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Thomas Cook ist pleite: Was bedeutet die Insolvenz für betroffene Urlauber?


Thomas Cook ist pleite  

Was bedeutet die Insolvenz für Reisende?

24.09.2019, 11:10 Uhr | sm , t-online.de

 (Quelle: Reuters)
Verunsicherung nach Pleite von Thomas Cook

Nach der Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook ist für viele Urlauber unklar, wie sie zurück in ihre Heimat kommen. Vom Zusammenbruch sind etwa 600.000 Touristen betroffen, darunter etwa 140.000 aus Deutschland. (Quelle: Reuters)

Nach Pleite von Thomas Cook: Auf vielen Flughäfen herrscht nun Chaos und Verwirrung bei den Reisenden. (Quelle: Reuters)


Der britische Touristikkonzern Thomas Cook ist pleite. Davon sind auch Zehntausende Deutsche betroffen, die sich im Urlaub befinden oder ihre Reise erst noch antreten wollen. Was sie jetzt tun können. 

Dem britischen Reisekonzern Thomas Cook Thomas Cook Group PLC ORD EUR0.01 Aktie ist das Geld ausgegangen. Damit wurde auch mit sofortiger Wirkung der Betrieb eingestellt. Rund 600.000 Reisende sind von der Insolvenz des ältesten Reiseveranstalters betroffen. 140.000 davon sind mit den deutschen Reiseveranstaltern von Thomas Cook unterwegs. Doch nicht nur sie, auch Verbraucher, die erst noch ihren Urlaub antreten wollen, könnten die Folgen der Pleite spüren.

Während die deutsche Tochter Condor den Flugbetrieb aufrechterhalten will, teilte die Thomas Cook GmbH hingegen mit, dass die Reisen "nicht gewährleistet werden" können. Das bekommen die ersten Betroffenen zu spüren, die heute oder morgen in den Urlaub fliegen wollten.

Wir beantworten wichtige Fragen zur Insolvenz von Thomas Cook:

Was bedeutet eine Insolvenz für Reisende?

Wer mit dem insolventen Reiseveranstalter in den Urlaub gestartet ist, muss jetzt möglicherweise seine Koffer packen – und zwar auch, wenn der Urlaub eigentlich noch einige Tage dauern sollte. Denn: Mit der Pleite des Reiseveranstalters ist die Reise eigentlich vorbei. Der Grund: Bekommt der Hotelier kein Geld mehr vom Reiseveranstalter, wird er die Reisenden auch nicht mehr beherbergen und verpflegen wollen.

Wie sollten Reisende im Urlaubsort vorgehen?

Wer im Urlaub ist, sollte sich erst einmal an seine Reiseleitung wenden. Im Fall der Insolvenz des Reiseveranstalters müssen Reisende in der Regel ihren Urlaub abbrechen. Dies entscheidet der Versicherer. Kommen Urlauber der Aufforderung nicht nach, verwirken sie ihren Anspruch auf Kostenerstattung für den Aufenthalt und die Rückreise. Sollte im Gegensatz ein längerer Aufenthalt erforderlich sein, übernimmt die Versicherung die damit verbundenen Kosten bis zum nächstmöglichen Rückreisetermin. Wichtig: Auf keinen Fall sollten Reisende auf eigene Faust eine Ersatzunterkunft oder einen Rückflug buchen. Diese Kosten werden in der Regel nicht erstattet.

Und wenn der Urlaub erst in ein paar Tagen startet?

Auch hier gilt: Erstmal auf den Reiseveranstalter zugehen, entweder direkt oder über das Reisebüro, in dem gebucht wurde. Betroffene sollten konkret fragen, ob die Reise wie geplant stattfinden kann oder es eventuell eine Erstattung der Reisekosten gibt. Gegebenenfalls hat das Reisebüro bereits entsprechende Informationen vorliegen. Im Grund ist jedoch der Reiseveranstalter in der Pflicht.

Wie sind Reisen bei einer Pleite des Veranstalters abgesichert?

Verbraucher sind in der Regel bei Pauschalreisen gegen eine Insolvenz des Reiseveranstalters abgesichert. Grundlage ist § 651r Bürgerliches Gesetzbuch (BGH). Sollten auch die deutschen Thomas-Cook-Töchter Insolvenz anmelden, kommt erst einmal die Insolvenzversicherung zum Tragen. Der Haken: Die Höhe der Versicherung ist auf 110 Millionen Euro begrenzt. Vor dem Hintergrund der Größe von Thomas Cook ist jedoch derzeit nicht klar, ob diese Summe ausreicht.

Wo befinden sich die Informationen zur Versicherung?

Der Reisende bekommt mit seiner Bestätigung einen sogenannten Sicherungsschein mit den Informationen zur Insolvenzversicherung des Reiseveranstalters. Der Nachweis der Versicherung oder alternativ einer Bankbürgschaft muss den Reisedokumenten im Original beigefügt sein. Im Fall einer Pleite müssen sich die Kunden an die dort angegebene Adresse wenden. Gesetzliche Grundlage ist im Übrigen die EU-Richtlinie 90/314/EWG über Pauschalreisen.

Welche Kosten übernimmt die Versicherung?

Die Pflichtversicherung der Reiseveranstalter umfasst sowohl die Anzahlung als auch die Restzahlung. Für Urlauber im Ausland ist die Versicherung für die Kosten der Rückreise zuständig. Im Idealfall organisiert der insolvente Reiseveranstalter noch die Rückreise, die Versicherung übernimmt die Kosten. Bekommt der Reiseveranstalter die Rückreise nicht organisiert, übernimmt die Versicherung die Kosten alternativer Möglichkeiten. Nicht zu vergessen: Die Versicherungsleistung umfasst ausfallende Leistungen, nicht jedoch die bereits geleisteten.

Kann der Reisepreis gemindert werden?

Für die Anzahlungen und Restzahlungen kommt die Versicherung auf. Dies gilt insbesondere bei Pauschalreisen. Ein gleichzeitiger Anspruch auf eine Reisekostenminderung besteht nicht.

Wie ist es mit dem Verlust eines abgebrochenen Urlaubs?

Auch hier tritt ein Versicherungsfall ein. Wer zehn Tage Pauschalurlaub gebucht hat, aber bereits nach fünf Tagen wieder nach Hause zurückkehrt, bekommt die Hälfte der Kosten erstattet. Maßstab ist immer der gesamte Reisepreis. Urlauber sollten sich nicht damit vertrösten lassen, dass ja die Hin- und Rückflüge übernommen worden seien und deshalb nur die Hälfte der Hoteltage erstattet wird.

Was passiert, wenn das Hotel den Urlauber vor die Tür setzt?

Manche Hoteliers setzen Kunden von Thomas Cook scheinbar wegen ausgebliebener Zahlungen vor die Tür. Die Folgekosten – etwa für eine alternative Unterkunft – muss ebenfalls die Versicherung übernehmen. Das ändert sich jedoch, wenn ein Urlauber sagt, er bleibt freiwillig in dem Hotel und bucht sich dort privat ein. Damit fällt das nicht mehr unter die versicherte Pauschalreise, der Urlauber muss selbst zahlen.

Wo ist das Problem – es gibt eine Versicherung?

Das Problem ist die mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ausreichende Deckung. Abgesichert sind 110 Millionen Euro. Doch der Wert der betroffenen Reisen dürfte nach Schätzungen von Verbraucherschützern und Reisebüros deutlich höher sein. Der Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros geht von 300 bis 400 Millionen Euro aus.

Was ist, wenn die Deckung nicht ausreicht?

Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft erstatten die Versicherungen die Reisekosten nur anteilig, falls der Schaden bei über 110 Millionen Euro liegt.

Wie viel Geld bekommen Urlauber dann konkret zurück?

Dies lässt sich erst sagen, wenn der Schaden auch wirklich bekannt ist. Für den einzelnen Urlauber können dies aber erhebliche Kosten sein. Falls – wie vom Verband der unabhängigen Reisebüros angenommen – der Schaden etwa dreimal so hoch ist wie die versicherte Summe, würden Kunden folglich nur ein Drittel erstattet bekommen. Wer also mit seiner Familie für 3.000 Euro einen Pauschalurlaub in den Herbstferien gebucht hat, bekäme in diesem Szenario lediglich 1.000 Euro erstattet.

Hat grundsätzlich jeder Kunde Anspruch aufs Geld?

Nein, die Haftung bezieht sich nur auf Pauschalreisen mit ihrem Komplettangebot von An- und Abreise und Unterkunft. Wer etwa eine Städtereise mit Eigenanreise gebucht hat, geht leer aus. Ebenso bei einer reinen Flugbuchung.

Gibt es Anspruch auf Schadenersatz?

Das ist unter Experten umstritten. Urlaubern, die ihre Reise am Montag oder Dienstag dieser Woche nicht antreten können, könnte Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden zustehen. Einen automatischen Schadenersatz aufgrund von nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit gibt es jedoch nicht. Allerdings können entstandene Zusatzkosten – wie zum Beispiel Telefonkosten – bei der zuständigen Insolvenzversicherung geltend gemacht werden.

Wie gefährdet sind die deutschen Thomas-Cook-Töchter?

Die Thomas Cook GmbH lotet nach Unternehmensangaben aktuell "letzte Optionen" aus. Dazu gehört ein Überbrückungskredit in Höhe von 200 Millionen Euro, den derzeit die Bundesregierung prüft. Sollte dies jedoch scheitern, sehe sich die Geschäftsführung gezwungen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, die Bucher Reisen und Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften Insolvenzantrag zu stellen.
 

Und die Fluggesellschaft Condor?

Die deutsche Tochtergesellschaft Condor hält den Flugbetrieb derzeit aufrecht – als einzige der fünf Fluggesellschaften von Thomas Cook. Jedoch werden Passagiere, die über Thomas Cook gebucht haben, nicht geflogen. Aktuell hat die Fluggesellschaft einen Überbrückungskredit in Höhe von 200 Millionen Euro bei der Bundesregierung beantragt. Damit sollen Liquiditätsengpässe überbrückt und der Flugbetrieb nicht gefährdet werden. Scheitert die Rettungsaktion, geht es den rund 240.000 derzeit im Urlaub weilenden Condor-Fluggästen genauso wie den vielen Thomas-Cook-Kunden aus Großbritannien oder Skandinavien, die per Notfallplan nach Hause fliegen müssen oder gar nicht erst wegkommen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa, AFP, Reuters
  • Eigene Recherche

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