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Angriff Saudi-Arabien: Experten befürchten Ölpreis-Anstieg zwischen 5 und 10 Dollar


Nach Angriffen in Saudi-Arabien  

Experten befürchten erheblichen Anstieg des Ölpreises

16.09.2019, 08:34 Uhr | dpa , rtr

 (Quelle: Reuters)
Drohnenattacke: Huthi-Rebellen bekennen sich zu Angriff auf Ölanlagen

Nach den Drohnenattacken auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien haben sich jemenitische Huthi-Rebellen zu der Tat bekannt. (Quelle: Reuters)

Brand in Abkaik: Huthi-Rebellen aus dem Jemen haben sich zu den Drohnenangriffen auf zwei Ölanlagen in Saudi-Arabien bekannt. (Quelle: Reuters)


Die Drohnenangriffe in Saudi-Arabien könnten auch für Verbraucher Auswirkungen haben. Experten erwarten ein deutliche Steigerung des Ölpreises – vermutlich zwischen fünf und zehn Dollar pro Fass. Langfristig könnte es noch teurer werden

Der Ölpreis dürfte am Montag nach den verheerenden Angriffen auf Förderanlagen in Saudi-Arabien deutlich steigen. Teilweise rechnen Experten sogar mit Panik, die Marke von 100 Dollar könnte wieder in Reichweite rücken, sollte das Königreich nicht in der Lage sein, schnell wieder seine normale Kapazität zur Verfügung zu stellen. Ein Insider sagte am Wochenende, es werde vermutlich eher Wochen als Tage dauern, bis die Förderung wieder wie gewohnt laufe.

Durch Drohnenangriffe auf Standorte des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco in Abkaik und Churais wurde eine Fördermenge von 5,7 Millionen Barrel pro Tag bis auf Weiteres lahmgelegt. Das ist mehr als die Hälfte der täglichen Ölproduktion des Königreichs. Zu dem Beschuss haben sich die Huthi-Rebellen im Jemen bekannt, die dem Iran nahestehen – dem Erzfeind Saudi-Arabiens in der Region. Die USA machten den Iran für die Attacken verantwortlich.

Sicherheitsbedenken könnten Ölpreis zukünftig bestimmen

Der gegenwärtige Ausfall entspreche in etwa fünf Prozent des weltweiten Angebots, sagte Samuel Ciszuk vom Analysehaus ELS. Andere Experten betonten, dass am Markt Sicherheitsbedenken bislang nur teilweise berücksichtigt worden seien. Die Angriffe stellten eine neue Dimension dar, sagte etwa Analyst Christyan Malek von der US-Großbank JP Morgan. Der Markt werde dies nun einpreisen und der Preis in den nächsten drei bis sechs Monaten auf 80 bis 90 Dollar pro Fass steigen. Die Nordsee-Sorte Brent kostet momentan gut 60 Dollar, US-Leichtöl WTI knapp 55 Dollar.

Wirkt sich der Angriff auf den deutschen Markt aus?

Die Auswirkungen auf den deutschen Markt und für die Autofahrer hierzulande dürften sich nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Grenzen halten. "Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland – 2018 war es ein Prozent", sagte ein Verbandssprecher der Deutschen Presse-Agentur. "Eine Engpass-Gefahr beim Öl besteht für Deutschland also nicht."

Der globale Ölpreis könnte sich zwar kurzfristig erhöhen. "Ob sich das auf deutsche Tankkunden auswirkt, ist aber offen: Andere Länder sind in der Lage, ihre Fördermengen auszuweiten und den Ausfall so zu kompensieren", hieß es weiter. Derzeit ist nach Angaben des MWV der Ölpreis der maßgeblichen Nordsee-Sorte Brent mit rund 60 Dollar je Barrel (159 Liter) im langjährigen Vergleich eher niedrig. Der Preis habe schon mal über längere Zeit bei mehr als 100 Dollar gelegen.

Gary Ross von Black Gold Investors sagte, solche Attacken wie am Samstag seien schwer zu verhindern und könnten immer wieder vorkommen. Tilak Doshi von der auf die Energiebranche spezialisierten Beratungsgesellschaft Muse & Stancil ergänzte, Abkaik sei das Herz der Ölförderung in Saudi-Arabien. Dies komme nun zu Sicherheitsbedenken in der Straße von Hormus hinzu, wo immer wieder Tanker angegriffen wurden. Noch schlimmer wären direkte Kampfhandlungen zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, sagte Doshi. "Regierungen in der Region werden nun womöglich die US-Regierung und ihre harten Sanktionen gegen das Regime im Iran stärker unterstützen."

Internationale Energieagentur sieht keine Versorgungsprobleme

Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht nach den Drohnenangriffen hingegen zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt, teilte die IEA mit Sitz in Paris mit. "Wir stehen in Kontakt mit den saudischen Behörden sowie mit den wichtigsten Produzenten- und Verbrauchernationen." Man verfolge die Situation in Saudi-Arabien aufmerksam, hieß es weiter.

Im Fall von Engpässen sind die USA zur Freigabe von Ölreserven bereit. Damit könne etwaigen Störungen der Ölmärkte entgegengewirkt werden, teilte die Sprecherin des US-Energieministeriums, Shaylyn Hynes, am Sonntag mit.

Trump genehmigt Freigabe nationaler Ölreserven

US-Präsident Donald Trump genehmigte am Sonntag die Freigabe von nationalen Ölreserven im Falle von Engpässen. Er schrieb am Sonntagabend auf Twitter, ausgehend von dem Angriff, "der sich auf die Ölpreise auswirken könnte", habe er, falls erforderlich, die Freigabe genehmigt. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen". Die IEA in Paris sieht nach den Drohnenangriffen zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte gut mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt.

Experten sehen ein Eingreifen der USA denn auch nicht als ausgemachte Sache. Bis eine Schadensfeststellung verfügbar sei, könne er nicht abschätzen, wie wahrscheinlich das Anzapfen der nationalen US-Reserven ist, sagte der US-amerikanische Analyst Robert McNally, der früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats war und heute als Experte für die in Washington ansässige Energieberatungsfirma Rapidan Energy arbeitet. "Ich vermute, das ist nur eine verbale Beruhigungsmaßnahme", sagte er. "Wenn der Schaden nicht immens ist, bezweifle ich, dass wir ein Anzapfen sehen werden."

Energieminister Rick Perry habe die Führung seines Ministeriums angewiesen, in dieser Hinsicht mit der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris zusammenzuarbeiten. Die strategischen Ölreserven der USA umfassen nach Ministeriumsangaben 630 Millionen Barrel.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters

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