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Ölriese Aramco: Große Börsenparty bleibt wohl aus – Kronprinz verspekuliert sich


Ölriese Aramco  

Die große Börsenparty bleibt wohl aus

04.12.2019, 21:06 Uhr | AFP

Ölriese Aramco: Große Börsenparty bleibt wohl aus – Kronprinz verspekuliert sich. Eine Anlage von Aramco in Saudi-Arabien: Im Oktober 2019 waren Anlagen des Ölkonzerns mit Raketen und Drohnen angegriffen worden. (Quelle: imago images)

Eine Anlage von Aramco in Saudi-Arabien: Im Oktober 2019 waren Anlagen des Ölkonzerns mit Raketen und Drohnen angegriffen worden. (Quelle: imago images)

Anleger zögern beim Börsengang des Ölriesen aus Saudi-Arabien. Die bloßen Zahlen beeindrucken, doch Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hatte ursprünglich auf einen höheren Börsenwert spekuliert. 

Trotz Sonderkrediten und des Appells an den Patriotismus einheimischer Investoren: Der Börsengang des saudiarabischen Ölgiganten Aramco hat auf der Zielgeraden viel von seinem Glanz verloren. Das Interesse ist deutlich geringer als von dem Wüstenstaat erhofft. Auch die in die Pflicht genommenen lokalen Anleger zweifeln – und hadern zudem mit widersprüchlichen religiösen Ratschlägen.

Die bloßen Zahlen beeindrucken: Aramcos Börsengang könnte den bislang größten aller Zeiten hinter sich lassen, den der chinesische Online-Handelsriese Alibaba 2014 absolvierte und damit 25 Milliarden US-Dollar einnahm, umgerechnet rund 22,5 Milliarden Euro. Aramco könnte mit 1,5 Prozent seiner Anteile nun rund 23 Milliarden Euro erlösen. Angestrebt waren aber einmal 90 Milliarden Euro. Die Pläne für den Börsengang reichen bis Anfang 2016 zurück.

Börsenwert des Unternehmens

Zwar wird der Börsenwert des weltweit profitabelsten Unternehmens mit astronomischen 1,5 Billionen Euro veranschlagt – doch Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman hatte ursprünglich auf zwei Billionen spekuliert. Das Londoner Wirtschaftsforschungsunternehmen Capital Economics hält es für "unwahrscheinlich, dass die Börsennotierung der Kassenschlager wird, auf den das Königreich einst hoffte".

Aramco hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Unternehmensanteile seien 1,7-fach überzeichnet. Zum Vergleich: Anteile der National Commercial Bank, des größten Kreditinstituts des Landes, wollten beim Börsengang 2014 weit mehr als zwanzigmal so viele Anleger kaufen wie möglich. 2006 zeichneten rekordverdächtige zehn Millionen Saudi-Araber bei der Immobiliengesellschaft Emaar. Aramco hatte Stand vergangene Woche nur etwa halb so viele Kleinanleger überzeugt.

Saudi-Arabien hofft auf regionale Unterstützung

Institutionelle Anleger boten demnach insgesamt knapp 29 Milliarden Euro. Nur rund zehn Prozent dieser Summe entfielen auf ausländische Investoren. Das ist keine Überraschung: Werbeveranstaltungen in den USA und Europa wurden abgesagt, beim Börsengang hofft Saudi-Arabien vielmehr auf regionale Unterstützung.

Während also der malaysische Mineralölkonzern Petronas anders als zunächst erwartet wohl doch nicht in Aramco investiert, kommen 1,4 Milliarden Euro aus Abu Dhabi und auch der Golfnachbar Kuwait will Geld bereitstellen.

Aramco verspricht lokalen Investoren höhere Dividenden und zusätzliche Anteilsoptionen, Banken lockten mit besonders attraktiven Krediten. Die Regierung versucht es mit einer anderen Strategie und stellt es für die Wohlhabenden des Landes als patriotische Pflicht dar, sich an dem Unternehmen zu beteiligen.

Nicht alle Nationalisten stehen hinter dem Börsengang

Doch nicht alle Nationalisten im ultrakonservativen Saudi-Arabien stehen hinter Kronprinz Mohammed bin Salman und seinem Plan, mit den Einnahmen aus dem Börsengang eine fundamentale Transformation der heimischen Volkswirtschaft zu finanzieren und neue Großprojekte neben dem Energiesektor in Angriff zu nehmen.

Aramcos Börsengang entwickele sich "zu einer wirtschaftlichen Demonstration der Stärken und Schwächen" der neuen Hinwendung von Saudi-Arabien zum Nationalismus, beobachtet Kristin Diwan vom Washingtoner Arab Gulf States Institute.
 

 
Manche Saudi-Araber fühlen sich hin- und hergerissen zwischen gegensätzlichen Ratschlägen von religiöser Seite: Der Geistliche Abdullah al-Mutlak beispielsweise bezeichnete den Börsengang als "halal" – also als den islamischen Vorschriften entsprechend – und sagte, wahrscheinlich würden auch religiöse Gelehrte Anteile kaufen. Aus Sicht eines anderen einflussreichen Klerikers, Abdelasis al-Fausan, ist das jedoch nicht mit islamischen Werten vereinbar. "Fausan sagt, es ist Wucher, und Mutlak sagt, es ist halal. Wir sind verloren zwischen ihnen", kommentiert ein Twitter-Nutzer.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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