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Deutsche Bank – Aktionärstreffen: Aufsichtsratschef auf Schleudersitz?


Chaos bei der Deutschen Bank  

Turbulentes Aktionärstreffen: Aufsichtsratschef auf Schleudersitz?

23.05.2019, 14:30 Uhr | sm, t-online.de

 (Quelle: Rainer Unkel/imago images)
Deutsche Bank: Aufsichtsratschef Achleitner zieht Bilanz

Nicht alle Saisonziele seien erreicht worden, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank Paul Achleitner am Donnerstag zum Auftakt der Hauptversammlung in Frankfurt. Auf die Bank kommen erhebliche Veränderungen zu. (Quelle: Reuters)

Paul Achleitner: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank zog auf der Hauptversammlung in Frankfurt eine durchwachsene Bilanz. (Quelle: Reuters)


Vorstand und Aufsichtsrat der Deutschen Bank stehen unter Druck. Die Geduld der Aktionäre wird auf die harte Probe gestellt. Ein Misstrauensvotum der Anteilseigner wäre eine herbe Klatsche für die Führungsriege. Die Gründe:

Es war schon vor Beginn der Hauptversammlung klar: Konzernchef Christian Sewing und Aufsichtsratschef Paul Achleitner müssen sich auf hitzige Debatten der Anteilseigner gefasst machen. Binnen eines Jahres rauschte die Aktie der Deutschen Bank DEUTSCHE BANK AG NA O.N. Aktie um fast 38 Prozent in den Keller – ein Ende der Talfahrt scheint nicht in Sicht. Zu Beginn der Hauptversammlung notierte das Papier noch tiefer – bei 6,35 Euro. Es hakt an vielen Ecken und die Optionen für einen Strategiewechsel sind begrenzt.

Vertrauen der Anleger auf harte Probe gestellt

Es ist keine ausgemachte Sache, ob die Führungsriege des Geldhauses entlastet wird. Im Vorfeld empfahlen mehrere Stimmrechtsberater den Aktionären, der Bankführung nicht das Vertrauen auszusprechen. Der Geduldsfaden scheint gerissen. So auch bei dem mächtigen Stimmrechtsberater Glass Lewis und Institutional Services (ISS): "Wir sind bislang nie so weit gegangen, zu empfehlen, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten", erklärte ISS. "Ab einem bestimmten Zeitpunkt sollten die Aktionäre aber ihren Bedenken Gehör verschaffen."

Einige gingen in ihre Forderungen gegenüber Achleitner sogar einen Schritt weiter. Dieser solle nicht nur Rechenschaft ablegen, sondern zugleich Verantwortung übernehmen. Rufe nach vorzeitiger Ablösung wurden laut.

Entlastung oder nicht?

Eine Entlastung in der derzeitigen Situation ist weder eine Selbstverständlichkeit noch ein Freifahrtschein. Denn wohin der Kurs des Geldhauses geht, ist bei Weitem nicht klar. Und die strategischen Möglichkeiten sind eingeschränkt, die Baustellen auf der anderen Seite vielzählig.

Übrigens: Im vergangenen Jahr stimmten lediglich 84 Prozent für eine Entlastung von Aufsichtsratschef Achleitner. Damals lag die Präsenz bei der Hauptversammlung bei 42,6 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre. In diesem Jahr nehmen  – einschließlich Briefwahl –  nur 34,85 Prozent ihr Stimmrecht wahr. 

Die Deutsche Bank steht vor einer Vielzahl an Problemen:

Angespannte Gewinnsituation

Wenig ist geblieben von der einst stolzen Deutschen Bank. Zwar brachte das vergangene Jahr den ersten Jahresgewinn seit 2014. Doch die Lage bleibt angespannt, wie der Jahresauftakt 2019 zeigt: Deutschlands größtes Geldhaus verdiente im ersten Quartal gerade einmal 201 Millionen Euro. Die US-Konkurrenz hingegen fuhr binnen der ersten drei Monate Milliardengewinne ein.

Führungschaos

Seit dem Amtsantritt Paul Achleitners als Vorstandsvorsitzender im Jahr 2012 haben die Papiere der Deutschen Bank 70 Prozent an Wert eingebüßt. Ein Ende der Talfahrt scheint nicht in Sicht. In dieser Zeit hatte das Geldhaus – inklusive des seit gut einem Jahr amtierenden Christian Sewing – vier Vorstandsvorsitzende mitsamt einiger Strategiewechsel, die wenig zu fruchten scheinen.

So mancher Großaktionär verlangt zudem eine Nachfolgeregelung für den langjährigen Aufsichtsratschef, dessen Amtszeit 2022 ausläuft. Mindestens drei Großaktionäre der Deutschen Bank sollen, laut Insidern, gar die vorzeitige Ablösung Achleitners fordern.

Drastischer Kursverlust

Binnen eines Jahres haben die Deutsche-Bank-Aktien fast 38 Prozent an Wert verloren und waren erst zuletzt erneut eingebrochen. Der Börsenwert des DAX-Konzerns schrumpfte auf knapp über 14 Milliarden Euro zusammen. Aktuell senken viele Analysten ihre Daumen und setzen die Papiere auf "verkaufen". Begründet wird dies unter anderem mit den Ertragsaussichten und den begrenzten strategischen Optionen des Geldhauses. Eine radikale Strategiewende könne sich die Deutsche Bank derzeit nicht leisten.

Vorwurf der Geldwäsche

Die Finanzaufsicht Bafin hat dem Geldhaus im Herbst 2018 einen Sonderaufpasser verpasst. Dieser soll die Umsetzung von Vorgaben gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung überwachen. Kurz darauf, im November 2018, verschreckte eine öffentlichkeitswirksame Geldwäsche-Razzia in den Frankfurter Zwillingstürmen sowohl Kunden als auch Investoren.

IT-Panne

Vor Kurzem wurde zudem ein Softwarefehler bei der Überprüfung des Zahlungsverkehrs gefunden. Zwei der 121 Parameter seien nicht korrekt definiert. Dabei sei es darum gegangen, Transaktionen im Nachhinein zu analysieren, nicht jedoch um die Ausführung von Geldströmen. Dennoch ist die Panne heikel – vor allem bei der Bekämpfung von Geldwäsche. Denn Banken sind gehalten, Kunden und die Herkunft ihrer Gelder genau zu prüfen. Wie sich nun herausstellte, hatte die Deutsche Bank seit Jahren Probleme, Zahlungen von Großkunden vorschriftsmäßig zu überprüfen.

Trump-Transaktionen

Einem Bericht der "New York Times" zufolge, hätten Spezialisten im Kampf gegen Geldwäsche 2016 und 2017 empfohlen, einige Transaktionen bei Firmen von US-Präsident Donald Trump und seinem Schwiegersohn Jared Kushner wegen Auffälligkeiten der Finanzaufsicht zu melden. Führungskräfte hätten dies aber abgelehnt, schreibt die Zeitung unter Berufung auf fünf frühere und derzeitige Mitarbeiter der Deutschen Bank. Das Geldhaus wies die Vorwürfe zurück. Die US-Demokraten im Repräsentantenhaus fordern unter anderem von der Deutschen Bank die Herausgabe entsprechender Dokumente. Trump hat dagegen Klage erhoben.

Zusammenarbeit mit der Danske-Bank

Die Deutsche Bank war jahrelang als Korrespondenzbank für die Danske Bank tätig. Laut internen Untersuchungen des Geldhauses wurden rund 150 Milliarden Euro über ihre Systeme abgewickelt. Die Danske Bank selbst steht im Mittelpunkt eines der größten Geldwäscheskandale Europas. Es geht um mutmaßliche Verstöße gegen Vorschriften zur Vermeidung von Geldwäsche in der Niederlassung in Estland. Dort sollen rund 200 Milliarden Euro gewaschen worden sein. In mehreren Ländern laufen Ermittlungen gegen das Geldhaus.

Gegengewicht der Großaktionäre

Für ein Gegengewicht zu den Gegnern einer Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand könnten bei der Deutschen Bank Großaktionäre wie das Emirat Katar, der Finanzinvestor Cerberus und der US-Vermögensverwalter Blackrock sorgen. Zudem erklärte die Fondsgesellschaft Union Investment, sich auf der Hauptversammlung hinter Aufsichtsrat und Vorstand zu stellen. Sie gehört zu den größten Aktionären des Geldhauses. Auch der Aktionärsberater Hermes EOS sowie die Aktionärsvereinigung DWS erklärten, die Führungsriege entlasten zu wollen.

Folgen einer Nicht-Entlastung

Rechtliche Konsequenzen haben Aufsichtsrat und Vorstand bei einer Nicht-Entlastung nicht zu fürchten. Allerdings kann dies als schallende Ohrfeige gesehen werden, das Vertrauen der Anleger ist weg.

Als erster amtierender Chef eines DAX-Konzerns wurde auf diese Weise jüngst Bayer-Chef Werner Baumann wegen der Monsanto-Übernahme abgestraft. Bei der Schweizer Großbank UBS wurde das Führungsteam mit Ex-Bundesbank-Präsident Axel Weber ebenfalls nicht entlastet.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa, dpa-AFX, Reuters, AFP

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