Sie sind hier: Home > Finanzen > Börse > Rohstoffe >

Ölpreise steigen: Welche Auswirkungen hat das für Deutschland?


Nach Angriffen auf Saudi-Arabien  

Ölpreise steigen: Das sind die Auswirkungen in Deutschland

16.09.2019, 12:46 Uhr | dpa , dpa-AFX , sah , t-online.de

Donald Trump (Quelle: AP/dpa)
USA: Trump verschärft Ton nach Ölangriff

"Wir haben Anlass zu glauben, dass wir den Täter kennen und warten mit geladener Waffe auf die Bestätigung", schrieb US-Präsident Donald Trump in der Nacht zum Montag auf Twitter. (Quelle: Reuters)

Donald Trump: Der US-Präsident will keinen Krieg und verschärfte den Ton nach dem Öl-Angriff trotzdem. (Quelle: Reuters)


Die Turbulenzen an den Ölmärkten kommen nicht überraschend. Zum Handelsstart schießen die Ölpreise in die Höhe. Die Frage ist, aus Sicht von Experten, wie stark und lange sie anziehen.

Nach den Drohnenangriffen auf die größte Ölraffinerie in Saudi-Arabien sind die Ölpreise am Montag deutlich gestiegen. In den ersten Handelsminuten waren die Preise für Öl um bis zu 20 Prozent geklettert, bevor sie einen Teil des Anstiegs wieder abgaben. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 66,54 US-Dollar. Das waren 6,32 Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 5,29 Dollar auf 60,14 Dollar. In der Spitze hatten die Rohölpreise ein Viermonatshoch erreicht.

Trump genehmigt Freigabe von Öl aus US-Reserven

US-Präsident Donald Trump genehmigte die Freigabe von nationalen Ölreserven im Falle von Engpässen. Er schrieb am Sonntagabend auf Twitter, ausgehend von dem Angriff, "der sich auf die Ölpreise auswirken könnte", habe er – falls erforderlich – die Freigabe genehmigt. Die Menge habe er noch nicht festgelegt, aber sie werde ausreichend sein, "um die Märkte gut zu versorgen". Die Energieagentur IEA in Paris sieht zunächst keine Versorgungsprobleme. Vorerst seien die Märkte mit reichlich kommerziellen Beständen versorgt.

Auswirkungen auf Deutschland

An den Tankstellen sind die Auswirkungen der Börsenausschläge noch nicht eindeutig erkennbar. Zwar stiegen bis mittags die bundesweiten Durchschnittspreise für Diesel und Superbenzin E10 um ein bis zwei Cent gegenüber dem Vortag. Diesel kostete nach dem Internetportal Clever-tanken.de etwas mehr als 1,24 Euro je Liter, Super 1,38 Euro. Da die Tankstellenpreise täglich mehrmals verändert werden und im Tagesverlauf oft sinken, ist das aber noch keine belastbare Tendenz.

Die Auswirkungen auf den deutschen Markt und für die Autofahrer hierzulande sollten sich nach Einschätzung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) in Grenzen halten. "Aus Saudi-Arabien kommt kaum Öl nach Deutschland – 2018 war es ein Prozent", sagte ein Verbandssprecher der Deutschen Presse-Agentur. "Eine Engpass-Gefahr beim Öl besteht für Deutschland also nicht."

Der globale Ölpreis könnte sich zwar kurzfristig erhöhen. Ob sich das spürbar und dauerhaft auf deutsche Tankkunden auswirke, sei aber offen. Andere Länder seien mittelfristig in der Lage, ihre Fördermengen auszuweiten und den Ausfall so zu kompensieren. Der aktuelle Ölpreis der maßgeblichen Nordsee-Sorte Brent sei im langjährigen Vergleich eher niedrig. Der Preis habe schon mal über längere Zeit bei mehr als 100 Dollar gelegen.

Preise für Heizöl ziehen an

Der Preis für Heizöl sprang am Montag regional unterschiedlich um drei bis fünf Cent je Liter nach oben, teilte der Messgeräte-Hersteller Tecson auf seiner Website mit. Der bundesweite Durchschnittspreis für 100 Liter Heizöl (bei Abnahme von 3.000 Litern, inkl. MwSt.) erhöhte sich demnach um rund vier Euro von 66,60 auf 70,50 Euro. Das entspricht einem Anstieg von etwa sechs Prozent. "Mit diesem Ereignis ist das Tankfenster für den Verbraucher erst einmal zugeschlagen", heißt es auf der Seite. "Wir raten zum Abwarten."

Der starke Preisanstieg am Montag bedeutet jedoch kein neues Jahreshoch. Zwischen Anfang April und Anfang Juni notierten die Heizölpreise ebenfalls oberhalb von 70 Euro. Der Höchststand lag Mitte Mai bei knapp 74 Euro. Die Heizölpreise sind in diesem Jahr bislang relativ stabil geblieben und haben innerhalb einer schmalen Bandbreite von rund zehn Euro geschwankt. Das war in früheren Jahren ganz anders, als die Verbraucher teils mit drastischen Preiserhöhungen und Preisstürzen konfrontiert waren. Vor sieben Jahren lag der Preis für Heizöl in den meisten Wochen oberhalb von 90 Euro.

Drohen dauerhaft steigende Ölpreise?

Der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, rechnet damit, dass sich der Ölpreis nach einem kräftigen Anstieg voraussichtlich schnell wieder normalisieren werde. "Dauerhaft steigende Ölpreise und folglich Belastungen für die Konjunktur sind nur zu erwarten, wenn das Ölangebot tatsächlich dauerhaft verknappt wird", sagte Fuest der dpa. Die Anrainerstaaten des Persischen Golfs produzierten gut ein Drittel des weltweiten Öls. Wenn es dort zu einem massiven bewaffneten Konflikt käme, wäre die globale Ölversorgung gestört, und die Preise würden deutlich steigen: "Derzeit spricht jedoch wenig dafür, dass es dazu kommt."

Wie ernst der Schaden sei und wie lange es dauere, bis die Produktionskapazität in Saudi-Arabien wieder voll hergestellt werden könne, sei ungewiss, schrieb Unicredit-Chefvolkswirt Erik Nielsen in London. Die Störung des Ölkreislaufs sei ziemlich bedeutend, urteilte Mele Kari, Chef des staatlichen nigerianischen Ölförderers Nigerian National Petroleum Corporation, im Interview des Finanzsenders Bloomberg TV. "Wenn sie anhält, könnte sie eine große Herausforderung für den Ölmarkt sein."

Energieanalyst Joe McMonigle von der Investmentberatung Hedgeye Risk Management sagte, sollten die USA ihre strategische Ölreserve anzapfen, könnte das – insbesondere bei einer koordinierten Aktion mit der Internationalen Energieagentur (IEA) – einen rasanten Anstieg der Ölpreise dämpfen.

Die wichtigste Öleinrichtung der Welt ist betroffen

Experten sehen ein Eingreifen der USA denn auch nicht als ausgemachte Sache. Bis eine Schadensfeststellung verfügbar sei, könne er nicht abschätzen, wie wahrscheinlich das Anzapfen der nationalen US-Reserven ist, sagte der US-amerikanische Analyst Robert McNally, der früher Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats war und heute als Experte für die in Washington ansässige Energieberatungsfirma Rapidan Energy arbeitet. "Ich vermute, das ist nur eine verbale Beruhigungsmaßnahme", sagte er. "Wenn der Schaden nicht immens ist, bezweifle ich, dass wir ein Anzapfen sehen werden."

Laut Rapidan Energy ist die betroffene Raffinerie in Abkaik die wichtigste Öleinrichtung der Welt. "Abkaik ist das Herz des Systems, und sie hatten gerade eine Herzattacke", sagte Roger Diwan vom Marktforscher IHS Markit. Nach ersten offiziellen Angaben aus Riad vom Wochenende haben die Angriffe zu einem drastischen Einbruch der Produktionsmenge geführt. Die Ölproduktion sei um 5,7 Millionen Barrel auf etwa die Hälfte des üblichen Tages-Volumens zurückgegangen, hatte die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA berichtet. Dabei handele es sich um einen vorübergehenden Effekt, der zudem durch die Einspeisung vorhandener Ölreserven teilweise kompensiert werde. Laut der US-Energieagentur USEIA hat Abkaik eine Rohöl-Verarbeitungskapazität von rund sieben Millionen Barrel täglich.

Auswirkungen auf den Aktienmarkt

Der starke Anstieg des Ölpreises dürfte zudem auch die jüngste Dax-Rally DAX Index erst einmal beenden. Der X-Dax als Indikator für den deutschen Leitindex signalisierte rund eine Stunde vor dem Handelsstart ein Minus von 0,73 Prozent auf 12.377 Punkte. Damit deutet sich ein Ende der Serie von acht Handelstagen mit Gewinnen an, in denen der Dax knapp fünf Prozent zugelegt hatte. Der EuroStoxx 50 DAX Index als Leitindex der Eurozone wird zum Wochenauftakt 0,6 Prozent tiefer erwartet.

Anleger sind nun verunsichert. "Es gilt das Motto Risk-off, Aktien werden verkauft, sichere Häfen wie Staatsanleihen und Gold gekauft", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Er hält die erste Reaktion an den Börsen gleichwohl noch für recht moderat. "Angesichts der Dimension dieses Anschlags und der weiteren Eskalationsgefahr hätten mich stärkere Kursverluste nicht überrascht", führte er aus.

Zudem drücken schwache Konjunkturdaten aus China auf die Stimmung. Die Augustdaten für die Industrieproduktion, den Einzelhandelsumsatz und Investitionen in Sachanlagen enttäuschten auf ganzer Linie und zeigen einmal mehr, wie stark die chinesische Wirtschaft unter dem Handelskrieg mit den USA und strukturellen Problemen leidet.

Papiere der Lufthansa litten

Unter dem Ölpreisschock litten im Dax vorbörslich die Papiere der Lufthansa LUFTHANSA AG VNA O.N. Aktie. Die Anteile der Fluggesellschaft gaben auf der Handelsplattform Tradegate um 3,5 Prozent zum Xetra-Schluss vom Freitag nach.

Im MDax MDAX PERFORMANCE-INDEX Index werfen Anleger erneut einen Blick auf Osram OSRAM LICHT AG NA O.N. Aktie. Der österreichische Halbleiterhersteller AMS AMS Aktie senkte die Mindestannahmequote für seine Offerte für den Münchner Konkurrenten. Die Schwelle liege nun bei 62,5 Prozent anstelle der zuvor angestrebten 70 Prozent, wie AMS mitteilte. AMS will nach eigenen Angaben mit Blick auf die Aktionärsstruktur das Risiko für die Übernahme senken und schneller zum Ziel kommen. Die AMS-Strategie sei in vielen Teilen vielversprechend, hieß es von Osram.

Vorbörslich stark ins Trudeln gerieten die noch im SDax SDAX P-IN. Index und ab kommender Woche im MDax notierenden Aktien der Compugroup COMPUGROUP MED.SE O.N. Aktie nach Senkung der Gewinnprognose. Grund sind angefallene Kosten für eine geplatzte Übernahme, wie der auf Arztpraxen und Apotheken spezialisierte Softwarehersteller meldete. Die Aktien verloren auf Tradegate fast sieben Prozent.


Zu guter Letzt könnten Aktienumstufungen bewegen. So stufte etwa die US-Bank JPMorgan die Papiere des Versicherers Hannover Rück HANNOVER RUECK SE NA O.N. Aktie auf "Underweight" ab. Goldman Sachs hob dagegen den Daumen für Deutsche Wohnen DEUTSCHE WOHNEN SE INH Aktie und rät nun zum Kauf. Vonovia VONOVIA SE NA O.N. Aktie setzten die Goldman-Analysten auf die "Conviction Buy List". Zudem strich das Bankhaus Lampe seine Kaufempfehlung für die Aktien der Optikerkette Fielmann FIELMANN AG O.N. Aktie.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOhappy-size.detchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal