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Coronavirus-Angst: Dax mit größtem Wochenverlust seit Finanzkrise 2008


Folgen des Coronavirus  

Dax: Größter Wochenverlust seit der Finanzkrise 2008

28.02.2020, 13:49 Uhr | top, dpa, rtr

Coronavirus-Angst: Dax mit größtem Wochenverlust seit Finanzkrise 2008. Unsicherheit an der Börse: Unternehmen treten wegen des Coronavirus bei ihren Prognosen für die künftigen Geschäfte auf die Bremse. (Quelle: dpa/Frank Rumpenhorst)

Unsicherheit an der Börse: Unternehmen treten wegen des Coronavirus bei ihren Prognosen für die künftigen Geschäfte auf die Bremse. (Quelle: Frank Rumpenhorst/dpa)

Der Dax fällt weiter: Immer mehr Anleger flüchten auch in Deutschland aus den Finanzmärkten. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank prophezeit eine globale Rezession. 

Der Kursrutsch aus Sorge vor einer Coronavirus-Pandemie hat am Freitag mit einem Dax-Verlust von zeitweise mehr als 5 Prozent einen vorläufigen Höhepunkt erlebt. Mit einem Minus von gut 13,5 Prozent seit dem vergangenen Freitag erleben die Anleger die schwärzeste Woche seit Beginn der Weltfinanzkrise 2008. 

Am späten Vormittag notierte der deutsche Leitindex noch mit gut 4 Prozent im Minus bei 11.861,21 Punkten. Das Rekordhoch aus der Vorwoche bei 13.795 Punkten scheint in der aktuellen Panik am Markt aber so schnell nicht wieder erreichbar. Der MDax der mittelgroßen Werte fiel um 3,24 Prozent auf 25.347,75 Punkte. Der EuroStoxx 50 als Leitbarometer der Eurozone verlor mehr als dreieinhalb Prozent.

"Die Börse preist gerade einen Tsunami an Gewinnwarnungen aus den Unternehmen ein", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. Die Kurse rauschten am Freitag in die Tiefe wie zu Zeiten der Finanzkrise. David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, prophezeite eine Rezession in Deutschland und auch global.  "Innerhalb weniger Tage wurden die Kursgewinne der vergangenen Wochen und Monate pulverisiert", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. "Panik macht sich breit." Mitte Februar hatte der Dax mit 13.795,24 Zählern noch ein Rekordhoch markiert.

Coronavirus trifft deutsche Wirtschaft 

Das neuartige Coronavirus breitet sich nicht nur in Deutschland immer stärker aus. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am Donnerstag, der neue Erreger habe "pandemisches Potenzial" und könnte ohne die richtigen Maßnahmen "außer Kontrolle geraten". "Die exportorientierte deutsche Wirtschaft wird durch die Unterbrechung von internationalen Lieferketten besonders schlimm getroffen", sagte Stefan Schneider, Chefvolkswirt für Deutschland. Die Folgen des Coronavirus könnten in Deutschland zu einer Rezession führen.

Zu den schwächsten Dax-Werten gehörten die Papiere der Munich Re, die zeitweise um mehr als 9 Prozent absackten. Der Rückversicherer hat seinen Gewinn 2019 trotz deutlich gestiegener Großschäden zwar kräftig gesteigert und sein ursprüngliches Gewinnziel von 2,5 Milliarden Euro übertroffen. Die noch optimistischeren Erwartungen von Analysten wurden jedoch verfehlt.

Auch die BASF-Aktie musste weiter kräftig Federn lassen und rutschte auf das tiefste Niveau seit 2012 ab. Der Chef des weltgrößten Chemiekonzerns, Martin Brudermüller, zeichnete bei der Vorlage der Jahreszahlen ein recht düsteres Bild wegen des Virus. Er erwartet vor allem nicht, "dass die Corona-Effekte im Jahresverlauf vollständig ausgeglichen werden können."

Aktien von Atemschutzmasken-Herstellern gefragt

Auch der anfängliche Lichtblick Thyssenkrupp hielt nicht lange. Der in Finanznöten steckende Stahl- und Industriekonzern will seine Aufzugssparte komplett an ein Konsortium rund um die Finanzinvestoren Advent und Cinven verkaufen. Mit im Boot ist auch der Ruhrkonzern RAG, der an dem Chemiekonzern Evonik beteiligt ist. Zuletzt konnten sich die Papiere dem Verkaufsdruck nicht entziehen und rutschten auf das tiefste Niveau seit 2003.

Gefragt sind alleine Aktien vermeintlicher Profiteure der Viruserkrankung wie Drägerwerk und Teamviewer. Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Drägerwerk stellt Atemschutzmasken her, die derzeit sehr stark nachgefragt werden. Teamviewer ist ein Software-Hersteller für Computerfernwartung und Videokonferenzen, die immer mehr Unternehmen nutzen, um Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen.

Deutsche Bank: Deutschland wird von Coronavirus hart getroffen

Die Folgen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus könnten in Deutschland nach Einschätzung der Deutschen Bank zu einer Rezession führen. "Die exportorientierte deutsche Wirtschaft wird durch die Unterbrechung von internationalen Lieferketten besonders schlimm getroffen", sagte Stefan Schneider, Chefvolkswirt für Deutschland, am Donnerstagabend in Frankfurt. Es sei daher wahrscheinlich, dass die deutsche Wirtschaft in den ersten beiden Quartalen des Jahres schrumpft.

Auch im Gesamtjahr dürfte das Wachstum "nicht viel" über der Nulllinie liegen, sollte das von der Bank erwartete Hauptszenario eintreten, sagte Schneider. Die bisherige offizielle Prognose eines Wirtschaftswachstums von 0,7 Prozent wäre in einem solchen Fall nicht zu halten.

In ihrem Hauptszenario erwartet die Deutsche Bank, dass die Zahl der am Coronavirus erkrankten Menschen weltweit auf drei Millionen steigt und dass 30.000 Menschen sterben. Diesem Szenario bemisst Deutsche Bank-Chefvolkswirt David Folkerts-Landau eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent bei. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte in diesem Fall ihren Einlagesatz von derzeit minus 0,5 Prozent auf bis zu minus 0,7 Prozent reduzieren. Laut Folkerts-Landau wären diese Zinssenkungen aber vollkommen unwirksam.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

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