38 Millionen Privat- und Firmenkunden, anfänglich rund 140.000 Mitarbeitern, 2.400 Filialen in Deutschland, einem Marktanteil von rund 20 Prozent und einer Bilanzsumme von fast zwei Billionen Euro. In Europa wäre das neue Institut nach der britischen HSBC und der französischen BNP Paribas das drittgrößte Bankhaus.

Durch den Zusammenschluss könnten vor allem die Kosten auf Dauer sinken. Schon im Sommer 2018, als die Gerüchte hochkochten, hatte das Analysehaus RBC die möglichen Einsparungen auf 2,1 Milliarden Euro beziffert. Bei der Modernisierung der IT und beim Megathema Digitalisierung könnten die Institute Kräfte bündeln. Mit mehr als 30 Millionen Privatkunden und größeren Marktanteilen im Firmenkundengeschäft könnte ein größeres Institut beim Thema Preisgestaltung gegenüber der Konkurrenz punkten.


Arbeitnehmer und Verbraucher könnten die Zeche zahlen

Eine Fusion würde auf der anderen Seite viele Arbeitsplätze kosten. Die Gewerkschaft Verdi rechnet im schlimmsten Fall mit dem Abbau von 30.000 Jobs, die Aktionärsvereinigung DSW sogar mit dem Rauswurf von bis zu 50.000 Mitarbeitern. Ende 2018 beschäftigten die beiden Institute zusammen gut 133.000 Vollzeitkräfte. Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung lässt sich aber nicht von heute auf morgen umsetzen – und er wird erhebliche Kosten verursachen.

Zudem könnte ein Zusammenschluss von Deutscher Bank und Commerzbank zulasten der Verbraucher gehen, warnt der oberste Verbraucherschützer Klaus Müller. Denn sie könnte letztlich zu steigenden Preisen und einer geringeren Angebotsvielfalt führen. Neben dem Verlust von Zehntausenden Arbeitsplätzen könnte auch eine Vielzahl der Filialen geschlossen werden, so der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) gegenüber der "Rheinischen Post".

Risiken für das Finanzsystem und den Steuerzahler steigen

Sollte das fusionierte Institut als systemrelevant eingestuft werden, würden Aufseher dickere Puffer für Krisenzeiten verlangen. Der Chef der Monopolkommission Achim Wambach kann sich vorstellen, dass durch eine fusionierte Mega-Bank "eine neue Bedrohung für die Finanzwelt" entsteht. Zwar könne aus Wettbewerbssicht Entwarnung gegeben werden: "Einiges deutet darauf hin, dass die Kartellbehörden den Zusammenschluss, gegebenenfalls unter Auflagen, freigeben würden." Doch steige durch die Fusion beider Institute das Systemrisiko. Ein sogenannter "Nationaler Champion" wäre "too big to fail" und müsse, falls in Schieflage geraten, mit Steuergeldern gerettet werden.


Bisherige Großfusionen, die von beiden Geldhäusern angestrebt wurden, zeigen die Probleme, die sowohl auf sie als auch auf den Steuerzahler zukommen können: Die Dresdner-Bank-Übernahme mitten in der Finanzkrise 2008 brachte die Commerzbank an den Rand des Abgrunds. Steuermilliarden retteten das Institut, das mit der Integration der kriselnden Dresdner Bank drei Jahre zu schaffen hatte. Bis heute ist der Bund mit gut 15 Prozent größter Anteilseigner der Commerzbank – und kann dieses Gewicht in der aktuellen Diskussion in die Waagschale werfen.

Und die Deutsche Bank? Die hat fast zehn Jahre nach Übernahme der Postbank deren Integration noch immer nicht bewältigt.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, dpa-afx, Reuters, AFP

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