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Deutsche Bank: "Ein Horrorfilm mit Überlänge" – Abrechnung der Aktionäre


Abrechnung der Aktionäre  

Deutsche Bank: "Ein Horrorfilm mit Überlänge"

23.05.2019, 21:33 Uhr | sm, t-online.de

 (Quelle: Rainer Unkel/imago images)
Deutsche Bank: Aufsichtsratschef Achleitner zieht Bilanz

Nicht alle Saisonziele seien erreicht worden, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank Paul Achleitner am Donnerstag zum Auftakt der Hauptversammlung in Frankfurt. Auf die Bank kommen erhebliche Veränderungen zu. (Quelle: Reuters)

Paul Achleitner: Der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Bank zog auf der Hauptversammlung in Frankfurt eine durchwachsene Bilanz. (Quelle: Reuters)


Die Aktie im freien Fall, beim Gewinn meilenweit hinter der Konkurrenz zurück, das öffentliche Ansehen im Keller: Die Aktionäre der Deutschen Bank haben kaum ein gutes Haar an der Strategie des größten Geldhauses Deutschlands gelassen.

Die Aktionäre der Deutschen Bank sind auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main scharf mit Aufsichtsrat und Vorstand ins Gericht gegangen. Neben dem niedrigen Aktienkurs kritisierten Anteilseigner am Donnerstag auch die Geldwäscheskandale der Bank sowie zu hohe Vorstandsgehälter.

Der in der Kritik stehenden Aufsichtsratschef Paul Achleitner wurde von den Aktionären entlastet. Der 62-Jährige erhielt 71,63 Prozent der abgegebenen Stimmen, wie Achleitner selbst als Leiter der Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses in Frankfurt mitteilte. Kein Aufsichtsrat erhielt weniger Zuspruch durch die Aktionäre. 

Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr stimmten 84 Prozent für eine Entlastung Achleitners. Damals lag die Präsenz bei der Hauptversammlung bei 42,6 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre. In diesem Jahr nehmen – einschließlich Briefwahl – nur 34,85 Prozent ihr Stimmrecht wahr.

"Ein Koloss auf tönernen Füßen"

Alexandra Annecke von Union Investment, dem Fondshaus der Volks- und Raiffeisenbanken, machte wie viele andere Anteilseigner ihrem Ärger Luft: "Es ist traurig und schockierend, was aus der Deutschen Bank geworden ist. Das einstige Vorzeigeinstitut ist nur noch ein Koloss auf tönernen Füßen."

Die im DAX notierte Aktie musste am Donnerstag einen neuen Tiefschlag verkraften. Während der seit einem Jahr amtierende Vorstandschef Christian Sewing und der schon länger in der Kritik stehende Aufsichtsratschef Paul Achleitner bei den Anteilseignern um Vertrauen warben, fiel das Papier wie ein Stein um bis zu vier Prozent auf ein Rekordtief von 6,35 Euro. Die gesamte Deutsche Bank ist an der Börse inzwischen weniger als 14 Milliarden Euro wert.

Aufsichtsratschef Achleitner räumt Fehler ein

Besonders viel Kritik musste – wie schon in den Vorjahren – Achleitner einstecken. Seit der Österreicher vor sieben Jahren als Chefkontrolleur antrat, ist der Aktienkurs um mehr als 70 Prozent in die Knie gegangen. In dieser Zeit hatte das Geldhaus – inklusive des seit gut einem Jahr amtierenden Christian Sewing – vier Vorstandsvorsitzende, Strategiewechsel jeweils inklusive. Es wurden Stimmen laut, die nicht nur Rechenschaft von Achleitner einforderten, sondern zugleich auch seinen Rücktritt.

Einen Rückzug oder Rücktritt schloss der 62-Jährige jedoch aus: Er habe nicht vor, Investoren und Kunden des Instituts im Stich zu lassen, sagte er. "An einem Denkmal liegt mir nichts, am Wohl der Deutschen Bank aber schon." Dafür bekam er von den Aktionären keinen Applaus, Buh-Rufe blieben allerdings auch aus. An den globalen Ambitionen der Investmentbank will Achleitner festhalten. Auch er gab sich vor den Aktionären optimistisch: "Trotz aller Schwierigkeiten – ich sehe, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Der Chefkontrolleur des DAX-Konzerns zeigte sich zugleich selbstkritisch: "Habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht? Ja natürlich habe ich in den vergangenen sieben Jahren Fehler gemacht. Bin ich die Wurzel allen Übels? Nein, natürlich bin ich das nicht."

Gelbe Karte für die Führungsriege

Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) fürchtet ein Machtvakuum an der Spitze der Bank und werde daher "noch einmal" für eine Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat stimmen. "Wir können uns keine Schwäche erlauben, eine Führungslosigkeit, 'pardon, Herr Vorsitzender', österreichischer Art schon mal gar nicht", so Nieding an den Österreicher Paul Achleitner in Anspielung auf die politische Krise in der Alpenrepublik gerichtet. "Ich warne eindringlich davor, in der Entlastung nur eine symbolische 'Gelbe Karte' zu sehen."

Zwar habe die Nichtentlastung keine rechtlichen Konsequenzen. Er fürchte jedoch, dass Vorstände nach schwacher Zustimmung beim Entlastungsbeschluss den Rücktritt ankündigen – wie die damaligen Co-Chefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen 2015. "Das, meine Damen und Herren, wäre das Letzte, was ich mir in der momentanen Situation unseres Hauses vorstellen möchte."

Erst Geisterbahn, nun Horrorfilm

Andreas Thomae von der Fondsgesellschaft Deka fühlt sich nach dem Absturz der Deutschen-Bank-Aktie auf ein Rekordtief im falschen Film. "Den Aktienkurs hatten wir im letzten Jahr mit der Fahrt in einer Geisterbahn verglichen. Nun ist daraus ein Horrorfilm mit Überlänge geworden", sagte Thomae. Kritik übte er an den hohen Bonuszahlungen im Investment Banking. "Das ist ein Luxus, den die Deutsche Bank sich nicht leisten kann!"


Die Fondsgesellschaft Deka wolle dem Vorstand um Konzernchef Christian Sewing mehr Zeit geben, um seine Strategie umzusetzen. Daher werde man ihn entlasten, sagte Andreas Thomae von der Fondgesellschaft der Sparkassen. Die Geduld mit Aufsichtsratschef Paul Achleitner habe die Deka dagegen verloren. "Herr Dr. Achleitner, trotz mehrmaligen Austausches des Managements in den letzten sieben Jahren ist der Umbau der Bank immer noch nicht abgeschlossen und die Profitabilität lässt weiterhin zu wünschen übrig", kritisierte Thomae und kündigte an, gegen die Entlastung des Aufsichtsrats zu stimmen. Seine Ankündigung sorgt für Applaus. Die Deka hält rund 0,6 Prozent an der Deutschen Bank.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa, dpa-AFX, Reuters, AFP

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