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Siemens-Chef Joe Kaeser hält Proteste von Klimaschützern für "fast grotesk"


Aktionen bei Hauptversammlung  

Siemens-Chef hält Proteste für "fast grotesk"

05.02.2020, 12:04 Uhr | dpa

Siemens-Chef Joe Kaeser nennt Proteste "grotesk"

Klimaschutzgruppen organisieren zur Siemens-Hauptversammlung Proteste, weil der Konzern mit einer Signaltechnikanlage an einem Bergwerksprojekt in Australien beteiligt ist. (Quelle: Reuters)

"Fast grotesk, dass wir zur Zielscheibe werden": Siemens-Chef Joe Kaeser äußerte sich vor der Hauptversammlung am Mittwoch zu den Protesten. (Quelle: Reuters)


Siemens-Chef Joe Kaeser ist gegen Ende seiner Amtszeit in schwieriger Lage: Umweltschützer setzen den Konzern massiv unter Druck. Kaesers voraussichtlich letzte Hauptversammlung an der Spitze des Konzerns wird auch seine unruhigste.

Sie singen, halten sich bei den Händen und hüpfen fürs Klima – etwa 300 Umweltschützer haben sich am Mittwochmorgen vor der Münchner Olympiahalle versammelt, um gemeinsam bei der Siemens-Hauptversammlung gegen die vergleichsweise geringfügige Beteiligung des Konzerns an einem großen Kohlebergbauprojekt in Australien zu protestieren.

Aktivisten begrüßten Aktionäre mit Plakaten

Mit Plakaten, auf denen Slogans wie "Wir brauchen keine Kohle" oder "Siemens als Brandbeschleuniger für die Klima-Kriminellen" standen, begrüßten die Aktivisten die Aktionäre vor dem Eingang. Ein Großteil der Protestierenden des Bündnisses, etwa von Fridays for Future, Campact, Greenpeace und Extinction Rebellion, bildeten eine Menschenkette, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Kurzzeitig sei auch der Zugang zum Gebäude behindert gewesen, teilte ein Sprecher der Polizei mit.

Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser zeigte sich verärgert über die Proteste. Es mute "schon fast grotesk an, dass wir durch ein Signaltechnikprojekt in Australien zur Zielscheibe doch zahlreicher Umweltaktivisten geworden sind", sagte er. Zudem betonte er, dass die Lieferung für die Mine "irrelevant" sei. An dem Auftrag hält er dennoch fest – aus Haftungsgründen und, um die Zuverlässigkeit des Unternehmens zu demonstrieren. Allerdings räumte Kaeser auch ein, dass Themen wie Umwelt, Soziales und Unternehmensführung inzwischen wesentliche Strategieelemente seien, die sich in der Unternehmensplanung wiederfinden müssten. Diese dürften künftig auch für Investoren wichtiger werden.

"Wir hatten schon bessere Quartale", räumte Kaeser dann bei einer vor der Hauptversammlung einberaumten Pressekonferenz ein. So wirkt sich die Konjunkturschwäche im Auto- und Maschinenbau weiter negativ auf einen Teil der digitalen Geschäfte aus, etwa bei der Automatisierung. Eine Besserung erwartet Kaeser erst in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres.


Wirkt sich das Coronavirus auf die Geschäftszahlen aus?

Wie sich das rasant um sich greifende Coronavirus auf das Geschäft auswirken wird, könne man derzeit noch nicht einschätzen. Es werde sich erst in den nächsten Quartalen zeigen, sagte der Manager mit Blick auf mögliche Absatzeinbußen. Auf der anderen Seite habe Siemens einen Krisenstab für den Einkauf gegründet.

Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) fiel im ersten Geschäftsquartal mit 1,4 Milliarden Euro rund 30 Prozent niedriger aus als ein Jahr zuvor. Analysten hatten hier mit mehr gerechnet. Unter dem Strich lag der Gewinn mit knapp 1,1 Milliarden Euro dank geringerer Steuern und niedrigerer Pensionsrückstellungen etwas über dem Vorjahresniveau. Der Umsatz stieg leicht um 1 Prozent auf 20,3 Milliarden Euro. Der Auftragseingang fiel um 2 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro. An seinen Prognosen hielt das Management dennoch fest. Für die Aktie ging es am Vormittag in einem freundlichen Markt leicht aufwärts.

Siemens will Energiegeschäft an die Börse bringen

Das Ergebnis der digitalen Geschäfte sank im abgelaufenen Quartal um knapp ein Drittel. Hier belasteten neben der schwächeren Nachfrage zusätzlich Umbaukosten sowie Investitionen etwa ins Cloudgeschäft. Die Ergebnisbeiträge der Medizintechniktochter Healthineers gingen zurück. Das Unternehmen hatte bereits am Montag von einer schwächeren Entwicklung berichtet. Der Windanlagenbauer Gamesa belastete die Bilanz ebenfalls, nachdem er wegen der Verzögerung bei Projekten im abgelaufenen Quartal in die Verlustzone gerutscht war.

Im Mittelpunkt steht bei Siemens in diesem Jahr das Energiegeschäft, das der Konzern ausgliedern und im September an die Börse bringen will. Hier liege Siemens im Zeitplan, hieß es. Die Ergebnisse der Sparte gingen im jüngsten Quartal weiter zurück. Unter anderem belasteten Kosten für die Verselbstständigung, aber auch ein höherer Umsatzanteil weniger gewinnträchtiger Bereiche. Michael Sen, Co-Chef von Gas and Power und designierter Vorstandsvorsitzender der neuen Siemens Energy, hofft auf einen höheren Anteil des renditestärkeren Servicegeschäfts im dritten und vierten Geschäftsquartal.

Bei der Verselbstständigung des Energiegeschäfts kommt Siemens voran. In die neue Gesellschaft bringt der Konzern auch seinen Anteil an Siemens Gamesa ein. Hier schlossen die Münchner eine Vereinbarung mit ihrem widerspenstigen Mitaktionär Iberdrola und übernehmen dessen Anteil von gut 8 Prozent. Der Anteil von Siemens an Gamesa steigt damit auf rund 67 Prozent. Siemens und Iberdrola hatten sich in der Vergangenheit juristische Scharmützel rund um Gamesa und die Frage nach Macht und Einfluss geliefert. Nun hofft Kaeser, dass "das Management wieder mehr Kapazität hat, sich mit der Verbesserung der Ertragskraft näher zu befassen".

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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