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Trotz Trump-Drohung: Warum BMW auf Mexiko setzt


Handelskrieg  

Trotz Trump-Drohung: Warum BMW auf Mexiko setzt

05.06.2019, 17:30 Uhr | dpa

Trotz Trump-Drohung: Warum BMW auf Mexiko setzt. BMW an der Frontlinie: Sollte Trump seine Drohungen wahr machen, befände sich der Autokonzern mitten im Wirtschaftskonflikt. (Quelle: imago images/ZUMA Press)

BMW an der Frontlinie: Sollte Trump seine Drohungen wahr machen, befände sich der Autokonzern mitten im Wirtschaftskonflikt. (Quelle: ZUMA Press/imago images)

BMW will künftig den Großteil der 3er-Reihe in Mexiko fertigen. Dabei hat US-Präsident Trump Strafzölle für Importe aus dem Nachbarland angekündigt. Warum BMW dennoch investiert.

In San Luis Potosí in Zentralmexiko laufen gerade die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung des neuen BMW-Werkes, als die Hiobsbotschaft aus Washington eintrifft: Weil Mexiko angeblich nicht genug gegen die illegale Migration tut, droht US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen auf alle Importe aus dem südlichen Nachbarland. Losgehen soll es mit einer fünfprozentigen Sonderabgabe. Sollte Mexiko nicht einlenken, könnten die Sonderzölle bis Oktober auf 25 Prozent steigen. "Mexiko hat die Vereinigten Staaten über Jahrzehnte ausgenutzt", meint Trump.

Warum BMW an Mexiko festhält

Mexiko ist ein strategischer Knotenpunkt für die Automobilindustrie: Das Land liegt genau neben dem Großkunden USA, verfügt auch sonst über eine geografische Schlüssellage, eine etablierte Zuliefererkette, niedrige Löhne sowie Freihandelsabkommen mit mehr als 40 Staaten. Viele ausländische Unternehmen investieren hier, zum Beispiel Volkswagen, Daimler, Toyota und General Motors. BMW eröffnet am Donnerstag sein neues Werk für die 3er-Serie in San Luis Potosí.

Die Münchner sind freilich nicht begeistert vom Säbelrasseln aus dem Weißen Haus. "Die BMW Group steht für weltweiten Freihandel: Wir verfügen als Unternehmen über ein weltweites Produktionsnetzwerk und einen globalen Absatzmarkt. Zudem nutzen wir die globalen Einkaufsmärkte", heißt es in einer Mitteilung. Barrierefreier Marktzugang sei nicht nur für BMW entscheidend, "sondern auch für das Wachstum, den Wohlstand und die Beschäftigung in der gesamten globalen Wirtschaft".

Zölle sollen verhindert werden

Der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard und sein US-Kollege Mike Pompeo wollen in Washington zusammenkommen, um nach einer Lösung zu suchen. Ebrard betont die Dialogbereitschaft seines Landes, stellt aber auch klar: "Wir werden Mexikos Würde verteidigen."

Aus Sicht der mexikanischen Regierung wären die angedrohten Strafzölle kontraproduktiv. "Wenn die bedauernswerten Zölle wirklich verhängt werden, dürften die Migrationsströme noch zunehmen und beide Volkswirtschaften wären weniger wettbewerbsfähig", heißt es in einer Erklärung des Außenministeriums.

Trumps Ärger über die eigene Handelsbilanz

Trumps neue Drohgebärden haben die mexikanische Autoindustrie eiskalt erwischt. Zwei Jahre lang war das Nafta-Abkommen von 1994 neu verhandelt worden. Es soll nun durch das neue Freihandelsabkommen USMCA (USA-Mexiko-Kanada-Abkommen) ersetzt werden. In der Branche hatte sich deshalb gerade wieder ein wenig Optimismus breitgemacht. Trump nahm die im Frühjahr 2018 verhängten Sonderzölle auf Stahl- und Aluminium zurück. Der US-Präsident stellte Mexiko gar einen Freibrief aus, dem zufolge die Autoimporte bis zu einer gewissen Grenze von möglichen künftigen Zöllen ausgenommen sein sollten.

Trump stört sich jedoch daran, dass die Handelsbilanz der Vereinigten Staaten seit Jahren im Minus ist. Er sieht den enormen negativen Saldo als Folge der Politik anderer Länder, die aus seiner Sicht mit unfairen Methoden ihre Exportindustrien fördern. Seine Entscheidung über angedrohte Sonderzölle auf Autoeinfuhren aus der Europäischen Union und Japan hatte Trump Mitte Mai für ein halbes Jahr aufgeschoben. Gelingt bis November kein Kompromiss, wären besonders die deutschen Hersteller davon betroffen. Sie haben einen großen Anteil an den EU-Exporten in die USA.

Mexiko als Standort beliebt

Für Mexikos Autobauer und Zulieferer könnte der im November unterzeichnete USMCA-Freihandelspakt laut Branchenexperten eine gute Entwicklung bedeuten. "Falls das USMCA-Abkommen wie bislang ausgehandelt ratifiziert wird, könnte es entgegen erster Befürchtungen für neue Investitionen in der mexikanischen Kfz-Industrie sorgen", schreibt Florian Steinmeyer von der Außenwirtschaftsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI).

Bislang rechnete das lateinamerikanische Land dieses Jahr mit einer Steigerung von mindestens 3,5 Prozent bei Produktion und Verkäufen von Autos ins Ausland. Obwohl die mexikanische Pkw-Produktion 2018 um 0,6 Prozent auf 3,9 Millionen Fahrzeuge schrumpfte, überholte Mexiko vergangenes Jahr Südkorea im Ranking der größten Fahrzeugproduzenten. Damit landete Mexiko auf dem sechsten Platz, direkt hinter Deutschland. Die Exporte wuchsen 2018 um sechs Prozent, in den ersten vier Monaten dieses Jahres lag der Anstieg bei 2,8 Prozent. Damit ist Mexiko weltweit der viertgrößte Autoexporteur – und das, ohne eigene relevante Marken zu besitzen.

Branchenexperten wetten gegen USA

Für die USA ist Mexiko einer der größten Handelspartner: Die USA kaufen 68 Prozent der mexikanischen Auto-Produktion. 2018 stammte eines von drei in die USA importierten Autos aus Mexiko – das waren fast 2,7 Millionen Pkw, Pick-ups und Vans. Aus Japan importierten die USA laut US-Handelsministerium im gleichen Zeitraum 1,7 Millionen Autos, aus Deutschland 451.000. Obwohl das USMCA nun striktere Regeln vorsieht, sollten Autos aus Mexiko weiterhin bevorzugt importiert werden.

In Mexiko selbst, wo die Wirtschaft um weniger als zwei Prozent wächst, sinken die Absatzzahlen dagegen. Branchenexperten gehen allerdings davon aus, dass der Handelskrieg zwischen den USA und China sich zugunsten Mexikos auswirken könnte, vor allem bei der Produktion von Autoteilen. "Andere Länder, vor allem aus Asien, sind sehr daran interessiert, zu investieren", sagt Roberto Russilde, Wirtschaftsbeauftragter des nördlichen Bundesstaates Nuevo León.

Trump bleibt stur

Auch Eduardo Solís, Präsident der mexikanischen Vereinigung der Automobilindustrie (AMIA), ist optimistisch: "Das wichtige ist, dass Mexiko weiter wächst, das wichtige ist, dass Mexiko weiter Investitionen anzieht."

Doch Trump hat anderes im Sinn. Er sieht sich als Retter der einst stolzen amerikanischen Autoindustrie. "Wenn sie keine Zölle zahlen wollen, werden die Firmen, die 30 Prozent unserer Autoindustrie genommen haben, Mexiko verlassen und zurück in die USA kommen", schreibt der US-Präsident auf Twitter.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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