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Glyphosat-Urteil erschüttert Bayer-Aktie: Krebsgefahr durch Monsanto-Produkte


Angebliche Krebsgefahr  

Nach Glyphosat-Urteil: Bayer-Aktie stürzt ab

21.03.2019, 20:06 Uhr | dpa, AFP

 (Quelle: imago/Christian Ohde)
US-Jury entscheidet: Empfindliche Schlappe für Monsanto

Monsanto entwickelt sich zur großen Belastung für den Bayer-Konzern. In einem wichtigen US-Großprozess stufte die Jury Monsantos Unkrautvernichter Roundup als krebserregend ein. Die Gerichtsverhandlung geht jetzt in die zweite entscheidende Runde. (Quelle: dpa)

Monsanto: Darum geht es im Glyphosat-Prozess in den USA. (Quelle: dpa)


Die Bayer-Tochter Monsanto sieht sich in den USA mit zahlreichen Klagen wegen angeblicher Krebsgefahren des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup konfrontiert. Vor Gericht erlitt der Saatgutriese nun eine Schlappe. Dies sorgte an der Börse für ein Beben.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer BAYER AG NA O.N. Aktie hat in den USA einen wichtigen Teilprozess um angebliche Krebsrisiken von Produkten der Tochter Monsanto verloren. Danach ist die Bayer-Aktie an der Börse in Frankfurt am Main eingebrochen. Das Papier des Konzerns stürzte bei Öffnung der Börse am Mittwochmorgen um mehr als zehn Prozent ab.  

Eine Jury des zuständigen Bundesbezirksgerichts in San Francisco befand am Dienstag einstimmig, dass das Unkrautvernichtungsmittel Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat ein wesentlicher Faktor für die Lymphdrüsenkrebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman gewesen ist.

Damit geht der Prozess nun in eine zweite Phase, in der geklärt werden soll, ob Monsanto über Risiken hinwegtäuschte und wie hoch der mögliche Schadenersatz ausfallen könnte.

Bayer zeigte sich in einer Stellungnahme enttäuscht von der Entscheidung der Jury. Dennoch sei das Unternehmen weiterhin fest davon überzeugt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen, dass glyphosatbasierte Herbizide keinen Krebs verursachen. Bayer sei zuversichtlich, im zweiten Teil des Prozesses beweisen zu können, dass Monsantos Verhalten angemessen war und das Unternehmen nicht für Hardemans Krebserkrankung haftbar gemacht werden sollte.

Für das Unternehmen ist dieser Fall hochbrisant, da es sich um einen richtungsweisenden "Bellwether Case" handelt. Damit ist im US-Recht eine Art Musterfall in einem Massenverfahren gemeint. Mehrere dieser repräsentativen Fälle sind angesetzt. Sie sollen den Streitparteien helfen, das Ausmaß von Schäden und die Höhe denkbarer Vergleichszahlungen besser abschätzen zu können. Insgesamt sind bei dem zuständigen US-Richter Vince Chhabria mehrere Hundert Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt.

Bayer steckte Niederlage vor Gericht in 2018 ein

Die Klagewelle gegen Bayer war so richtig ins Rollen gekommen, nachdem eine Geschworenenjury dem Krebspatienten Dewayne Johnson in einem anderen Verfahren im August insgesamt 289 Millionen US-Dollar an Schmerzensgeld und Entschädigung zugesprochen hatte. Die Richterin senkte zwar die Strafe gegen den im vergangenen Jahr von Bayer übernommenen US-Saatgutkonzern Monsanto später auf gut 78 Millionen US-Dollar (69 Mio Euro), im Grundsatz änderte sie am Urteil aber nichts.

Der Bayer-Aktienkurs war nach dem Urteil im August massiv eingebrochen. Anleger und Analysten warfen die Frage auf, ob die Leverkusener die Risiken des rund 63 Milliarden US-Dollar (55 Mrd Euro) teuren Monsanto-Kaufs unterschätzt hätten. Das aktuelle Verfahren ist erst der Anfang: Bis Ende Januar wurden Monsanto in den USA glyphosatbezogene Klagen von etwa 11 200 Klägern zugestellt. In den nächsten Tagen soll bereits ein weiterer Prozess bei einem Landgericht im kalifornischen Oakland starten.



Bayer weist die Vorwürfe eines Krebsrisikos zurück und beruft sich dabei auf zahlreiche Studien. Der DAXDAX Index-Konzern gibt sich denn auch betont optimistisch: Bislang sah das Unternehmen keinen Grund, für mögliche Schadenersatzzahlungen Vorsorge zu leisten. Viel Geld kosten die Glyphosat-Klagen aber dennoch schon: Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten stiegen im vergangenen Jahr um rund 660 Millionen Euro. "Wir stellen hier im Wesentlichen für drei Jahre Verteidigungskosten zurück", erklärte Finanzchef Wolfgang Nickl während einer Bilanzpressekonferenz Ende Februar.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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